White Wolf – Augsburgs Verein für professionelles Gaming

Die Gaming-Community zusammenbringen und den eSport fördern ist die Mission, die sich der Augsburger White Wolf eSports e.V. gesetzt hat.

White Wolf – Augsburgs Verein für professionelles Gaming

Kurzer Blick auf die Straße: Ein junger Kerl mit dem Logo des Spiels Legend Of Zelda auf dem Cap läuft vorbei, ein Mädchen zückt am Geldautomaten ein Portmonnaie im Look des originalen NES-Controllers. Die Faszination Gaming hat schon lange die Mitte der Gesellschaft erreicht und ist fester Bestandteil der Popkultur geworden. Viele können nostalgisch von ihren ersten Erfahrungen auf dem Gameboy oder dem N64 erzählen oder sich an legendäre LAN-Parties erinnern.

Auch die kompetitive Seite der Videospiele wächst stetig, wenn eSport-Teams und Clans weltweit in Turnieren mit Spielen wie Counterstrike Global Offensive (kurz CS:GO), DOTA 2 oder Overwatch um den ersten Platz kämpfen. Doch während die digitalen Disziplinen in Ländern wie den USA mit extravaganten Events und großem Medienecho zelebriert werden, wird der eSport in Deutschland noch nicht einmal als offizielle Sportart anerkannt.

Von Level zu Level, von Spiel zu Spiel

Dass sich an dieser Tatsache dringend etwas ändern muss, hat der Augsburger Riccardo erkannt. Der 26-jährige Rettungssanitäter war schon immer begeistert von Videospielen. „Ich habe wie viele ganz klassisch mit Pokémon und The Legend Of Zelda auf dem Gameboy angefangen und irgendwann ist das Ganze dann mit Spielen wie World of Warcraft auf den PC übergeschwappt . Erste eSport-Erfahrung gab es dann mit dem Klassiker Counterstike Source, der Riccardo später zum Nachfolger CS:GO brachte. Dort konnte er erste Kontakte knüpfen und an kleineren Turnieren mit seinen Freunden teilnehmen. Professionell wurde es mit dem Erscheinen des Spiels Rainbow Six Siege, bei dem Riccardo mit seinen Kontakten auch in größere Teams gelangte, die in verschiedensten Ligen antraten. Sogar in der Electronic Sports Liga, die als weltweit älteste Marke im E-Sport ihrer Art gilt.

Meinungsschwierigkeiten und Neuanfänge

Um nun dafür zu sorgen, dass auch mehr begeisterte Gamer ihre Passion für den Pixelsport so ausleben können wie Riccardo, hat sich bei ihm schon früh der Gedanke zu einem eigenen Verein gebildet. Anstoß waren die internen Reibereien in Amateurteams, die er miterleben musste. „Das konnte dann zwischen Kollegen sein oder auch mit der Führung, weil man nicht die Unterstützung bekommt, die man sich gewünscht hätte“, erklärt der junge Augsburger. Von diesen Konflikten versuchte er sich zu distanzieren und landete beim Spiel Arma 3, in dem er ein eigenes kleines Team namens SK Wolf gründete und sich ausprobierte. Diese Erfahrung war aber noch nicht genug für den ambitionierten Gamer, woraufhin er sich einen eigenen Clan suchte und dort als Teil der Leitung mehr Verantwortung übernahm. Da es bezüglich der Wegrichtung des Clans einige Unstimmigkeiten gab, verließ ihn Riccardo jedoch recht bald wieder.

Mit einem Arbeitskollegen wird die Vision wahr

Dann lernte der Rettungssanitäter auf der Arbeit einen neuen Kollegen kennen und als beide erkannten, dass sie die selben Interessen teilen, haben sie sich zum Zocken getroffen. Dabei entstand auch der Entschluss das alte SK Wolf Team in einen Clan unter eigener Führung zu verwandeln. Riccardo ist seit der Gründung am 1. Oktober 2017 Vorstand und Geschäftsführung von White Wolf und teilt sich die Leitung mit einer Kollegin, die sich um Social Media kümmert und einem Kollegen, der die Technik wie die Kommunikationskanäle auf Teamspeak und Discord oder die eigenen Spielserver am Laufen hält.

Professionelles Gaming und kollegiales Zocken unter einem Dach

Disziplinmäßig ist White Wolf ein Multigaming Clan, das heißt er beschränkt sich nicht nur auf ein bestimmtes Spiel. Dementsprechend gibt es jeweils ein Team im Amateur/Semi-Bereich für League Of Legends, Overwatch & CS:GO, für Rainbow Six sogar zwei. Darunter existiert noch die Community, in der jeder dazustoßen kann, um sich auszutauschen und miteinander zu spielen. Während die Mitglieder über ganz Deutschland verteilt sind, bilden die sieben Augsburger Vertreter den seit Anfang diesen Jahres existierenden Verein. Sein Ziel ist es, den professionellen Teil des eSports abzudecken, ihn zu stärken und allen zugänglich zu machen, auch denen die weniger Berührungspunkte damit haben.

Der Clan hingegen ist dagegen wirklich nur als Treff zum gemeinsamen Spielen angedacht. Die von White Wolf organisierten Turniere sind nicht intern, sondern für alle Interessierten offen. Jedes Team kann sich auf der eigens erstellten Website anmelden. Es ist quasi wie eine kleine Liga, in der Teams auf verschiedene eSports-Vereine treffen, von denen es erstaunlich viele gibt.

E-Sport ist in Deutschland nicht anerkannt

Obwohl die Vereine immer zahlreicher und professioneller werden, gibt es aber von offizieller Seite einige Institutionen, die den Erfolgszug des eSports in Deutschland bremsen. So steht zwar im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung, dass sie sich für die Anerkennung als „richtige“ Sportart einsetzen will, jedoch wurde bisher noch nicht viel davon eingehalten. Auch das Deutsche Olympische Komitee und der Deutsche Sportbund stellen sich noch quer, hauptsächlich mit der Begründung, dass beim Gaming nur wenig körperliche Leistung involviert wäre. „Dann dürfte man Schach und Billard genauso behandeln“, meint Riccardo. „Das Argument der kognitiven Leistung, der bei diesen Sportarten angebracht wird, lässt sich nämlich auch auf den eSport anwenden“.

Die fehlende Anerkennung nimmt den Vereinen den Wind aus den Segeln, da sie in ihrer Funktion, die sie ausführen möchten behindert werden. So besitzen sie z.B. nicht die gleichen steuerlichen Vorteile, wie ein klassischer Fußballverein und können das nur Umgehen, indem sie einen zusätzlichen Verein mit einer anerkannten Sportart mitaufnehmen oder Gemeinnützigkeit anmelden. Riccardo gibt aber die Hoffnung auf eine Besserung nicht auf: „Wir sind uns sicher, dass es irgendwann mal so weit sein muss“.

„eSport findet nicht nur im Computer statt“

An großen Standorten wie Köln ist auch trotz des Gegenwinds viel im Bereich des Pixelsports geboten, Städte wie Augsburg haben da noch viel Luft nach oben. Hier gäbe es viele kleinere Clans und Teams, die vorrangig unter sich bleiben. Hier sieht Riccardo mit seinem White Wolf eSports e.V. einen wichtigen Ansatzpunkt für die Zukunft. Er möchte mit dem Verein den regionalen Bereich stärken – nicht zuletzt, weil sich der Sitz in Augsburg befindet – und die lokale Community zusammenführen. Derzeit ist auch einiges in Planung. Langfristiges Ziel soll sein, Turniere vom Online- ins Offline-Geschehen zu bringen, dadurch Teams nach Augsburg zu holen und den Standort besser zu nutzen. „eSport findet nicht nur im Computer statt“, erklärt Riccardo. „Er lebt mit den Menschen“.

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