Innovation: Augsburgs Straßenbahnen werden zu mobilen Messstationen | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Der Augsburger Nahverkehr wird Teil eines innovativen Forschungsprojekts und dient der Erfassung der Luftqualität in Echtzeit.

Innovation: Augsburgs Straßenbahnen werden zu mobilen Messstationen

Jeder Deutsche verursacht pro Jahr durchschnittlich 10,4 Tonnen CO2-Emissionen, ein Fünftel davon ist allein auf die Mobilität zurückzuführen. Seit Jahren versuchen daher Städte, Kommunen, Unternehmen, aber auch private Haushalte, ihre Schadstoffbelastung zu minimieren. Und das mit Erfolg! Die Luftqualität hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Wie gut sie genau ist, wird nun mithilfe eines AirTracks, der an Straßenbahnen befestigt ist, ermittelt.

Mobile Umweltmessung auf Schienen

Forschende der Universität Augsburg haben gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt – kurz DLR – und den Stadtwerken Augsburg eine Straßenbahn zur mobilen Umweltmessstation aufgerüstet. Seit Beginn diesen Jahres ist sie nun im Einsatz. Auf dem Dach dieser Straßenbahn sind Sensoren installiert, die Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid oder Feinstoff, sowie Temperatur oder Luftdruck erfassen.

„Unsere Straßenbahnen fahren jeden Tag durch die Stadt – ein idealer Träger für innovative Forschung. Wir freuen uns, mit AirTrack zu zeigen, wie ÖPNV und Wissenschaft zusammen neue Impulse für Nachhaltigkeit und Lebensqualität in Augsburg setzen können.“ Jürgen Perlich, Leiter Straßenbahnwerkstätten und Fahrzeugtechnik bei den Stadtwerken Augsburg.

Die Erfassung läuft kontinuierlich und entlang der gesamten Strecke. Mit dem ersten AirTrack wird das System getestet und inwieweit die Daten nutzbar werden. Sollte sich das System bewähren, werden künftig noch mehr Straßenbahnen mit der Technik ausgestattet. Augsburg würde damit zu einer der ersten deutschen Städte werden, mit einer flächendeckenden, mobilen Erfassung von Luftqualität im Echtzeitbetrieb.

Daten als Grundlage für Stadtplanung und Gesundheitsschutz

Diese detaillierten Messungen der Luftqualität sowie den städtischen Wetterdaten helfen, sogenannte Luftqualitäts-Hotspots und städtische Wärmeinseln zu erkennen. Die gewonnenen Daten helfen der Stadt künftig bei der Stadtplanung und der Verkehrsführung, aber auch den Gesundheits- und Umweltbehörden. Dadurch kann auch punktuell eingegriffen werden. Und das nicht irgendwo – sondern genau da, wo sich die Bürgerinnen und Bürger tagtäglich aufhalten.

Die EU überwacht bereits die Luftqualität mithilfe von Satelliten. Diese bieten zwar großräumige Messdaten, liefern aber keine genauen Daten zur Liftsituation in Bodennähe. Beide Systeme ergänzen sich gegenseitig, so können schon bald Luftströmungen und die Luftqualitätslage im Umfeld der Stadt ebenso berücksichtigt werden. Dass Häuser, Mauern und Straßenzüge die Strömungen beeinflussen, ist somit kein Problem mehr, da der AirTrack auch diese erfassen kann und sie zusammen mit den Satellitenbildern interpretierbar werden.