Fleisch aus Weideschlachtung? Das müsst ihr darüber wissen

Was sagen euch die Begriffe „Weideschlachtung“ und „Weideschuss“? Wir haben recherchiert und herausgefunden, warum es so selten Fleisch aus der tierschonendsten Schlachtungs-Methode gibt.

Fleisch aus Weideschlachtung? Das müsst ihr darüber wissen

Seit Oktober gibt es im Biomarkt „Alnatura“ Fleischprodukte aus Weideschlachtung. Damit ist Alnatura nach eigenen Aussagen der erste Bio-Supermarkt, der derlei Produkte anbietet. Wir wollen uns heute ansehen, wie man sich eine Weideschlachtung überhaupt vorstellen kann. Außerdem haben wir in der Augsburger Region nach Fleisch aus Weideschlachtung Ausschau gehalten.

Was ist Weideschlachtung?

Wie es der Begriff nahelegt, wird das Tier bei der Weideschlachtung auf der Weide im Freien geschlachtet. Allerdings stimmt das so nicht ganz: Das Tier wird auf der Weide geschossen und nach dem Ausbluten in einen Schlachthof gefahren. Ein alternativer Begriff ist der „Weideschuss“. Aktuell bezieht sich der Begriff auf die Tötung von Rindern. Aber wie läuft eine Weideschlachtung ab? Das wollen wir jetzt klären.

Laut der EU-Hygieneverordnung für Lebensmittel tierischen Ursprungs ist das Schlachten von Tieren auf der Weide, abseits eines Schlachthofs möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Wie läuft eine Weideschlachtung ab?

Es gibt verschiedene Abläufe bei einer Weideschlachtung. Möglich ist beispielsweise die Nutzung einer mobilen Schlachtbox. Wie der Ablauf mit einer solchen Box aussieht, wollen wir euch hier darstellen:

  1. Zunächst wird die Schlachtbox, die ihr euch wie einen Anhänger vorstellen könnt, mithilfe eines Traktors auf die Weide gefahren.

  2. Dann geht die Schützin oder der Schütze mit einem Gewehr zu dem ausgesuchten Tier und betäubt, beziehungsweise tötet es durch einen Kopfschuss. Die Waffe hat einen Schallschutz, sodass sich die übrigen Tiere nicht erschrecken.

  3. Das zusammengesackte Tier wird dann mittels hydraulischer Winden in die Schlachtbox gezogen.

  4. In der Box wird das Tier aufgehängt. Mit einem Messer werden die beiden Halsschlagadern geöffnet, sodass das Tier ausblutet. Vom Schuss bis zum Stich dürfen nur zirka 60 Sekunden verstreichen.

  5. Nun darf maximal eine Stunde vergehen, bis das Tier in einem Schlachtbetrieb zerlegt und gekühlt wird.

Übrigens: Nicht jede/r LandwirtIn darf sich einfach dazu entschließen, die eigenen Rinder auf der Weide zu schlachten. LandwirtInnen brauchen eine Genehmigung des zuständigen Veterinäramts, eine waffenrechtliche Erlaubnis und einen Sachkundenachweis nach Tierschutz-Schlachtverordnung, schreibt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft. Daneben müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gleich mehr.

Vorteile von Weideschlachtung

Für die Tiere ist die Weideschlachtung die schonendste Art der Schlachtung.

  • Die Tiere erleiden keinen Stress durch den Transport zum Schlachtbetrieb.

  • Dadurch sind im Fleisch weniger Stresshormone enthalten, was dem Geschmack des Fleischs zugutekommt.

  • Der oder die LandwirtIn hat in jedem Moment kann sicherstellen, dass das Tier komplett betäubt ist.

Warum gibt es so wenig Weideschlachtung?

Der Gesetzgeber erlaubt die Weideschlachtung nur für ganzjährig im Freien lebenden Tiere. Das liegt daran, dass das Deutsche Tierschutzgesetz eine Betäubung vor dem Töten fordert. Beim Weideschuss wird das Tier jedoch bereits durch den Kopfschuss getötet. Metzgermeister Thomas Winnaker sieht in der Beschränkung auf ganzjährig freilebende Tiere daher einen Kompromiss, den die Politik hier eingegangen ist, wie er in seinem Blog schreibt. Durch diese Regelung bliebe den praktisch „wild“ lebenden Tieren, die nicht einmal Wände gewöhnt sind, der stressige Transport erspart. Gleichzeitig werde die Rinderanzahl, die auf der Weide getötet werden darf, drastisch gesenkt, wie er schreibt. Nur ein verschwindend geringer Anteil der insgesamt in Bayern gehaltenen Rinder und Milchkühe, ist ganzjährig auf der Weide.

Weideschlachtung kostet

Ein weiterer Punkt, weswegen Weideschlachtung kaum praktiziert ist, ist der enorme Aufwand und Kostenfaktor. Um die entsprechende Genehmigung zu bekommen, müssen Landwirte einen Waffenschein und eine spezielle Schulung absolvieren. Diese wird wiederum nur selten angeboten. Will ein Landwirt schlachten, muss er unter anderem eine Reihe von weiteren Anforderungen erfüllen. Er muss beispielsweise einen Tierarzt bestellen, der die Weideschlachtung begleitet. Sofern der Landwirt nicht selbst entsprechende Kenntnisse über das Schlachten nachweisen kann, muss er auch hier eine andere Person einbestellen. Auch eine zusätzliche Hilfsperson muss anwesend sein. Ebenso muss er einem Schlachtbetrieb, der in maximal 45 Minuten zu erreichen ist, Ort und Zeitpunkt der Schlachtung mitteilen. Für die Anschaffung einer mobilen Schlachtbox fallen außerdem hohe Kosten an.

Fleisch aus Weideschlachtung in der Augsburger Region

Das Interesse der VerbraucherInnen an Fleisch aus artgerechter Haltung, von „glücklichen“ Tieren, steigt immer weiter an. Somit wird sicher auch Weideschuss-Fleisch von zunehmendem Interesse sein.

Doch wie ihr sicher wisst, bekommt man im Augsburger Umland nur wenige Kühe auf der Weide zu Gesicht. Entsprechend schwer gestaltet sich die Suche nach regionalem Fleisch aus Weideschlachtung.

Wir konnten nur einen landwirtschaftlichen Betrieb finden, der seine Tiere per Weideschuss erlegt: Der Angus-Hof im Laugna-Tal von Christoph Kunad.

Das Augsburger Start-Up „Mein Weidefleisch“, das wir euch bereits vorgestellt haben, kündigt allerdings auch an, dass einer ihrer Partnerhöfe in Zukunft Weideschlachtung durchführen möchte.

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