Zwetschgendatschi – Eine Liebeserklärung

Kein Nahrungsmittel steht so für Augsburg wie der Zwetschgendatschi. Warum das so ist, erklären wir euch.

Zwetschgendatschi – Eine Liebeserklärung

Augsburger wissen und riechen es: Es ist wieder Zwetschgendatschi Saison! Nirgendwo hat das Traditionsgebäck so einen Kultstatus wie hier. Und das hat auch seine Gründe.

Wer hot’s erfundn?

Die Verflechtung von Augsburg mit dem Datschi beginnt schon mit seiner Entstehung. Denn die älteste nachweisbare Erwähnung des Zwetschgendatschis findet sich in einem Augsburger Kochbuch aus dem Jahre 1830. In der zweiten Ausgabe des „Augsburgischen Kochbuch“s mit den Rezepten von Sophie Weiler findet sich nämlich eine Anleitung für einen „Kuchen von frischen Zwetschken mit Hefenteig“, das dem heute bekannten Datschi sehr nahe kommt. Für alle Interessierten hier ein Auszug aus dem Rezept:

„Hiezu ist gleichfalls der bereits wiederholt beschriebene Hefenteig* erforderlich. Ist dieser zweymal gegangen, und gut Daumen dick ausgewargelt, nach diesem aber ein Blech mit oder ohne Rand, welches mit Schmalz oder Butter dick geschmiert und mit Semmelbröseln ausgestreut ist, gelegt; der Teig muß dann wieder ein wenig aufgehen, worauf die Zwetschken in Viertel oder Hälfte geschnitten, ausgesteint, recht dicht aneinander gelegt, aber ja nicht in den Teig eingedrückt werden. Die Zwetschken werden mit gewiegten Citronenschalen, gewaschenen geklaubten Weinbeeren, nebst Zucker und Zimmt, oder nur mit Zucker und Zimmt und Nägeln bestreut, der Kuchen schön rösch gebacken, und sogleich, wenn er vom Blech ist, wieder mit Zucker und Zimmt bestreut. Wer es liebt, kann vor dem Backen gewiegte Mandeln darauf streuen.“
(Quelle: stadtarchiv.augsburg.de)

Wie man so einen richtig schön lockeren Hefenteig macht, ist natürlich auch angegeben:

„Zwey Mäslein oder 12 Eßlöffel voll Mehl kommen in eine Schüssel, in der Mitte wird eine Vertiefung gemacht, in diese ein Eßlöffel voll dicke frische Hefe, mit einer Oberkaffeeschale voll lauwarmer Milch gethan, und ein Hefel angerührt. Dieser wird schön glatt geklopft, dann der Löffel rein gemacht, auf die Schüssel gelegt, ein reines Tuch darüber gedeckt, und in eine gleiche Wärme gestellt. Bis dieser Hefel schön geht, verrühre 4 Loth Butter, oder die Hälfte Butter, die Hälfte gutes Schmalz mit 2 Eyer recht schön, und so wie der Hefel hübsch gestiegen ist, wird die Butter und die Eyer hinzugethan, ein wenig gesalzen, und vollends nach und nach zu einem glatten dicken Teig mit lauer Milch angemacht und so lange geschlagen, bis er sich vom Löffel schält, dann wird er wieder wie vorher zugedeckt, und abermals in die Wärme bis er schön gegangen ist, gestellt.“
(Quelle: stadtarchiv.augsburg.de)

Augsburg = Datschiburg

Auch wenn er in den verschiedensten Ausführungen auch in anderen Bereichen von Deutschland verbreitet ist, hat der Datschi seinen Ursprung also in Augsburg. Unsere Stadt ist auch die einzige, die für das Gebäck mit den saftigen Zwetschgen wirklich bekannt ist. Diese Verbindung geht sogar so weit, dass der Blechkuchen identitätsstiftend wurde, denn durch ihn bekam die Stadt den Spitznamen „Datschiburg“. Ob dieser nun als verniedlichender Kosename oder zum Spott verliehen wurde, ist unbekannt. Denn Datschi soll nicht nur vom ober- und mitteldeutschen Wort „detschen“ oder „datschen“ abstammen, das man als „hineindrücken“ übersetzen kann (die Zwetschgen werden bei der Herstellung in den Teig hineingedrückt), sondern soll auch für einen bestimmten Menschenschlag stehen. Ein paar ganz Interpretierfreudige sehen in den halben Zwetschgen auch unser Stadtwappen, die Zirbelnuss, repräsentiert.

How Datschi do it?

Mit der Zeit haben sich einige Varianten des Datschis herausgebildet. Während für die meisten Variationen Hefeteig als Grundlage dient, wird das Augsburger Original normalerweise mit einem Mürbteig und ohne Streuseln on top zubereitet. Wofür man sich auch entscheidet - Etwas falsch machen kann man zumindest nicht, denn jede Form des Datschis ist erlaubt (Was ja sonst bei den konservativen und sturen Bayern und Schwaben eher selten der Fall ist).
Und wie verzehrt man das Wunderwerk der schwäbischen Backkunst nun am besten? Da sind sich eigentlich alle einig: Ein Berg an Schlagsahne obendrauf und ein dampfender Kaffee dazu. Im Gegensatz zu den meisten Kuchen wird der Datschi auch oft mit Gabel UND Messer gegessen.

Deutscher Datschi schwerer Datschi

Wir lieben jedenfalls unser Markenzeichen-Gebäck und werden die Zwetschgensaison bis Oktober noch mit vielen Bäckerbesuchen ausreizen. Doch während uns der wunderbare Name so locker wie der Teig bei der Bestellung über die Lippen geht, haben andere Erdbewohner ganz schöne Schwierigkeiten mit dem Zwetschgendatschi. Folgender Internetfund zeigt, wie amüsant sich das anhören kann:

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