Die WWK Arena – ausverkauft. Grundsätzlich kein Novum. Dass das Fußballstadion allerdings zur Konzertarena umfunktioniert wurde, geschah bisher zum ersten Mal. Rund 28.000 Zuschauer bejubelten die Augsburger Schlager-Band und sangen ihre bekanntesten Hits „Bella Napoli“ oder „Velocitá“. Während das Publikum, mit einem Aperol in der Hand, fröhlich Runden im Schlagerstrudel drehte, stellt sich berechtigt die Frage: „Wieso war das bisher noch nicht so?“ und „Kann Augsburg Großkonzerte?“
Beim Blick in die Augsburger Stadtarchive findet man schnell, dass bereits ein anderes Augsburger Stadion eine Bühne für größere Konzerte bot: das Rosenaustadion. Dort traten in den Achtziger-Jahren bekannte Größen wie „The Police“ oder „Meat Loaf“ auf. Das Konzert in der WWK Arena hat nun erneut gezeigt, dass Augsburg eine Menge an Menschen mobilisieren kann, sich ein Konzert im Fußballstadion anzusehen. Die Frage nach dem „ob“ ist damit eigentlich schon beantwortet, jetzt muss man aber die Frage nach dem „wie?“ ins Visier nehmen.
Der rapide Aufstieg
Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys sind mittlerweile aus der Augsburger Musikszene und weit darüber hinaus nicht mehr wegzudenken. Dabei sollte man nicht vergessen, wie die Band bekannt wurde. 2016 der erste Auftritt bei den Augsburger Sommernächten am Königsplatz, 2023 der letzte Auftritt auf Augsburger Bühne beim Modular-Festival. Jetzt füllt die Band eine ganze Arena mit fast 30.000 Plätzen. Dieser rapide Aufstieg von den Sommernächten bis zur größten Bühne der Stadtgeschichte dürfte eine Vorbildfunktion für Newcomer*innen der Region haben.
Die Band selbst bekennt sich öffentlich immer wieder zu ihrer Heimat. Das Konzert in der WWK Arena bezeichneten sie als „Rückkehr zum Ursprung des Italo-Schlagers“. Die zahlreichen Videos in den sozialen Medien beweisen, es war nicht nur ein Konzert: Es war ein rekordverdächtiger Abend, die Menge war elektrisierend und ein Feuerwerk zum Ende setzte den passenden Schlusspunkt. Schlusspunkt? Soll das eine einmalige Geschichte bleiben?
FCA-Geschäftsführer befürwortet weitere Veranstaltungen
Auch der FC Augsburg hatte als Hausherr an dem Konzert alle Hände voll zu tun. Der turnusgemäße Austausch des Fußballrasens begünstigte die Planung. Dieser wurde nach dem letzten Heimspiel des Bundesligisten gegen Mönchengladbach bereits abgetragen. Eine extra Abdeckung schützte den Boden im Stadioninnenraum.
Michael Ströll, Geschäftsführer des FCA, äußerte sich wie folgt:
„Das Konzert von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys war weit mehr als ein musikalischer Abend. Es war ein besonderes Erlebnis für unsere Stadt und ein eindrucksvoller Beweis dafür, welches Potenzial die WWK ARENA auch abseits des Fußballs entfalten kann. (...) Dieses Konzert war das erste seiner Art in der WWK ARENA und es soll nicht das letzte gewesen sein.“
Ein Standort, der überzeugt
Ein Riesen-Pluspunkt, den das Stadion-Areal mit sich bringt, ist eine gut durchdachte Infrastruktur. In der Nähe des Stadions gibt es zahlreiche Parkplätze, sei es an der Arena selbst oder am nahegelegenen Messe-Parkplatz. Des Weiteren gibt es eine direkte Anbindung an die B17, so erfolgen An- und Abreise schier reibungslos. Fußballfans werden sie kennen: Auch die Straßenbahnlinie bringt einen zuverlässig zum Stadion und wieder zurück.
In enger Absprache mit der Stadt wurde zudem ein gutes Sicherheitskonzept erarbeitet. Um die Menge im Innenraum ein wenig einzuteilen und größeres Chaos zu vermeiden, wurde der Innenbereich in drei Sektoren unterteilt. Dazu wurden Stunden vorher Bändchen nach dem „First come, first serve“-Prinzip verteilt. So konnte man sich bereits nachmittags seinen Platz in den vorderen Reihen sichern. Ganz ohne großes Anstehen und ohne einen Wies‘n-artigen Sprint tausender Menschen.
Ein Riesen Erfolg. Was nun?
Das Roy Bianco-Konzert war nicht nur stimmungsmäßig ein Abend, der vielen im Gedächtnis bleiben wird. Der Auftritt beweist: Augsburg hat eine neue Veranstaltungsstätte gewonnen. Gerade nach der Schließung der Freilichtbühne wäre es denkbar, dass auch das Staatstheater künftig Interesse an dieser Spielstätte haben könnte. Im Vergleich zu anderen Ausweichorten wie dem Gaskessel bietet die WWK Arena deutliche Standortvorteile im Hinblick auf die Infrastruktur. Von Vereinsseite aus gibt es noch keine konkreten Gespräche mit dem Staatstheater, aufgrund der Arenagröße scheint dies aber unwarscheinlich. Laut FCA gibt es allerdings erste Gespräche mit Konzertagenturen, aber noch keine konkreten Pläne.
Bei aller Euphorie muss man sich dennoch den Hauptzweck des Stadions wieder ins Gedächtnis rufen: Spiele des FC Augsburg. Meist geht eine Bundesliga-Saison von Mitte August bis Mitte Mai. Also blieben lediglich drei Monate für andere Veranstaltungen übrig. Ob der Aufwand für einen derart kurzen Zeitraum rentabel wäre, bleibt abzuwarten.