Verschwörungstheorien kontern: Gesprächstipps

Wie artet ein Gespräch mit einem Verschwörungstheoretiker nicht gleich in gegenseitigem Anschreien aus? Wie bringe ich die Tante oder den Onkel von den Verschwörungsmythen weg? Hilfreiche Tipps für ein gutes Gespräch.

Verschwörungstheorien kontern: Gesprächstipps

Man muss nicht auf eine Querdenker-Demo gehen, um Verschwörungstheoretikern zu begegnen. Mittlerweile kennen viele von uns jemanden, sei es im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft, der sich in die Welt der Verschwörungen begeben hat oder sich eindeutig zu viel damit beschäftigt. Besonders wenn es um Menschen geht, die wir gernhaben, löst das in uns Ärger aus und den Wunsch denjenigen in die Realität zurückzuholen. Aber wie funktioniert das?

Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?

Verschwörungstheorien haben immer eine Intension.

Verschwörungstheorien bieten oftmals eine einfache Erklärung zu komplexen Zusammenhängen. Häufig ist der Ausgangspunkt das Gefühl einer emotionalen Belastung, sei es durch Corona-Maßnahmen oder durch den menschengemachten Klimawandel. Eine Verschwörungstheorie ersetzt die schwer fassbaren Zahlen, wie Inzidenzwerte und Reproduktionszahlen durch eine Erzählung über eine kleine Gruppe von Menschen, die hinter all dem steckt. Der Nutzen für den Menschen, der der Erzählung Glauben schenkt, ist klar: Er ist von jeglicher Mitverantwortung, sei es am Klimawandel oder an der Verbreitung von Corona befreit und wird, wie Jens Soentgen, Umweltwissenschaftler, Philosoph und Chemiker an der Universität Augsburg es ausdrückt, vom „Ermahnten zum Mahner, vom Adressaten wohlmeinender wissenschaftlicher Aufklärungsbemühungen zum ‚Aufklärer‘". Er kann sich nun „besser“, beziehungsweise „wissender“ als alle anderen fühlen.

Tipps für das Gespräch mit Verschwörungstheoretikern und Menschen, die auf dem Weg dahin sind

Mit Fakten kann man Verschwörungstheoretiker meist nicht überzeugen. Das liegt zum einen daran, dass ihr euer Wissen aus völlig unterschiedlichen Quellen bezieht und zum anderen die jeweils anderen Quellen nicht anerkennt. Verweist du auf eine, dir seriös erscheinende Quelle, wird dein Gegenüber eventuell so etwas sagen wie: „Denen kannst du nicht vertrauen. Die Medien sind alle gleichgeschaltet und täuschen uns alle“. Hier ist also kein Weiterkommen.

Gegenseitiger Respekt

Die richtigen Fragen können helfen, Logikfehler zu erkennen.

Aber wo kann dann angesetzt werden? Basis für ein Gespräch, ist die Meinung des anderen ernst zu nehmen. Das bedeutet nicht, dass du zustimmst, nur, dass du dich nicht über die Verschwörungstheorie und damit über dein Gegenüber lustig machst. Du solltest vermeiden, dein ihn mit Argumenten für deine Position zu überhäufen und offensichtlich überzeugen zu wollen. Es geht darum, den Verschwörungstheoretiker dazu zu bringen, selbstkritisch zu sein. Fragen wie „Warum glaubst du dieser Person/dieser Quelle?“ können helfen. Der Verschwörungstheoretiker soll Logikfehler in der Theorie selbst entdecken. Auch du selbst solltest dich diesen Fragen stellen und begründen, warum du deinen Quellen glaubst. So bleibt ihr auf Augenhöhe miteinander.

Jetzt wird schnell klar werden, wie stark dein Gegenüber von der Verschwörung überzeugt ist. Mit Menschen, die sich in ihrer Verschwörungstheorie schon zu sehr eingekapselt haben, ist eine Diskussion nur selten fruchtbar. Leichter wird das Gespräch mit Leuten, die noch nicht völlig überzeugt sind.

Welches Bedürfnis steckt hinter der Verschwörungstheorie?

Im besten Fall erkennst du, was die eigentlichen Sorgen und Nöte sind, die dein Gegenüber hat. Da kann die Frage „Wie geht es dir eigentlich so zurzeit?“ helfen. Wenn es sich um ein Familienmitglied oder um einen Freund oder eine Freundin handelt, wirst du bestimmt eine Antwort bekommen. Damit stößt du bei demjenigen einen Denkprozess an, der das eigene Verhalten reflektiert. Überlegt zusammen, wie ihr die Sorgen lindern könnt. Eine Verschwörungstheorie dient immer dazu, bestimmte Nöte, Motivationen oder Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn diese anderweitig befriedigt werden können, wird die Verschwörungstheorie nicht mehr gebraucht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Das Gegenüber ernst nehmen

  2. Quellen hinterfragen (Du und dein Gegenüber gleichermaßen)

  3. Emotionalen Zustand herausfinden (Wo liegen die Sorgen/Ängste?)

  4. Alternativen finden

Falls es ernst wird

Es gibt viele Verschwörungstheorien zu verschiedenen Themen. Davon sind manche gefährlicher als andere. Wenn du den Eindruck hast, dass Menschen durch die Verschwörungstheorie in Gefahr kommen könnten, sei es durch stark antisemitisches oder rechtsextremes Gedankengut und Gewaltbereitschaft, werde aktiv. Nutze zum Beispiel das Angebot von Beratungsstellen und lass Posts und Aussagen dieser Art nicht unkommentiert.

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