Zero Waste Cooking als Student? – 3 Tipps wie es auch mit kleinem Budget klappen kann

Knapp sieben Millionen Tonnen an Lebensmitteln wandern jedes Jahr in die Tonne – und das allein durch Privathaushalte. Es sind also nicht hauptsächlich Großverbraucher, die diese Flut an weggeworfener Nahrung verschulden.

Zero Waste Cooking als Student? – 3 Tipps wie es auch mit kleinem Budget klappen kann

Nein, es sind wir, wenn wir mal wieder einen Joghurt wegwerfen, weil er zwei Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum immer noch im Kühlschrank steht und wir auf Nummer sicher gehen wollen und den lieber nicht mehr essen.

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Aber „Zero Waste Cooking“ als Lösung für dieses Problem? Also kochen ganz ohne Abfall? Das klingt fancy und kompliziert und vor allem: teuer. Als Studentin habe ich es mir angewöhnt, Ernährungstrends immer etwas kritisch zu betrachten, denn so gut sie meistens klingen, oft fehlt entweder das Geld oder die Zeit - oder einfach beides - um den Großteil davon sinnvoll um zu setzten.
Doch hier geht es schließlich nicht um die neueste „Low Carb“-Diät um wieder in die Hose von vor zwei Jahren zu passen, sondern ein Stück weit um unsere Zukunft. Sieben Millionen Tonnen, das ist eine Menge, also warum nicht zumindest einmal versuchen seinen Beitrag zum bewussten konsumieren zu bringen dachte ich mir, und habe es einfach ausprobiert. Wer jetzt selber einen Versuch wagen möchte, und sich nur noch fragt „Wie?“, für den sind hier drei Einsteigertipps, mit denen man „Zero Waste Cooking“ in den eigenen Alltag integrieren kann.

1. Kreativ werden bei der Resteverwertung

Senfreste im Glas, die man zu faul ist noch raus zu kratzen? Einfach die Salatsoße direkt im Senfglas zubereiten. Das selbe Prinzip funktioniert auch bei Nutella oder Honig: Heiße Milch in das Glas mit den süßen Resten, und schon kann man einen leckeren Shake mit minimalem Aufwand genießen.

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Je öfter man kleine Reste vor der Tonne bewahrt, desto mehr widerstrebt es einem schließlich tatsächlich etwas wegzuwerfen. Ich bin sehr einfallsreich geworden wenn es darum ging, meine Überbleibsel zu verwerten. Das Abendessen vom Vortag wird jetzt entweder aufgewärmt oder neu verkocht, der bereits gekochte Reis wird dann beispielsweise zur Reis-Frikadelle oder zum Pudding, übrige Nudeln kann man immer super in Auflauf verwandeln. Wer noch Inspiration braucht, was er mit seinen traurigen Kühlschrank-Überbleibseln anstellen könnte, braucht nur kurz zu googeln:: Mittlerweile gibt es zahlreiche Seiten, bei denen man seine vorhandenen Zutaten eingeben, und dann Rezepte vorgeschlagen bekommen kann. (Restlichen Alkohol kann man übrigens immer prima in Soßen geben. Oder man trinkt das Glas Wein einfach beim Kochen, das zählt genau genommen auch als Resteverwertung.)

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2. Verpacktes vermeiden

Nicht nur Lebensmittel-, sondern darüber hinaus besonders Plastikmüll fällt in der Küche viel an, und ist bei mir auch nicht ganz zu vermeiden. Einen Schritt in die richtige Richtung kann man hier aber beispielsweise damit machen, öfter mal einfach Leitungswasser zu trinken als extra Wasserflaschen zu kaufen – damit spart man sich sowohl das Schleppen, als auch bares Geld. Softdrinks sind sowieso schlecht für die Figur, da tut es nicht weh die Cola durch Apfelschorle aus der Glasflasche, Infused Water (die verwendeten Obst oder Gemüsestücke einfach zu einem Saft, Shake oder Obstsalat weiterverwenden), oder Früchtetee zu ersetzen. Wenn es doch mal etwas süßer sein soll, ist Sirup eine lohnende Investition – der kommt zwar meistens auch in der Plastikflasche, reicht dafür aber für einige Liter Getränk. Bei Lebensmitteln wird es schon schwieriger, und ich stand anfangs recht verloren im Supermarkt. Denn klar, bei den Tomaten kann man die Plastiktüte weglassen, aber warum muss ausgerechnet die Bio-Gurke in Plastik eingeschweißt sein?

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Für Obst und Gemüse kann man in Augsburg verpackungslos prima am Stadtmarkt shoppen, wenn man denn das nötige Kleingeld übrig hat. Hier ist es zwar teurer, aber dafür macht die bunte Vielfalt richtig Lust aufs Kochen und inspiriert wird man auch immer (In meinem Fall zum Beispiel zur herbstlichen Kürbissuppe).

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Auch eine tolle Augsburger Alternative zu herkömmlichen Supermärkten ist der verpackungsfreie Bioladen rutaNatur, bei dem es fast alles gibt was man im Alltag so braucht – und das ganz ohne Plastik drum rum.

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Wenn man hier einkaufen möchte, bringt man seine Behälter selbst mit und wiegt sie am Anfang des Einkaufs (Wer unvorbereitet aufkreuzt, für den gibt es auch Behältnisse vor Ort. Persönlich empfehlen kann ich für diesen Zweck aber Einmachgläser, die sind vielseitig verwendbar, sehen schick aus, und bei Ikea ganz billig zu bekommen).

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Berechnet wird am Schluss also nur so viel, wie man sich tatsächlich ausgesucht hat. Das birgt einen weiteren entscheidenden Vorteil: Man ist nicht gezwungen, überflüssige Lebensmittel zu kaufen, die schlussendlich weg geworfen werden müssten. Denn im Supermarkt kauft man durch vorgegebene Packungsgrößen oft mehr, als man eigentlich bräuchte.

3. Strategisch einkaufen

Auch lasse ich mich beim Einkaufen gerne verleiten nicht nur mehr von benötigten Sachen zu kaufen, sondern auch einfach Überflüssiges mit in den Wagen zu legen. Entweder weil ich mich nicht an die altbekannte Warnung zwecks leerem Magen beim Einkaufen halte und dann Dinge mitnehme, auf die ich spontan Lust hatte, oder weil ich einfach keinen Überblick habe, was bereits daheim steht. Hier hilft es ganz simpel den Einkauf zu planen, bevor man das Haus verlässt: Was ist noch da? Was möchte ich kochen? Eine kurze Inventur des Kühlschranks und der Speisekammer kann unnötige Ausgaben, und damit auch unnötigen Müll, vermeiden.

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Wer Zeit findet, erstellt sich einen Essensplan für die Woche. Das dauert unter Umständen zwar eine Weile und braucht etwas Kreativität, dafür muss man sich danach keine Gedanken mehr um das Mittagessen machen, was sowohl die aufgewendete Zeit wieder einspart, als auch dabei hilft sich bewusster zu ernähren (Hier fällt es dann nämlich auf, wenn man sich bereits zum vierten Mal hintereinander Spaghetti kocht). Wenn doch mal etwas weg muss weil es schlecht geworden ist, tut es immer gut kurz darüber zu reflektieren, warum dem so war: Vielleicht war zu viel davon da, oder man isst das Produkt einfach nicht gerne oder zu selten. Das Ergebnis dieser Überlegungen kann man dann bei dem nächsten Einkauf wieder einfließen lassen und sich bewusst gegen oder erneut für das Produkt entscheiden.

Ganz ohne Müll komme ich nicht aus, aber ich habe es geschafft, meine Küchenabfälle zu verringern und zweimal darüber nachzudenken, bevor ich Lebensmittel endgültig entsorge. „Zero Waste Cooking“ ist ein Konzept, dass in jeden Alltag passen kann und in seinen Grundzügen auch in unseren Küchen immer präsent sein sollte. Denn es geht hier nicht um ultimative Perfektion, sondern um einen überlegteren Umgang mit Lebensmitteln und begrenzten Ressourcen. Man muss sich nicht schlecht fühlen, wenn man der Einfachheit halber doch mal wieder bei dem Supermarkt um die Ecke einkauft. Solange man bewusst auf Regionalität und möglichst wenig Verpackung achtet, die braune Banane nicht automatisch wegwirft und in der Cafete lieber zur Porzellantasse als dem Wegwerfbecher greift, ist ein Schritt in die richtige Richtung gemacht.

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