Razzia im CC? – Polizei Großeinsatz sorgt für Kritik | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Ein Großeinsatz der Polizei Augsburg im City Club am vergangenen Samstag sorgt für Diskussionen. Die Zusammenhänge zu laufenden Ermittlungen und Kritik der Betreiber.

Razzia im CC? – Polizei Großeinsatz sorgt für Kritik

Volles Haus im City Club! Was sich zunächst wie eine umsatzstarke Nacht für den Augsburger Kulturszene-Ort liest, endet jedoch mit einem polizeilichen Großeinsatz in den Privaträumen der Veranstalter sowie der Festnahme diverser Personen vor Ort und einer spontanen Demo am Königsplatz hinter dem Polizeiabsperrband. Was vorgefallen ist und wie das CC selbst den Abend kommentiert.

Was ist passiert?

31. Januar am Samstagabend um 20:40 Uhr. Etwa 200 Polizeibeamt:innen verschaffen sich teils mit Rammböcken Zutritt zu den Wohn- und Geschäftsräumen des Hauses in der Konrad-Adenauer-Allee 9. Neben dem City Club wurden demnach drei weitere Räumlichkeiten am Königsplatz auf Verdacht auf Betäubungsmittelkriminalität durchsucht. Zum Zeitpunkt des Einsatzes, fand im CC ein reguläres Techno-Event statt, zu dem sich, laut Pressemitteilung der SPD Augsburg, rund 120 Menschen versammelt hatten. Doch nach knapp fünf Stunden sollte der Abend vor allem durch eine Festnahme und den hinterlassenen, beachtlichen Sachschaden in Erinnerung bleiben. Die Betreiber des CC und unabhängige Vereine sowie Vertreter der Politik in Augsburg äußern sich nach dem Einsatz und kritisieren die mangelnde Kommunikation sowie eine unverhältnismäßige Gewaltanwendung auf die Räumlichkeiten sowie Gäst:innen.

Das steckt hinter dem Großeinsatz im CC

Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln: So begründet es die Polizei Schwaben Nord in ihrem offiziellen Pressebericht. Bereits seit Ende 2024 sollen die Beamten der Polizeiinspektion Augsburg Mitte deswegen ermittelt haben. Die Durchsuchung am Samstag erfolgte auf Grundlage eines richterlichen Beschlusses und nach Genehmigung der Staatsanwaltschaft Augsburg. Die Gäst:innen sowie Mitarbeitende erzählen im Nachhinein (offizielles Presse-Statement des City Club), dass sie ohne klare Begründung über mehrere Stunden hinweg im Club festgehalten wurden und sich einzeln kontrollieren lassen mussten. Dies beinhaltete ein Entkleiden bis auf die Unterwäsche und teils sogar darüber hinaus. Insgesamt wurden 17 Personen an Ort und Stelle vorläufig festgenommen. Bis auf eine Person, wurden anschließend alle wieder frei gelassen.

Fragwürdige Methoden und fehlende Kommunikation

Sebastian Demmer, der Geschäftsführer der blausky GmbH, zu welcher auch der City Club gehört, spricht sich klar in der offiziellen Stellungnahme des Club-Kollektivs aus und weist die Anschuldigungen der Polizei zurück: „Auch in unseren Räumlichkeiten wird der Konsum von illegalen Betäubungsmitteln nicht geduldet." Weiter heißt es in der Pressemitteilung des CCs, dass es sich bei den festgenommenen Personen nicht um Mitarbeiter*innen handelt und außerdem, dass, entgegen des Verdachts seitens der Stadtanwaltschaft, keine Betäubungsmittel in den Räumlichkeiten des Clubs sichergestellt werden konnten. Nach dem Vorfall bleiben einige zentrale Fragen unbeantwortet. Auch die Augsburger SPD-Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn äußert sich zu dem Großaufgebot am vergangenen Samstagabend und findet selbst, einige Worte: „Ich bin enttäuscht über die Unverhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes im City Club Augsburg.“ Auch andere Parteien, wie beispielsweise die Linke, drücken auf ihrer Instagram-Plattform ihren Schock über das Vorgehen aus und „fordern Aufklärung“. Die Grüne Augsburg sehen den Polizeieinsatz als „unverhältnismäßig“ an, posten auf ihrem Instagram ein Statement zu dem Vorgehen im Kulturort CC und „fordern die Staatsanwaltschaft dazu auf, die Hintergründe zum Einsatz transparent darzulegen“.

Zeugenaussagen und Berichte von Betroffenen

Der Inhaber berichtet über seine Erlebnisse mit der Polizei an diesem Abend: "Ich habe mich direkt zu Beginn gegenüber einem Beamten als Geschäftsführer zu erkennen gegeben und angeboten, sämtliche Schlüssel zur Verfügung zu stellen. Trotz dieses Angebots wurden alle Räume gewaltsam geöffnet, wodurch ein riesiger, vermeidbarer Sachschaden entstanden ist." Bei der Beschlagnahmung von Datenträgern wurden auch die Kassensysteme, Kartenzahlungsgeräte sowie die privaten Handys derjenigen Kolleg:innen, die an diesem Abend Schicht im CC hatten, konfisziert. Der Einsatz wird voraussichtlich weiterhin finanzielle Folgen für den City Club mit sich ziehen, vor allem aufgrund des Umsatzausfalls am Samstagabend sowie auch am folgenden Sonntag. Das freie Theater Ensemble „theter ensemble“, das unabhängig seine Vereins- und Proberäumlichkeiten im dritten Stock des Gebäudes hat, berichtet in einer eigens verfassten Pressemitteilung über „herausgerissene Schubladen“ und ein allgemeines „Bild der Verwüstung“, obwohl die Vereinsräume „weder rechtlich noch organisatorisch“ zum Club gehören. Franziska Pux, Gründungsmitglied des Vereins, betont: „Es fühlt sich nach einem Angriff auf die ganze freie Club- und Kulturlandschaft Augsburgs an, einer Machtdemonstration gegen alternative und Subkultur.“

Wenn ihr den CC supporten wollt:

Die spontane Demonstration vor dem CC als Reaktion und friedliche Gegenwehr startete bereits Samstagabend damit, sich hinter dem rot-weißen Absperrband der Polizei solidarisch für die linken Subkulturen der Stadt Augsburg einzusetzen. „Jede Stadt braucht Räume, in denen sich Menschen vernetzen können, sich aufgehoben fühlen, austauschen und Kultur erleben dürfen – vor allem im Kontext immer stärker werdender ultra-konservativer und reaktionärer Tendenzen”, so äußert sich die Mitarbeitende des City Clubs, Svenja Tietze. Ihr könnt mitmachen: geht zu den Veranstaltungen des CC, supportet den Betrieb mit eurer Anwesenheit und etwas Cash beim Feiern gehen oder im Café ein Stockwerk tiefer.

Es wird immer Menschen geben, die für genau diese Räume kämpfen! - Svenja Tietze, CC.

Ein besonderer Event-Tipp: In Support für den CC veranstaltet so zum Beispiel die Tattoo-Artist @tatue.tattoo eine Spendenaktion in Form eines “Flash Days” in der Konrad Adenauerstraße, bei dem 50 Prozent der Einnahmen an den Club gehen sollen.