Das Schicksal der Wilden Siedlung in Lechhausen

Vor 15 Jahren wurde die „Wilde Siedlung“ als alternatives Wohnprojekt ohne Baugenehmigung am Rand von Lechhausen errichtet. Jetzt steht fest: alle Siedler müssen bis zum nächsten Jahr von dort ausziehen.

Das Schicksal der Wilden Siedlung in Lechhausen

Einfach das nötigste Habundgut zusammenpacken, raus aus dem Alltagsstress und als Aussteiger ein neues - hoffentlich friedlicheres - Leben führen. Diesen Traum hegen immer mehr Menschen, neun Augsburger leben ihn aktuell – zumindest bis jetzt. Die Stadt hatte sie aufgefordert, das kleine Hüttendorf mit selbst gebauten Häuschen bis zum Jahresende zu räumen. Neun Siedler, die weiter in der Bauwagensiedlung leben möchten legten Klage ein; das Gericht wies sie wieder zurück.

Erbaut ohne die Genehmigung der Stadt

Der Hintergrund: Die Siedlung entstand vor etwa 15 Jahren auf einem Privatgrundstück zwischen Äckern nahe an der Ostumgehung. Der Eigentümer war einverstanden und kurz darauf entstanden die ersten Hütten. Das Problem: Sie waren nicht von der Stadt genehmigt. Vor einem Jahr wurde das Bauordnungsamt auf die Siedlung aufmerksam, als ein Bewohner eine Hausnummer beantragte, nachdem ein Brief nicht zugestellt werden konnte.

In dem Hüttendorf leben Menschen zwischen 30 und 40 Jahren, die als Handwerker oder Angestellte arbeiten oder noch studieren. „Richtige“ Aussteiger sind sie also nicht, nur die Wohnsituation passt ins Profil. Die selbst gebauten Häuser sind klein, aber ausreichend und gemütlich eingerichtet. Die Bewohner erklären: Es sei wichtig, sich aufs Wesentliche zu beschränken und dabei gleichzeitig Freiheit und Gemeinsamkeit zu erleben.

Zukunft bleibt ungewiss

Dass die Häuser genau genommen nicht nur „schwarz“ gebaut wurden macht die Angelegenheit problematisch. Hinzu kommt auch die Tatsache, dass Gesetz und Rechtssprechung klar besagen, dass sogenannte Splittersiedlungen, die ein Zerfransen der Stadt zur Folge hätten, nicht zulässig sind. Weil es nie eine wie auch immer geartete Genehmigung gegeben habe, könne sich die Bauwagensiedlung auch nicht auf Bestandsschutz berufen.

Die ungewisse Zukunft der Siedlung beschäftigt die Politik. Die SPD schlägt vor, dass die „Wilde Siedlung“ von der Derchinger Straße auf das Ledvance-Areal in Lechhausen umziehen soll. Argument: Das Areal sei erschlossen und biete genügend Fläche. Außerdem passe die Bauwagensiedlung gut zu Kleingärten und den Grünanlagen am Lech. Die "Wilde Siedlung" bleibt auch weiterhin ein Fall für die Gerichte. Auch wenn bisher kein Ersatgrundstück gefunden wurde, ist immerhin eine geplante Räumung aktuell vom Tisch.

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