Anna Barbara von Stetten – eine starke Frau aus Augsburg

Anna Barbara von Stetten ist im 18. Jahrhundert mit ihrem emanzipatorischem Vorgehen für viele ein Vorbild. Mit dem Stetten-Institut bleibt das Andenken an eine starke und außergewöhnlich Frau bis heute erhalten.

Anna Barbara von Stetten – eine starke Frau aus Augsburg

Anna Barbara sitzt im Garten vor ihrem Haus am Martin-Luther-Platz. Es ist kalt. Sie hat die Hände in den Schoß gelegt und die blaue Schleife, die um ihr Häubchen aus weißer Spitze gebunden ist, flattert im Wind. Sie ist, wie so oft, in Gedanken darüber versunken, wie sie die Bildung für Mädchen weiter vorantreiben kann. Zwei Wochen später, im Februar 1805 stirbt Anna Barbara im Alter von 50 Jahren. Ihr Testament ist aus emanzipatorischer Sicht ein fundamentales Ereignis für Augsburg. Darin wird der Grundstein des Stetten-Instituts gelegt. Heute besuchen mehr als tausend Mädchen das Gymnasium und die Realschule von Stetten. Grund genug, um nachzuforschen, wer die starke Frau war.

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Wer ist Anna Barbara von Stetten?

Anna Barbara wird am 23. September 1754 geboren. Sie wächst in einfachen Verhältnissen bei ihren protestantischen Eltern Sibilla Marianna Welser und Johann Adolf von Amman auf. Die bescheidene Wohnung der Patrizierfamilie befindet sich im heutigen Annahof.

Im Jahr 1774 heiratet sie mit jungen zwanzig Jahren den 51-jährigen Juristen Johann Ferdinand von Stetten. Für die Eltern hätte es nicht besser laufen können. Denn mit diesem Schritt sorgt Anna für ihrer eigene, finanzielle Absicherung. Ihr frisch Vermählter gehört zu den mehr als wohlhabenden Einwohnern der Stadt Augsburg. Doch schon kurz darauf, Anna lebt gerade einmal seit drei Jahren in den herrschaftlichen Häusern der von Stettens, stirbt Johann und hinterlässt Anna ein nicht allzu kleines Vermögen.

Anna Barbara bleibt ihr Leben lang Witwe und entwickelt sich zu einer starken und entschlossenen, aber auch bescheidenen und großherzigen Frau – und bewirkt mit ihrer Beharrlichkeit und Sorgfalt großes in Augsburg.

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Anna Barbara, die Mutter der Armen.

Das aufklärerische „Augsburger Intelligenzblatt“ bezeichnet sie als „Mutter der Armen“. Besonders zur Zeit der napoleonischen Kriege um die Jahrhundertwende ist der Einsatz der jungen, genügsamen Frau ein Segen. Die soziale Not ist groß und Anna Barbara unterstützt mit ihrem geschickt verwalteten Vermögen etliche Stiftungen, Kirchengemeinden, Armenhäuser und Patenkinder allen Bevölkerungsschichten.

„Ich will dem fortschreitenden Geist der Zeit keine Fesseln anlegen.“ – A. B. von Stetten

All diese Menschen und Einrichtungen werden schließlich auch in ihrem Testament bedacht. So kommt das Stetten-Institut zu der enormen Summe von 90.000 Gulden und einigen Häusern. Die heutige Kaufkraft dieses Betrags läge schätzungsweise bei rund 2 Millionen Euro. Ein wahnsinnig hoher Betrag, vor allem für die damalige Zeit. Ein Indiz dafür, wie sehr der Augsburgerin die Bildung junger Mädchen am Herzen liegt.

Mehr Chancen für Mädchen sind ihr neben der Persönlichkeitsbildung und der Werteorientierung das wichtigste Anliegen. „Ich will dem fortschreitenden Geist der Zeit keine Fesseln anlegen“, hält Anna Barbara in ihrem Testament fest. Mit ihrer unerschöpflichen Art hat Anna Barbara von Stetten zu ihrer Zeit großartiges bewirkt und das Stetten-Institut ist ein Erbe dieser starken Persönlichkeit.

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Augsburger Lichtgestalten – Zeitreise zu historischen Persönlichkeiten und ihren Spuren.

Im Magazin „Lichtgestalten – Zeitreise zu historischen Persönlichkeiten und ihren Spuren in Augsburg“ kannst Du, neben dieser, noch unzählige Reisen zurück in die Vergangenheit unternehmen. Erwerben kannst Du diese Ausgabe im örtlichen Buchhandel, bei der Augsburger Tourist-Info am Rathausplatz oder bei amazon.

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