Über vier Jahre hinweg stand das Augsburger Klimacamp neben dem Rathaus und machte sich dadurch einen Namen. Es gilt deutschlandweit als die am längsten bestehende Klimaschutz-Mahnwache. Ob an heißen Sommertagen oder in kalten Winternächten: Das Camp war stets von Aktivisten besetzt, die mit ihrem Protest und ihren Aktionen auf die Folgen der Klimakrise hinweisen wollten.
Workshops, Filmabend und Konzert
Aktuell pausiert das Klimacamp, doch nun soll es für eine Woche nach Augsburg zurückkehren. So planen Aktivisten im Wittelsbacher Park den Aufbau eines temporären Protestcamps, um sich für einen schnellen Ausstieg aus fossilen Energien sowie für eine nachhaltige und sozial gerechte Energie- und Mobilitätswende einzusetzen.
Geplant ist ein umfassendes Programm, das unter anderem Workshops zum Thema Klimagerechtigkeit sowie Diskussionsrunden über Protestmethoden vorsieht. Außerdem ist die Vorführung eines aktivistischen Films über Menschen geplant, die sich im antifaschistischen Bündnis „Widersetzen“ engagieren. Für den Eröffnungsabend am Dienstag, 3. Juni, ist zudem ein Konzert der Augsburger Musikerin Ninef vorgesehen.
Die Aktivisten selbst blicken bereits mit Vorfreude auf die temporäre Rückkehr des Camps. Ihre Zelte haben sie diesmal von Initiativen aus Süddeutschland ausgeliehen, den Anschluss an das städtische Wassernetz haben sie gemietet.
Nachhaltigkeit auch bei der Infrastruktur
Bei den Toiletten gibt es eine Besonderheit: „Wir sind stolz darauf, dass wir uns für Komposttoiletten anstatt für gewöhnliche Chemietoiletten entscheiden konnten. Noch sind sie deutlich teurer, aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie nachhaltige Kreislaufwirtschaft funktionieren kann“, erklärt Klimacamp-Aktivist Felix Strobel.
Da der Aufbau des Camps einige Zeit in Anspruch nehmen wird, planen die Aktivisten bereits parallel erste Informations- und Austauschangebote. So sollen ein Infozelt sowie Banner über die Anliegen des Camps informieren. „Schon während des Aufbaus versuchen wir, dass erfahrene Menschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben können“, erklärt Strobel.
Entstehung aus der Klimaprotestbewegung
Das Klimacamp in Augsburg wurde 2020 gegründet. Hintergrund waren unter anderem das in diesem Jahr beschlossene Kohleausstiegsgesetz in Deutschland sowie die fehlende Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. „1½ Jahre Demonstrationszüge von Fridays for Future waren unzureichend, um diesen klimapolitischen Wahnsinn zu verhindern“, heißt es auf der Website des Camps. Solche Aktionen fanden in dieser Zeit bundesweit statt. Während sich andere Klimacamps jedoch schnell wieder auflösten, zeigten die Augsburger Aktivisten eine bemerkenswerte Beständigkeit.
Über vier Jahre hinweg blieb das Camp ununterbrochen besetzt – auch ein Rechtsstreit mit der Stadt sowie baustellenbedingte Umzüge konnten daran nichts ändern. Im August 2024 verschwand das Klimacamp dann aus Augsburg. Die Aktivisten begründeten dies mit dem Auszug der Stadtregierung aufgrund des Rathausumbaus. So wollten sich die Aktivitäten des Klimacamps an dieses Modell anpassen. „Es ist wahrscheinlich sinnvoller, überall dort aufzutauchen, wo sie auch sind“, sagte Vivian damals. Das Klimacamp sei daher lediglich unterbrochen und nicht für beendet erklärt worden. Geplant sind weiterhin regelmäßige Protest- und Aufklärungsaktionen – wie nun auch im Wittelsbacher Park.