So reagiert das Klimacamp Augsburg auf den Zukunftspreis

Das Klimacamp Augsburg hat am 16. Mai den mit 1.000 Euro dotierten Zukunftspreis der Stadt Augsburg bekommen. Die AktivistInnen freuen sich über die Auszeichnung, sind aber nicht ohne Kritik, was die Laudatio der Oberbürgermeisterin angeht.

So reagiert das Klimacamp Augsburg auf den Zukunftspreis

Am 16. Mai hat die Stadt Augsburg das Klimacamp und fünf weitere Vereine und Initiativen Augsburgs mit dem Zukunftspreis 2021 geehrt.

Aufgrund der vorangegangenen Konflikte zwischen Stadt und Camp hatte Oberbürgermeisterin Eva Weber sich entschieden, den Preis persönlich an die AktivistInnen zu übergeben und die Laudatio selbst zu halten. Das sehen die AktivistInnen des Klimacamps kritisch.

Freude über Gesprächsangebot

Zunächst aber ist die Freude bei den KlimaaktivistInnen über den Zukunftspreis groß. „Wir freuen uns über den Preis und wir freuen uns auch über das Gesprächsangebot, das wir sehr gerne annehmen“, sagt Ingo Blechschmidt, Mitgründer des Klimacamps Augsburg. Allerdings sei er etwas verwundert über das Vorgehen der Stadt. Das Klimacamp habe Oberbürgermeisterin Eva von Anfang an – seit 22 Monaten – ein Gesprächsangebot unterbreitet. „Dieses Angebot hätte sie jeden einzelnen Tag wahrnehmen können“, sagt Blechschmidt. Nichtsdestotrotz freue er sich über den Vorschlag Webers.

Laudatio Webers hat andere PreisträgerInnen verdrängt

„Worüber wir uns weniger freuen, ist der Text der Laudatio“, sagt Blechschmidt. Dadurch, dass Weber die Laudatio selbst hielt, habe sie die Aufmerksamkeit von den anderen PreisträgerInnen weggelenkt, sagt er. Die Laudatio wäre nach klassischem Ablauf von einem der Jury-Mitglieder gehalten worden. „Wenn der Ablauf wie vorgesehen, stattgefunden hätte, würde die Presse über alle PreisträgerInnen gleichermaßen berichten können“, sagt Blechschmidt. Stattdessen stehe nun die Konfrontation Eva Webers gegen das Klimacamp im Rampenlicht und die anderen GewinnerInnen gingen ein bisschen unter. Das finde er sehr schade.

Forderungen nicht „radikal“, sondern nötig

In ihrer Laudatio spricht Weber in Zusammenhang mit den Forderungen des Klimacamps von „radikalen Forderungen“, die fernab der Realität und des Umsetzbaren seien. Ganz anders sieht das Blechschmidt. „Es ist nicht so, dass unsere Forderungen vom Himmel fallen würden“, erklärt er. Jeder Forderung gingen Abstimmungen und Gespräche mit Fachverbänden voran. Von ihnen erfahren die AktivistInnen, was möglich ist und vor allem, was in kommunaler Hand liegt, wie Blechschmidt erklärt. „Unsere Forderungen sind überhaupt nicht radikal, sondern das Mindestnötige. Außerdem sind sie alle von der Stadt Augsburg umsetzbar.“

Kostenloser ÖPNV ist möglich

Auch die in Webers Laudatio angesprochene Forderung des Camps nach kostenfreiem öffentlichen Personennahverkehr in Augsburg sei umsetzbar, so der Klimaaktivist. Webers Worte dazu: „Ja, ich lehne beispielsweise eine Ihrer Forderungen nach einem kostenlosen ÖPNV ab. Unbequeme Antwort: Er ist nicht finanzierbar. Stand heute. Das ist die ehrliche Antwort. Und hier sind wir: Im Raum der Wirklichkeit.“

Blechschmidt nennt gleich zwei Wege, wie es gehen kann: „Weber könnte zum einen politischen Druck auf ihre KollegInnen im bayerischen Landtag ausüben, um entsprechende Fördergelder zu bekommen“, sagt er. Als zweite Möglichkeit sehe er eine Nahverkehrsabgabe der Unternehmen. Für Unternehmen mache eine solche Abgabe Sinn, da sie auch Interesse daran haben, dass ihre KundInnen und MitarbeiterInnen einfach und bequem zur Arbeit oder zum Geschäft kommen können, so Blechschmidt. In Frankreich werde dieses Modell von vielen Kommunen genutzt. „Beides macht Frau Weber nicht. Stattdessen sagt sie, dass momentan kein Geld da sei und damit ist die Sache für sie erledigt“, sagt Blechschmidt. Sie verfolge das Thema nicht weiter, obwohl sie könnte.

Hoffnung auf gute Gespräche

Über die Einladung Webers, an einen Tisch zu kommen und die Forderungen des Klimacamps mit „dem, was aktuell Realität ist“ – wie Weber es ausdrückte – abzugleichen, freuen sich die KlimaaktivistInnen sehr. „Wir nehmen die Einladung sehr gerne und so schnell es geht an“, sagt Blechschmidt.

Weber hatte in ihrer Laudatio bereits einen konkreten Plan formuliert, wie die Zusammenarbeit mit dem Klimacamp aussehen könnte: Nach dem Abgleich der Klimacamp-Forderungen mit der Realität, dürfen die AktivistInnen ihren Plan zur Umsetzung vorstellen. Sie werde die Vorschläge daraufhin in „Lebensrealitäten und ins Machbare“ übersetzen, so Weber. Schließlich lädt sie die AktivistInnen ein, gemeinsam auf der Blue City Klimakonferenz Kompromisse zu finden.

Als befremdlich bezeichnet Blechschmidt an der von Weber formulierten Tagesordnung, „dass sie gleich andeutet, dass das Gespräch nicht wirklich dem Austausch dient, sondern der Information, dass nichts von unseren Forderungen umsetzbar sei“. Aber dennoch freue er sich sehr auf das Gespräch, betont er.

Logo