Zeig Dich Aux – Warum man sich von seinen Vorurteilen verabschieden sollte

Am 29. Und 30. Juni haben wir Augsburger die Chance, im Zuge der „Zeig Dich Aux“ Initiative geschlossen für mehr Toleranz, Mut und Solidarität einzustehen. Warum es wichtig ist, seine Vorurteile zu überdenken – ein Kommentar.

Zeig Dich Aux – Warum man sich von seinen Vorurteilen verabschieden sollte

„Ich habe keine Vorurteile – nur Busfahrer haben Vorurteile!“ – Mit dieser ironischen Aussage und vielen weiteren quer durch alle Bevölkerungsgruppen zeigten die Rapper Fatoni und Juse Ju musikalisch, wie schnell Vorurteile gebildet sind und dass man auch oft gar nicht so richtig bemerkt, wenn man gegenüber bestimmten Menschen oder Dingen voreingenommen ist. Dabei ist es – auf den ersten Blick - aus evolutionär-psychologischer Sicht sogar nützlich, erstmal zu verallgemeinern. Wenn man mit etwas/jemand neuem zu tun hat, erleichtert es einem ungemein, wenn man ein paar Charakteristika erkennt, die man so schon bei vielen anderen gesehen hat und daraus schnell seine Schlüsse ziehen kann. Sonst müsste man ja bei jeder neuen Situation lange und komplexe Überlegungen im Kopf durchrattern lassen. Ein Hoch also auf das Schubladendenken bzw. die wissenschaftlich korrekte Bezeichnung der Kategorisierung und die damit einhergehende Stereotypenbildung! Oder etwa doch nicht?

Natürlich kann es oft von Vorteil sein, sich schnell ein Bild von einer Sache/einer Person machen zu können. Unsere Welt besteht aber nicht nur simpel aus schwarz und weiß (auch wenn sie immer mehr durch Nullen und Einsen definiert wird) und deshalb ist es notwendig, nach dem Erstkontakt weiter in die Tiefe zu gehen und sich nicht nur auf der Kommode mit den nützlichen, aber statischen Schubladen auszuruhen. Dazu müsste man aber seinen mentalen Hintern bewegen und seine Komfortzone verlassen – Puuh! So viel Aufwand wollen viele dann doch nicht auf sich nehmen, schließlich muss man dann so viel hinterfragen und differenzieren. Außerdem erfordert es eine ordentliche Menge Mut, um aus den eigenen festgefahrenen Denkmustern herauszubrechen und allen eine Chance zu geben.

Dabei lohnt es sich wirklich, sich über den Tellerrand zu hieven. Niemand ist ein platter Charakter wie in einer Sitcom, der bis auf ein paar Stereotype nicht viel Persönlichkeit zu bieten hat. Der Mensch setzt sich aus so vielen verschiedenen Rollen, die er ausfüllt, zusammen. Klar kann da auch mal EIN Vorurteil zutreffen, aber das muss nicht heißen, dass dann die anderen hundert Charaktereigenschaften auch dem Stereotyp entsprechen. Metal-Fans sind zu 99% keine pöbelnden Rowdys und es gibt nicht den geringsten fundierten Beweis dafür, dass die Haarfarbe bei Frauen mit dem Intelligenzquotienten korreliert. Und: Man mag es kaum glauben, aber nicht jeder Augsburger ist automatisch ein eigenbrötlerischer Grantler, der schneller einen Leserbrief an die Zeitung verfasst als man „Zwetschgendatschi“ sagen kann.

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Und jetzt aufgepasst! Am 29. Und 30. Juni haben wir gleich mal die Gelegenheit, um aktiv zu werden und unsere Vorurteile über Bord zu werfen . Mit der Initiative „Zeig Dich Aux!“ wird uns die Möglichkeit geboten, auf friedliche Art den Rest des Landes wissen zu lassen, dass wir als multikulturelle und offene Stadt das Mit- und Füreinander als Bürgerpflicht sehen und auch die Chancen, die eine tolerante Einstellung bietet. Augsburg ist nur so schön, weil hier jeder Mensch und damit auch seine einzigartige Geschichte willkommen ist!

Betrachtet man die aktuelle Gesellschaft, drehen sich gefühlt die häufigsten Vorurteile um die Ethnie. Für so etwas haben wir Augsburger definitiv keinen Platz – schließlich liegt der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund bei stolzen 45%. Und das ist gut so! Unsere Stadtgemeinschaft beweist, dass gelebte Inklusion funktionieren und gewinnbringende Resultate wie atemberaubende Vielfalt und Lebensqualität durch ein friedliches Miteinanderleben hervorbringen kann. Wer sich von imaginären Linien auf einer Weltkarte oder Schubladen im Kopf nicht einschränken lässt, erkennt nämlich recht schnell, dass wir alle Erdenbewohner und trotz regionaler Unterschiede im Wesentlichen gleich sind: Menschen - mit den gleichen Fehlern, Charakterschwächen, aber auch der Fähigkeit, zu lieben und einander zu akzeptieren.

Vorurteile machen vieles nur scheinbar einfacher. Wer sich zu sehr auf sie stützt, macht das Leben für sich und andere in Wirklichkeit deutlich schwerer.

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