Augsburger Team berechnet die wahren Kosten von Lebensmitteln

Ein neu eröffneter Pennymarkt in Berlin zeichnet Produkte mit gleich zwei Preisen aus: Dem Verkaufspreis und dem „wahren“ Preis, der ökologische Faktoren mitberücksichtigt. Berechnet hat das Ganze ein Team der Universität Augsburg.

Augsburger Team berechnet die wahren Kosten von Lebensmitteln

Am 2. September 2020 eröffnete der „Nachhaltigkeits-Erlebnismarkt 'Penny Grüner Weg'“ in Berlin Spandau. Bei einigen Artikeln finden die Kunden an den Supermarktregalen zwei Preise für ein Produkt: den Verkaufspreis und die „wahren Kosten“. Im „wahren“ Preis sind ökologische Auswirkungen, entlang der ganzen Lieferkette mit inbegriffen.

Die Idee der wahren Preise

Die Preise sollen ein Bewusstsein für Umweltschäden schaffen, die durch die Lebensmittelherstellung und den Transport entstehen. Die Penny-Kunden zahlen weiterhin den günstigen Verkaufspreis, jedoch mit dem Wissen um den eigentlichen Preis, den sie zahlen müssten, damit Umweltschäden wieder ausgeglichen werden könnten. In der Supermarktfiliale können sie sich darüber hinaus über die Zusammensetzung der „wahren“ Preise informieren.

Der Beitrag der Universität Augsburg

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ist einiges an Rechenarbeit zu bewältigen, um ökologische Auswirkungen eines einzelnen Produkts in Kosten umzuwandeln. Diese Aufgabe übernahm Doktor Tobias Gaugler und sein Team von der Universität Augsburg. Insgesamt wurden zu acht Lebensmitteln, jeweils in der konventionellen und der Bio-Version, die wahren Preise ermittelt. Von Äpfeln, Bananen, Kartoffeln, Tomaten, Mozzarella, Gouda, Milch und gemischtem Hackfleisch. Wir haben mit Amelie Michalke gesprochen, die die Preise mit berechnet hat.

Ergebnisse der Berechnung

Die Folgen unseres Konsums stehen in keinem Verhältnis zu den Lebensmittelpreisen. Konventionelle Produkte müssten im Schnitt um 62 Prozent teurer werden. Bei biologische Lebensmittel sind es immerhin noch 32 Prozent.

„Tierische Produkte müssten unglaublich viel teurer werden. Bei pflanzlichen Produkten sieht das anders aus.“ - Amelie Michalke

Welche Faktoren sind im „wahren“ Preis mit eingerechnet?

Die „wahren“ Kosten umfassen den Energiebedarf zur Herstellung eines bestimmten Lebensmittels, Schäden durch Überdüngung und Treibhausgase. Außerdem wurden Landnutzungsänderungen berücksichtigt, welche wiederum zu Emission von Treibhausgasen führen. „In Zukunft sollte man noch viele andere Faktoren berücksichtigen, wie etwa den Wasser- und Pestizidverbrauch, Tierwohl, und den Einsatz von Antibiotika“, meint Amelie Michalke.

So wurden die wahren Kosten ermittelt

Das Team nutzte Daten von Lebenszyklusanalysen verschiedener Lebensmittel, die das Umweltbundesamt erhoben hat. Ausgehend von diesen Informationen, konnte auf die Menge an ausgestoßenen Treibhausgasen, reaktiven Stickstoffs, Energieverbrauch, sowie auf die Landnutzung geschlossen werden, die bei der Produktion des jeweiligen Lebensmittels anfällt.

Eine Tonne CO2 wird beispielsweise mit 180 Euro Schaden berechnet.

Schließlich wurden die Emissionswerte mit Kostenfaktoren versehen. Das geschah über die Richtwerte des Weltklimarats.

Können wir uns durch die wahren Preise von Verantwortung freikaufen?

Natürlich soll mit der Aktion nicht der Glauben vermittelt werden, dass Geld allein die Umweltprobleme lösen kann. Allerdings glaubt das Team um Professor Gaugler, dass mit der Diskussion, die durch die wahren Preise angeregt wird, ein Bewusstsein für die Umwelt-Landwirtschaft-Problematik geschaffen wird und nachhaltiger Konsum gefördert wird.

Die Wissenschaftler glauben allerdings nicht, dass die wahren Preise kurz- oder mittelfristig in unseren Supermärkten Einzug halten werden. Nichtsdestotrotz freuen sie sich über den entstandenen Diskurs und sind sicher, dass es ein breit diskutiertes Thema bleiben wird.

Würdet ihr die wahren Preise zahlen? Wir haben dazu eine Hallo-Umfrage gestartet.

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