Augsburg A–Z: Von Afra bis Metropole

Die wohl älteste Stadt Bayerns hat zahlreiche Facetten. Wir haben eine Auswahl an bedeutenden und interessanten Orten, Fakten und Besonderheiten in einem kleinen Guide für euch zusammengefasst.

Augsburg A–Z: Von Afra bis Metropole

A wie Afra

Afra von Augsburg gilt als Schutzpatronin der Stadt Augsburg und wird als Heilige verehrt. Laut mündlichen Überlieferungen soll die Tochter des Königs von Zypern nach dessen Ermordung nach Augsburg geflohen sein, wo sie unter anderem mit ihrer Mutter ein Freudenhaus einrichtete. Als Bischof Narcissus von Girona dort aufgrund der Christenverfolgungen Schutz suchte, ließ sich Afra von ihm bekehren und taufen. Doch die Verfolgung von Menschen christlichen Glaubens wurde ihr zum Verhängnis. Da sie sich weigerte, den römischen Göttern zu opfern, wurde sie im Jahr 304 zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Die Hinrichtung soll auf einer Flussinsel im Lech vollzogen worden sein. Heute ist die Afrabrücke, die Spickel-Herrenbach und Hochzoll miteinander verbindet, nach ihr benannt.

B wie Bompeln

Boden + Ampeln = Bompeln. So lautete die Rechnung der Stadtwerke Augsburg im April 2016, als sie sich vornahmen, unaufmerksamen Smartphone-Zombies, kurz Smombies, etwas entgegenzusetzen. Und so entschied man sich kurzerhand dazu, an der Fußgängerfurt der Haltestelle Haunstetter Straße Bahnhof sogenannte Bompeln in den Boden einzulassen. Diese blinken, sobald eine Straßenbahn einfährt, und sollen in ihre Mobilgeräte versunkene NutzerInnen vor brenzligen Situationen bewahren. Die Bompeln erreichten internationale Berühmtheit und wurden von zahlreichen Tageszeitungen aus aller Welt thematisiert.

C wie Confessio Augustana

Welche deutsche Stadt hat die meisten Feiertage? Genau, es ist Augsburg! ArbeitnehmerInnen, die in Augsburg arbeiten, dürfen sich jährlich über insgesamt 14 Feiertage freuen. Eine regionale Besonderheit ist das Friedensfest am 8. August, das seit 1650 gefeiert wird und auf den Westfälischen Frieden von 1648 zurückgeht. Dieser gestand den AnhängerInnen des Augsburger Bekenntnisses (Confessio Augustana) sowie reformierten ProtestantInnen in weiten Teilen die freie Religionsausübung zu und sicherte somit das friedliche Zusammenleben verschiedener Konfessionen. Daran wird bei der jährlichen Friedenstafel auf dem Rathausplatz erinnert.

D wie D' Stoinerne Ma

An der Schwedenstiege an der östlichen Stadtmauer befindet sich eine lebensgroße, einarmige Steinfigur mit einem Brot in der linken Hand. Diese zeigt den Bäckermeister Konrad Hacker, der zu den bekanntesten Augsburger Sagengestalten zählt. Er soll 1634/35, als die Stadt durch kaiserliche Truppen belagert wurde und unter einer Hungersnot litt, mit einem Laib Brot an der Stadtmauer gestanden, auf sich aufmerksam gemacht und den Laib auf die andere Seite geworfen haben. Dadurch dachten die Truppen, dass es genug zu essen geben müsse, wenn man es sich sogar leisten kann, Brot wegzuwerfen. Aus Frust schossen sie auf Hacker und zerfetzten seinen rechten Arm, woraufhin er starb. Die Einnahme der Stadt konnte er jedoch abwenden, da sich die Belagerer daraufhin zurückzogen. Ob Hacker wirklich existierte, ist bis heute umstritten.

E wie Eiskanal

Die Kanuslalom-Wettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1972, die eigentlich in München stattfanden, wurden im Augsburger Eiskanal ausgetragen. Die künstliche Wildwasserstrecke im Spickel, die eigens für die Spiele errichtet wurde und als Vorbild für neue Strecken gilt, bietet Platz für 24.000 ZuschauerInnen. Der Eiskanal, der von Wasser aus dem benachbarten Lech gespeist wird, wurde 2019 als Teil des Augsburger Wassermanagement-Systems in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Übrigens: Dieses Jahr findet die Kanu-Slalom-Weltmeisterschaft in Augsburg statt.

F wie Fuggerei

Augsburg ist auch bekannt als Fuggerstadt. Jakob Fugger schuf 1521 mit der Fuggerei die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt. Sie befindet sich in der Jakobervorstadt und ist wie eine eigene kleine Stadt aufgebaut, die aus 67 Häusern und 142 Wohnungen sowie einer Kirche besteht. Rund 150 bedürftige AugsburgerInnen katholischen Glaubens dürfen hier für eine Jahreskaltmiete von 88 Cent und drei Gebeten pro Tag leben.

G wie Grantler

„Net g’schimpft isch g’lobt gnua“, ist das Motto von so manchem gemeinen Augsburger. Das bedeutet übersetzt so viel wie: AugsburgerInnen sind recht sparsam mit Komplimenten. Und „Basst scho!“ gilt fast schon als ein halber Ritterschlag. Na gut, belassen wir es dabei.

H wie Helmut Haller

So lautet der Name des „größten Sohns“ unserer Stadt. Helmut Haller, geboren 1939 in Augsburg, war in den 50er- und 60er-Jahren einer der populärsten und erfolgreichsten Fußballer Deutschlands sowie über lange Zeit das Aushängeschild des FC Augsburg. Auch in Italien, wo er als einer der ersten Fußball-Legionäre auf Torejagd ging, machte er sich einen Namen. Haller starb im Oktober 2012 und wurde unter großer Anteilnahme auf dem Augsburger Nordfriedhof beigesetzt. Zwei Jahre später benannte die Stadt den Platz vor dem Oberhauser Bahnhof nach ihm.

I wie Innovationspark

Augsburg kann auch Hightech. Studierenden wird sicherlich schon aufgefallen sein, was sich momentan zwischen Universität und B 17 tut. Dort befindet sich der Innovationspark, in dem sich nach und nach vor allem Unternehmen aus Forschung und Entwicklung niederlassen. Im Bereich um die Forschungsallee, die eine neue Verbindung zwischen dem Messezentrum und der Fußball-Arena schafft, haben sich bereits mehrere bekannte Firmen und Einrichtungen angesiedelt, wie zum Beispiel das Fraunhofer-Institut.

J wie Jinan

„In Europa kennt uns keine Sau“, war das Motto des FC Augsburg, als er sich 2015 erstmals für die Europa League qualifizieren konnte. Doch Augsburg ist durchaus in der Welt bekannt, denn die Stadt pflegt insgesamt sieben Partnerschaften zu weiteren Kommunen in Europa, Nordamerika und Asien. Die Partnerstädte sind: Inverness (Schottland), Nagahama (Japan), Amagasaki (Japan), Dayton (USA), Bourges (Frankreich), Liberec (Tschechien) und Jinan (China).

K wie König von Augsburg

Richtig gehört, Augsburg hat einen König! Gerhard Hermanutz heißt der Monarch mit dem grauen Rauschebart und den auffälligen Gewändern, der seit rund 30 Jahren die Fuggerstadt „regiert“. Der König, geboren 1953 in Saulgau, beschloss Anfang der 1990er Jahre, seine berufliche Karriere an den Nagel zu hängen und sich voll und ganz seinen sich selbst auferlegten royalen Pflichten zu widmen. Vor allem im Sommer kann man ihn häufig auf dem Rathausplatz oder in der Jakobervorstadt antreffen.

L wie Lummerland

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer werden den meisten von euch geläufig sein. Doch die wenigsten dürften wissen, dass einige Berühmtheiten der Augsburger Puppenkiste sogar auf dem Stadtplan zu finden sind. Der Stadtrat beschloss im Juli 2020, die Straßen im Neubaugebiet westlich der Wernhüterstraße in Lechhausen nach Figuren und Orten des bekannten Marionettentheaters zu benennen. Somit können bald Menschen in der Jim-Knopf-Straße, in der Lummerlandstraße oder im Mikeschweg wohnen.

M wie Metropole

„Das Beste an Augsburg ist der Zug nach München“, soll Bertolt Brecht angeblich über Augsburg – oder auch „Greater Munich“ – gesagt haben. Als Redaktion von Hallo Augsburg können wir das natürlicherweise nicht bestätigen, schließlich gilt Augsburg seit 2016 laut Bayerischer Staatsregierung sogar offiziell als Metropole. Wir haben zwar keine U-Bahn, lediglich einen Provinzflugplatz und nicht einmal eine halbe Million EinwohnerInnen, dafür ist es aber angenehm beschaulich und man kommt notfalls auch schnell zu Fuß von A nach B. Ist doch auch nicht so schlecht, oder?

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