Welt-Vegantag: Woher kommt der ganze Trend zum Tofuwürstchen?

Am 1. November ist Weltvegantag, und zwar zum 26. Mal. So lange gibt es den schon? Und warum sind jetzt plötzlich alle auf dem Vegan-Trip? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Welt-Vegantag: Woher kommt der ganze Trend zum Tofuwürstchen?

Seit 1994 ist am 1. November jeden Jahres Weltvegantag. Dieser Tag wurde anlässlich des 50. Jahrestag der Gründung der Vegan Society gewählt. Moment mal, das bedeutet, dass seit 76 Jahren Veganismus ein Thema ist? Und warum sind auf einmal so viele dabei? Um diese Fragen zu beantworten lohnt sich der Blick in die Geschichte.

Veganismus hat eine lange Tradition

Schon in der Antike war eine Ernährungsweise ohne Fleisch und zum Teil auch ganz ohne tierische Produkte, also vegan, unter einigen Bevölkerungsgruppen verbreitet. Grund dafür war meist die Religion. Pythagoras soll sogar den Satz gesagt haben: „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück“ und lebte dementsprechend vegetarisch.

Es gab schon immer Menschen, die sich rein pflanzlich ernährten.

Nachdem der bewusste Verzicht auf Fleisch im Mittelalter – mit Ausnahme einiger Mönche – in Vergessenheit geriet und darüber hinaus in Europa lange von der Bildfläche verschwand, kommt der Vegetarismus im 15. Jahrhundert wieder auf. Damals war es unter anderem Leonardo da Vinci, der eine vegetarische Lebensweise bevorzugte. Im 19. Jahrhundert wurde die englische „Vegetarian Society“ gegründet, die 1944 schließlich zur „Vegan Society“ wurde. Währenddessen war der Vegetarismus und Veganismus in anderen Teilen der Welt stetig verbreitet. In buddhistisch und hinduistisch geprägten Gesellschaften spielt die fleischlose Ernährung bis heute eine große Rolle.

Gibt es gerade viel mehr Veganer als in der Vergangenheit?

Laut dem Ernährungsreport 2020 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stagniert die Zahl der Veganer derzeit. Der Bevölkerungsanteil, der sich selbst als vegan oder vegetarisch lebend einstuft, blieb in den letzten vier Jahren relativ stabil. Etwa ein Prozent der Menschen in Deutschland lebt vegan und fünf Prozent vegetarisch, so das BMEL.

Immer mehr Menschen essen nur noch gelegentlich Fleisch.

Einer Studie zufolge, die der Verein „Vegane Gesellschaft Deutschland e.V.“ in Auftrag gegeben hat, gab es in Deutschland 2016 1,3 Millionen Veganer. 2008 waren es weniger als 18.000 Menschen. Die Zahl ist in der Vergangenheit also stark angestiegen und scheint nun zu stagnieren. Einig sind sich alle darüber, dass der Anteil der „Flexitarier“ in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Laut Ernährungsreport 2020 bezeichnen sich 55 Prozent der Deutschen als Flexitarier. Das bedeutet, dass sie bewusst weniger Fleisch essen, aber nicht ganz auf Fleisch verzichten.

Aus welchen Gründen essen die Menschen weniger Fleisch?

Anders als früher liegen die Gründe für eine fleischarme oder fleischlose Ernährung heute nicht mehr in der Religion. Vielmehr sind moralisch-ethische Gründe entscheidend. Menschen, die weniger tierische Produkte essen, wollen die Fleischindustrie nicht länger unterstützen, die zum größten Teil auf Massentierhaltung basiert. Dass immer mehr Menschen so denken, spiegelt sich im Lebensmitteleinzelhandel deutlich wider. Das Angebot an fleischlosen Alternativprodukten, beispielsweise aus Soja oder Erbsenprotein, veganen Brotaufstrichen und Ähnlichem ist in den letzten Jahren rasant gewachsen.

Lieber flexitarisch als vegan

Man kann zusammenfassen, dass der aktuelle Ernährungstrend darin besteht, weniger Fleisch zu essen und dafür häufiger zu Alternativprodukten zu greifen.

Das große Angebot an fleischlosen Alternativen finden auch Fleischesser attraktiv.

Die Mehrheit der Konsumenten sieht die Produkte als Bereicherung an und ist neugierig auf die Alternativen. Das geht aus dem Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor, der „Neugier“ als Hauptbeweggrund für den Kauf von veganen oder vegetarischen Alternativen zu tierischen Produkten ausmacht. Danach folgt die Intensionen Tierleid zu verringern und der Geschmack der Lebensmittel.

Veganismus und Vegetarismus sind also keinesfalls eine neue Erscheinung. Allerdings wollen sich immer mehr Menschen fleischärmer ernähren. Eine Entwicklung, die von einem wachsenden Bewusstsein für die dramatischen Folgen unserer Ernährungsgewohnheiten zeugt.

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