Moskauer Weihnachtszirkus musste in Augsburg fast seine Tiger abgeben

Rodgau hat als erste Kommune deutschlandweit Tiere im Zirkus verboten. Auch in Augsburg wird sich um ein solches Verbot bemüht. Währenddessen beanstandet die Augsburger Ordnungsbehörden Mängel bei der Tigerhaltung im Moskauer Weihnachtszirkus.

Moskauer Weihnachtszirkus musste in Augsburg fast seine Tiger abgeben

Während der Moskauer Weihnachtszirkus auf dem Plärrergelände in Augsburg mit fünf Tigern gastiert, hat sich die Stadt Rodgau in Hessen komplett gegen Tiere in Zirkussen entschieden. Wie weit sind wir von einem solchen Verbot in Augsburg weg? Und was hat es mit den Sicherheitsbedenken des Augsburger Ordnungsamtes in Bezug auf die besagten fünf Tiger auf sich?

Rodgau verbietet Tiere in Zirkussen

Die hessische Stadt hatte sich schon Ende vergangenen Jahres für ein Verbot der zur Schaustellung von Tieren entschieden. Betroffen sind demnach also nicht nur Zirkusse, sondern etwa auch Jahrmärkte oder andere Veranstaltungen auf denen Tiere gezeigt werden. Noch dazu bezieht sich das Verbot nicht nur auf Wildtierarten, sondern auch auf etwa Pferde, Hunde und andere Haustierarten.

Verband Deutscher Circus Unternehmen will klagen

Gegenüber dem Hessischen Rundfunk kündigte Ralf Huppertz, Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Circus Unternehmen an, gegen die Regelung rechtlich vorzugehen. Er halte es für ungerechtfertigt. Das Verbot werde sich seiner Einschätzung nach nicht lange halten, da der Verband bislang immer erfolgreich gegen derlei Verbote geklagt hatte.

Das Hindernis Berufsfreiheit

Das kann auch die Augsburger Stadträtin der Grünen, Sabrina Koch, bestätigen. Bislang seien die geplanten Verbote von Wildtieren in Zirkussen häufig an der Berufsfreiheit gescheitert. Von einem Fall in Ulm, bei dem genau das passiert war, berichteten wir schon. Das Verbot durchzubringen, liege ihr und der Partei sehr am Herzen. Eine artgerechte Haltung sei im Zirkus nicht möglich, so Koch. Bereits 2012 gab es einen entsprechenden Antrag der Stadtratsfraktion. 2016 einen weiteren. 2019 wurde ein Antrag mit dem Titel „Wildtierhaltung im Zirkus jetzt beenden“ von der Bundestagsfraktion der Grünen gestellt. Wann in Augsburg zumindest Wildtiere im Zirkus verboten sein werden, kann sie nicht sagen. Allerdings sei das Thema im gemeinsamen Zukunftsplan mit der CSU aufgeführt.

Tiger im Moskauer Weihnachtszirkus

Der Moskauer Weihnachtszirkus gastiert jedes Jahr auf dem Augsburger Plärrergelände und zieht unter anderem mit seiner Tigershow zahlreiche BesucherInnen an. Auch in diesem Winter war der Zirkus vor Ort. Doch es gab Sicherheitsbedenken vonseiten des Augsburger Ordnungsamtes.

Am Mittwoch, den 29. Dezember 2021, stoppten MitarbeiterInnen des Augsburger Ordnungsamtes sowie die Polizei die Tiger-Dressur im Zirkus. Grund dafür war der Käfig in der Manege, der nicht ausreichend gesichert war, wie die Augsburger Allgemeine berichtete. Statt einem oben geschlossenen Netz, war ein Netz über den Käfig gespannt, das innen offen war. Der Zirkus rüstete umgehend nach, sodass die Abendveranstaltung schon wieder mit Tiger-Dressur stattfinden konnte.

Augsburger Ordnungsbehörde forderte Abgabe der Tiger

Doch dieser Vorfall blieb nicht der einzige, an dem der Zirkus und die Augsburger Ordnungsbehörde aneinandergerieten. Am Freitag, den 28. Januar, schrieb die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ auf ihrer Website, fünf Tiger seien in Augsburg verschwunden, die eigentlich hätten abgegeben werden müssen.

Tigerhalter musste seine fünf Tiere abgeben.

Auf unsere Nachfrage hin erklärt Augsburger Ordnungsreferent Frank Pintsch: Der Tigerhalter konnte „für den Zeitraum nach Beendigung des Zirkusses keine erforderliche sicherheitsrechtliche Erlaubnis vorweisen“. Das Gastspiel des Zirkusses war am 9. Januar offiziell beendet. Aufgrund der fehlenden Erlaubnis wurde die Haltung der Tiger ordnungsgemäß untersagt, wie Pintsch erklärt. Darüber hinaus wurde der Tigerhalter verpflichtet, seine Tiere an einen geeigneten Halter abzugeben. „Da hierfür aufgrund der gesetzlichen Vorgaben aus Gründen der Verhältnismäßigkeit eine Frist bis zum Vormittag des 21.01.2022 gesetzt werden musste, wäre eine Vollstreckung – also eine Wegnahme der Tiere durch die Behörde – erst nach Ablauf der Frist rechtlich zulässig gewesen“, so Pintsch.

So kam es, dass der Tigerhalter die Nacht vor Ablauf der Frist nutzte und zusammen mit den Tieren das Stadtgebiet verließ. Um die geplante Abgabe der Tiger zu begleiten, nahm die Stadt Augsburg Kontakt zur Organisation Vier Pfoten auf.

Eine missglückte Rettungsaktion.

Vier Pfoten zeigt sich über den Vorfall bestürzt: „Wir sind davon ausgegangen, dass wir die Tiere beschlagnahmen können“, schreibt Sven Wirth, Kampagnenverantwortlicher für Wildtiere bei Vier Pfoten. „Durch seine spontane Flucht hat sich der Besitzer trotz des sehr schnellen Handelns von Vier Pfoten und der Ordnungsbehörde jedoch den Anordnungen der Augsburger Behörde entzogen. Das Perfide: Zu dem Zeitpunkt war die Flucht aufgrund der verheerenden Gesetzeslage noch völlig legal. Erst ab Freitagmorgen hätten die Behörden eingreifen können. Wir wissen nichts darüber, wie sie aktuell versorgt werden oder wie gut die Sicherheitsvorkehrungen sind.“

Vier Pfoten sei weiterhin bemüht die Tiger zu finden und ihnen in ihren Schutzzentren ein „tierschutzgemäßes Zuhause“ zu geben. Zum Wohle von Mensch und Tier fordert die Tierschutzorganisation schon lange ein bundesweites Haltungsverbot für Wildtiere im Zirkus.

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