Alle Jahre wieder: Warum es anstrengend ist, sich wieder als Kind zu fühlen

Weihnachten in der Kleinstadt bedeutet nicht nur eine schöne Zeit mit den Liebsten. Denn dazu kommen auch zahlreiche (un)angenehme Begegnungen mit der Vergangenheit

Alle Jahre wieder: Warum es anstrengend ist, sich wieder als Kind zu fühlen

„Hey Theresa. Frohe Weihnachten“, stürmt plötzlich ein Mädchen auf mich zu, das mir bekannt vorkommt. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich meine ehemalige Klassenkameradin. Nach einer kurzen Umarmung kommt auch schon dieser gefürchtete Satz, den ich jedes Jahr aufs Neue so oft wie keinen anderen in der Weihnachtszeit zu hören bekomme: „Und was machst du mittlerweile so?“. Uff.

Da ich bereits vor einigen Jahren relativ weit von zuhause weggezogen bin, freue ich mich eigentlich immer richtig darauf, an Weihnachten in der Heimat zu sein und die Feiertage mit meiner Familie zu verbringen. In der Hinsicht hab ich auch wirklich Glück, das weiß ich, denn keiner stellt mir nervige Fragen über die Beziehung, das Studium etc. und ich kann die Zeit wirklich genießen.

Doch nachdem ich auf der diesjährigen Weihnachtsparty auf die euphorische Frage eines ehemaligen Klassenkameraden, wann wir denn endlich ein Klassentreffen machen würden, mit „Oh man, hoffentlich noch nicht bald“ antwortete und nur einen schockierten Blick erntete, wurde mir wieder schlagartig klar, warum ich Weihnachten immer so anstrengend finde. Denn natürlich komme nicht nur ich an Weihnachten zurück in die Kleinstadt, sondern auch alle diese so genannten „alten Bekannten“, die mich jedes Jahr straight zurück in meine Kindheit katapultieren - ob ich will oder nicht.

Klar finde auch ich es spannend zu sehen, wie sich jeder verändert hat und amüsiere mich gerne mit alten Nachbarn, die mir bei einer Weißweinschorle an der Bar von Beton-Mafias (what?) oder sonstigen Dingen erzählen, die in ihrem Leben los sind. Doch was nervt sind diese gezwungenen Gespräche mit Leuten, die man nicht sehen will, aber auch nicht ignorieren kann. Gespräche, die nie über Smalltalk hinausgehen und meist exakt genauso bereits im vergangenen Jahr geführt wurden. Warum sich dann eigentlich überhaupt unterhalten? Wenn ich nur einen Euro bekommen würde für jedes Mal, wenn ich den Satz „Und du bist immer noch im Augsburg?“ höre. Von Ex-Freunden oder sonstigen Geistern aus der Vergangenheit ganz zu schweigen.

So sehr ich Weihnachten auch mag, reicht mir eine Woche Smalltalk und Konfrontation mit meiner Vergangenheit völlig aus, bis es dann nächstes Jahr wieder heißt: Alle Jahre wieder…

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