Eva Weber zieht die rote Karte – kein Public Viewing zur WM in Augsburg

Dubiose Umstände der WM-Vergabe, tote Arbeiter beim Stadionbau, eingeschränkte Menschenrechte: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar sorgt weltweit für Diskussionen. So reagiert die Stadt Augsburg darauf.

Eva Weber zieht die rote Karte – kein Public Viewing zur WM in Augsburg

Bis zu 50 Grad im Sommer, so gut wie keine Fußballkultur und ein autokratisch regierter Staat, der die Menschenrechte mit Füßen tritt. Auf den ersten Blick gibt es nur wenige Argumente, die für eine Fußball-WM in Katar sprechen. Weshalb also findet die WM 2022 dort statt?

Wo das Problem liegt…

Mittlerweile steht fest: die WM-Vergabe war unsauber. Die Korruption wurde offengelegt und Wahlmänner angeklagt, die für ihren Stimmenverkauf wohl Summen im Millionenbereich erhielten. Katar ging es dabei in erster Linie um internationale Reputation sowie politische und sicherheitspolitische Aspekte. Seit seiner Unabhängigkeit vor 50 Jahren muss sich das kleine Land in einer fragilen Region, eingequetscht zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, irgendwie beweisen. Um sich selbst zu schützen, versuchen sie sich deshalb durch Sportveranstaltungen wie der WM international unangreifbar zu machen.

Die Menschenrechtslage in Katar wurde bei der Vergabe jedoch außer Acht gelassen. Die Machthaber im Wüstenstaat lassen Minderheiten einsperren und unterdrücken die unabhängige Berichterstattung. Gerade erst sorgte die homophobe Äußerung des katarischen WM-Botschafters Khalid Salman gegenüber dem ZDF für einen weltweiten Aufschrei. Hier bezeichnete er Homosexualität als „geistigen Schaden“. Im Zentrum der Kritik stehen außerdem tausende Todesfälle von Gastarbeitern, die bei dem Stadionbau aufgrund der hohen Temperaturen an Herzversagen starben.

Reaktion der Stadt Augsburg

Vorfreude oder Boykott? Die Fans sehen sich in einer zwiespältigen Lage und vermehrte Kritik kommt am fragwürdig etikettierten Gastgeberland auf. Kaum eine Weltmeisterschaft wurde im Vorfeld so kontrovers diskutiert wie die aktuelle in Katar. Zwar gab es auch schon Kritik in den letzten Jahren – beispielsweise als Russland und China Austragungsländer waren – doch kam es bisher noch nie vor, dass Fußballfans, Politiker und selbst Spieler ankündigten, die WM zu boykottieren. Auch Oberbürgermeisterin Eva Weber äußert sich dazu: „Die schweren Menschenrechtsverletzungen im Zuge der Fußball-WM in Katar sind mit den Werten der Friedensstadt Augsburg nicht vereinbar. Aus diesem Grund veranstaltet die Stadt kein öffentliches Public Viewing.“ In den Fußballkneipen wird es voraussichtlich dennoch zur Übertragung kommen, da ein Boykott für sie einen zu großen wirtschaftlichen Verlust bedeuten würde, den viele derzeit nicht stemmen könnten.

Logo