Es ist nur ein Swipe, eine kleine Fingerbewegung auf dem Bildschirm, und schon verheddert ihr euch in der Social-Media-Content-Schleife, die wöchentlich Stunden eures Alltags zerfrisst und ganz unbemerkt euren Fokus von reellen Hobbys und Leidenschaften in den digitalen Raum verschiebt. Was ein Creative Space für Austausch und Inspiration sein kann, mit bunten Bildern, DIY-Crafts, Reisevlogs und Online-Communities, endet oft in dem sinnlosen Konsumieren von Content. Content, der nur darauf ausgelegt ist, eure Aufmerksamkeit gerade so lange zu halten, dass er in dem immensen Strudel aus hochgeladenen Beiträgen auffällt und viral gehen kann. Und schon wird Kreieren zu Konsumieren und aus Denken passives Aufnehmen.
Das Spiel um eure Aufmerksamkeit
Der Wettbewerbsdruck auf Social Media ist enorm. Allein auf der Plattform YouTube werden täglich knapp 80 000 Stunden Videomaterial hochgeladen – umgerechnet bräuchtet ihr also insgesamt 9 Jahre, um den Content von nur einem Tag vollständig anzusehen. In der digitalen Welt entscheiden Likes, Klickzahlen und die insgesamte Watch-Zeit, welche Themen euch fortlaufend angezeigt, promotet oder auch verborgen werden. Es ist eine eigene Parallelwelt, die auf schnelllebige Schnitte, Upbeat-Musik und Emotionalisierung der Nutzer:innen setzt, um Branddeals zu vermarkten, Geld und eine Plattform zu generieren. Wenn man es so sieht, dann ist Social Media eine riesige Business-Transaktion und eure Lebenszeit ist die Währung. Wir verkaufen quasi unsere limitierte Zeit auf der Welt, um 30-sekündige Videos zu schauen und uns immer weiter gegenüber reellen Impulsen abzustumpfen.
Gefangen im Brainrot und im digitalen Drogenrausch
Habt ihr schon mal auf eure Bildschirmzeit in den Einstellungen gesehen und euch erschrocken, wie viel Zeit ihr am Bildschirm verbringt? Hochgerechnet kommt jede:r Nutzer:in auf 6 bis zu 7 Jahre, die nur in sozialen Medien verbracht werden. Genau darauf sind die Apps programmiert. Sie kapern das Belohnungssystem eures Gehirns und machen euch durch die sofortige Dopaminausschüttung abhängig. Mit jedem Kurzvideo, jedem Like und weiteren Rabbit-Hole in den Kommentarspalten trainiert der Algorithmus euer Nervensystem darauf, „online“ zu sein. Deswegen sprechen immer mehr Sozialforscher:innen über den steigenden Konsum von Medien im Netz, als eine digitale Droge, welche sogar Entzugserscheinungs-ähnliche Symptome auslösen kann. Laut offizieller Datenauswertung aus dem Jahr 2025 wies jede:r Vierte Anzeichen einer suchtartartigen Social-Media-Nutzung auf. Hand aufs Herz: Könntet ihr eine gesamte Woche auf euer Handy verzichten?
Social-Media-Detox
Aber wie soll der Social-Media-Detox auch funktionieren? Schließlich spielt sich alles auf der „For You“-Seite und in den Story-Highlights ab. Neue Freund:innen kennenlernen, Dating-Seiten, Community-Sub-Reddits oder auch den Kontakt zu Kindheitsfreund:innen aus der Heimat aufrechterhalten – alles durch das Internet. Trotz des Komforts und der Zugehörigkeit, die das soziale Netzwerk stiften kann, bleibt es wichtig, soziale Räume in der Wirklichkeit zu betreten, mit Menschen zu reden und aus der Komfortzone zu kommen. Wollen wir wirklich kollektiv mehr als ein halbes Jahrzehnt unserer Lebenszeit auf Social Media verbringen?
Tipps gegen den Brainrot
Es ist nicht zu spät, euer Gehirn umzuprogrammieren und bewusster online zu sein, sowie auch analog. Unzählige Expert*innen, so auch Autor:innen im National Geographic, empfehlen als Grundbaustein, über das Jahr verteilt regelmäßige Social-Media-Pausen einzuplanen. Diese werden sich anfangs sehr schwer anfühlen, da euer Gehirn die gewohnten Dopaminmengen nicht verlieren will. Mit diesen Tipps gelingt euch eine Social-Media-Pause: Es muss nicht gleich von Null auf Hundert geschehen. Seid verständnisvoll zu den eigenen antrainierten Mustern eures Gehirns und fangt zum Beispiel damit an, die Benachrichtigungen bestimmter Apps auf stumm zu schalten oder euch eine Bildschirmzeitsperre für Social Media einzustellen. Einige klare Regeln, die das Smartphone aus bestimmten Alltagssituationen verbannt, können schon einen großen Unterschied machen.
Hallo Augsburgs Tipp: „Embrace Boredom“.
Wir sind es so gewöhnt, den nächsten Dopamin-Kick am Ende der Fingerspitzen zu haben, dass ein kleines Intermezzo für unser Gehirn fast schon zur Seltenheit geworden ist. Macht das Warten wieder zur Konstante im Leben und sucht euch Alternativen, die das Gehirn nicht sofort in eine Abhängigkeitsspirale stürzen. Verlangsamt euer Tempo im Alltag durch das bewusste Hören von Musik oder geht einem Hobby nach, das eine längere Lernkurve hat, wie zum Beispiel Zeichnen oder ein Instrument lernen. Zusammen mit Freund:innen macht so eine Social-Media-Detox sogar mehr Spaß, und ihr könnt euch gegenseitig dazu ermutigen, weiterhin für eine gewisse Zeit analog zu bleiben.