Mutige Lebensretter: Die vierbeinigen Helfer der Wasserwacht Augsburg

Die BRK Wasserwacht Augsburg Stadt hat eine eigene Wasserrettungshunde-Staffel. Wir haben mit Marco Greiner gesprochen, der die Staffel in Augsburg aufgebaut hat und selbst Ausbilder ist.

Mutige Lebensretter: Die vierbeinigen Helfer der Wasserwacht Augsburg

Alle AugsburgerInnen, die schon einmal beim Augsburger Hundebadetag im Plärrer Familienbad waren, kennen die Rettungshunde der Wasserwacht Augsburg sicher bereits. Auf Bello’s Batschlach ist das aus Zwei- und Vierbeinern bestehende Team immer vertreten – auch mit Vorführungen.

Das Thema Hunde in der Wasserrettung hat uns näher interessiert: Kann eigentlich jeder Hund zum Wasserrettungshund werden? Und wie oft kommt es tatsächlich zum Einsatz der Hunde? Mit unseren Fragen sind wir zu Marco Greiner gegangen. Er ist Vorsitzender der Wasserwacht Augsburg-Stadt, Leiter sowie Ausbilder der Wasserrettungshundestaffel.

Bayerns erste Wasserrettungshunde-Staffel

Seit 25 Jahren ist Marco Greiner ehrenamtlich bei der Wasserwacht Augsburg tätig. Tatsächlich hat er sich schon im Grundschulalter bei der Wasserwacht engagiert. 2015 fing er schließlich an, die erste Wasserrettungshundestaffel der Wasserwacht in Bayern aufzubauen.

Alles begann mit seinem Welpen „Buddy“ und der Idee seine beiden Leidenschaften Wasserwacht und Hund miteinander zu verbinden. 2015 hatte Greiner dann die Gelegenheit die italienische Organisation „S.I.C.S.“ kennenzulernen, die Wasserrettung mithilfe von Hunden schon seit Jahren professionell praktizierten. In den folgenden zwei Jahren lässt sich Greiner von „S.I.C.S“ ausbilden und hängt die Ausbildung zum Ausbilder gleich dran. Parallel wächst die Wasserrettungshunde-Staffel in Augsburg, die erste in ganz Bayern.

Der Job des Hundes bei der Rettung

Ein Hund rettet nie allein, sondern immer zusammen mit RettungsschwimmerInnen.

Doch welche Aufgabe übernimmt der Hund bei der Rettung von Ertrinkenden? „Der Hund ist quasi der Hilfsmotor der Rettungsschwimmer“, erklärt Marco Greiner. „Er übernimmt alles, was körperlich anstrengend ist.“ Konkret heißt das: Wenn ein Ertrinkender gesichtet wird, nähert sich das Team der Person. Die Rettungsschwimmerin oder der Rettungsschwimmer übernimmt den ersten Kontakt zur Person. Das ist wichtig, erklärt Greiner: „Der Hund wird aus Sicherheitsgründen nie allein zu einer in Not geratenen Person geschickt.“ Eine in Panik geratene Person würde sich an den Hund klammern und ihn eventuell nach unten drücken, um selbst nach oben zu kommen. Aus diesem Grund nimmt immer der Mensch den ersten Kontakt zum Ertrinkenden auf. „Wenn die Person lediglich erschöpft ist, kann sie sich beim Hund einhalten. Ist die Person bewusstlos oder zu erschöpft, nimmt der oder die RettungsschwimmerIn sie in den Rettungsgriff, hält sich beim Hund ein und lässt sich von diesem ans Ufer oder zum Rettungsboot ziehen.

Darüber hinaus lernen die Hunde beispielsweise mehrere Personen zu retten oder kleinere Boote abzuschleppen. Schwere Hunde können ein bis zu 1,2 Tonnen schweres Boot mithilfe eines Seils ans Ufer ziehen. Darüber hinaus sind die Vierbeiner mit allen Rettungsmitteln vertraut und können beispielsweise auf Kommando Rettungsbojen holen.

Was ist, wenn Personen Angst vor Hunden haben?

Bisher hatte das Team um Marco Greiner keinen Fall, in dem eine zu rettende Person Angst vor Hunden hatte. Allerdings weiß er von seinen italienischen KollegInnen, dass die meist in Panik geratenen Personen dem Hund in Ernstfall keine Beachtung schenken und ihre Aufmerksamkeit den RettungsschwimmerInnen zuwenden.

Kann jeder Hund ein Wasserrettungshund werden?

Ein Wasserrettungshund muss zwischen 25 und 30 Kilogramm wiegen.

Auf die Frage, ob jeder Hund ein Wasserrettungshund werden kann, meint Marco Greiner: „Wir legen uns nicht auf bestimmte Hunderassen fest. Dennoch gibt es Hunderassen, die sich besonders gut für die Wasserrettung eignen, beispielsweise Neufundländer, Labradore oder Golden Retriever.“ Doch im Grunde sei die Rasse egal, meint er. Viel wichtiger sei der Charakter eines Hundes. „Der Hund muss sowohl mit Menschen als auch mit anderen Hunden verträglich und besonders stressresistent sein“. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Faktor: Das Körpergewicht. Ein Wasserrettungshund muss mindestens zwischen 25 und 30 Kilogramm wiegen, erklärt Greiner: „Die Hunde müssen im Wasser zum Teil schwere Lasten ziehen können. Damit sie dabei keinen körperlichen Schaden nehmen, brauchen sie dieses Gewicht.“

Faszination Wasserrettung mit Hunden

Vertrauen ist alles.

Die Wasserwacht Augsburg ist für Marco Greiner wie eine zweite Familie und er genießt es, dort eine wichtige und sinnvolle Arbeit zu leisten. „An der Arbeit mit den Wasserrettungshunden im Speziellen fasziniert mich, wie schnell die Hunde lernen.“ Die Vierbeiner begreifen schnell, wann das anfänglich als Spiel trainierte, zu ihrem Job wird, erzählt er. Ganz besonders freue sich Greiner zu beobachten, wie das Vertrauen zwischen Hund und Mensch während der zweijährigen Ausbildung immer weiterwächst. Wenn das Vertrauens-Verhältnis passt, folgt der Hund dem Menschen überall hin. Und das nicht nur vom Ufer ins Wasser, sondern auch in außergewöhnlicheren Situationen, wenn von einem fahrenden Boot ins Wasser gesprungen wird oder sich das Team von hohen Felsen abseilen muss. Dieses blinde Vertrauen müsse von beiden Seiten aus bestehen, damit ein Einsatz gut klappt, weiß Greiner. „Ich muss mich darauf verlassen können, dass der Hund da ist, auch, wenn ich meine volle Aufmerksamkeit dem Patienten schenke.“

Hund „Buddy“ mit dem Marco Greiner seine Ausbildung bei S.I.C.S begonnen hat, ist vergangenes Jahr leider verstorben. Nun bildet er mit seiner Labrador-Hündin „Aqua“, die bereits seit 2018 fertig ausgebildet und im Einsatz ist, ein Team. Daneben bildet er seit diesem Jahr seinen Labrador-Junghund „Elio“ zum Wassserrettungshund aus.

Wie und wo arbeitet die Wasserrettungshunde-Staffel Augsburg?

Die Hundestaffel der Wasserwacht unterstützt ihre KollegInnen an den Badeseen der Region. Glücklicherweise haben sie bislang keine dramatischen Rettungsaktionen hinter sich. Aber, so Greiner, unterstützten sie mithilfe der Hunde beispielsweise schon erschöpfte SchwimmerInnen oder zogen gekenterte BootsfahrerInnen mitsamt Boot wieder ans Ufer.

Damit die insgesamt neun Teams fit und eingespielt bleiben, wird ein bis zwei Mal in der Woche trainiert. Pausiert wird nur von Mitte/Ende Oktober bis Ostern, da die Wassertemperatur für die Hunde in den Wintermonaten schlicht zu niedrig ist.

Beim nächsten Hundebadetag im Familienbad am Plärrer könnt ihr die Hundestaffel kennenlernen und erleben.

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