UNESCO – 22 Gründe, warum Augsburg Weltkulturerbe ist

Wir sind Weltkulturerbe! Aber was genau denn jetzt eigentlich? Wir haben für Dich die 22 Gründe, die Augsburg zum UNESCO machen.

UNESCO – 22 Gründe, warum Augsburg Weltkulturerbe ist

Was ist denn nun Weltkulturerbe in Augsburg?

Dass wir seit einigen Wochen Weltkulturerbe sind, dürfte mittlerweile niemandem mehr entgangen sein. Dass wir damit als kleine, bayrisch-schwäbische Stadt Teil von rund 1.100 Stätten wie der Chinesischen Mauer, dem Great Barrier Reef und dem Taj Mahal sind, ist den meisten sicher auch bewusst. Doch weißt Du eigentlich, was genau jetzt in Augsburg Weltkulturerbe ist?

22 Elemente gehören zu dem frisch ausgezeichneten, historisch einmaligen Wassermanagement-System. Techniken, Industriearchäologien, Architektur und bildenden Künste, die bis ins 13. Jahrhundert zurück reichen, gehören dazu. Damit Du in Zukunft punkten kannst, wenn Dich jemand etwas zur UNESCO-Auszeichnung Deiner liebsten Fuggerstadt frägt, geben wir Dir einen Überblick über die Elemente. Los geht’s.

1 & 2: Wasserläufe und Kanäle

Die ersten beiden Gründe liefern die Augsburger Kanäle. Der Lechkanal, zu dem der Vordere, Mittlere und Hintere Lech sowie der Stadtgraben und -bach und der Brunnenmeisterbach zählen sind Bestandteil der nominierten Elemente. Die Wasserläufe fließen teilweise seit Jahrhunderten unverändert durch unsere Stadt und werden seit 1276 erhalten und gepflegt. Der wichtigste Kanal ist jedoch sicherlich der Eiskanal, denn der ist nicht nur bei sommerlichen Temperaturen ein populärer Treffpunkt, sondern beinhaltet eine künstlich angelegte Kanustrecke. 1972 für die Olympischen Sommerspiele angelegt, ist sie noch heute im Originalzustand erhalten. Im kommenden Jahr wird die Sportstätte renoviert und pünktlich zur WM im Jahr 2022 wiedereröffnet.

3 – 6: Die Augsburger Trinkwasserwerke

Die Wasserversorgung der Fuggerstadt wird bereits seit hunderten Jahren mithilfe ausgeklügelter Systeme gesichert. Vier Trinkwasserwerke sorgen für ausreichend Frischwasser und gehören mit ihren historischen Bauwerken zum Weltkulturerbe. Das Erste steht im Herzen der Stadt: am Roten Tor. Als ältestes bestehendes Wasserwerk Mitteleuropas existiert es seit 1416, das Pumpsystem fand in ganz Europa Nachahmer. Mit inbegriffen ist auch das Aquädukt, das Du sicher schon einmal von der Freilichtbühne aus gesehen hast.

Ein weiteres Werk steht am Liliom und versorgt unter anderem das Domviertel mit Wasser. Das Untere Brunnenwerk wurde nur wenige Jahrzehnte nach dem Wasserwerk am Roten Tor erbaut. Unweit davon, gegenüber der Citygalerie, findest Du das dritte Bauwerk mit seinem bekannten hölzernen Wasserrad: das Brunnenwerk am Vogeltor.

Das bekannteste Trinkwasserwerk befindet sich am Lech, genauer gesagt am Hochablass. Die Inbetriebnahme Ende des 19. Jahrhunderts bedeutet gleichermaßen den Beginn der modernen Wasserversorgung in Augsburg, denn es ist das erste Werk, das Wassertürme durch Druckkessel ersetzte und so weltweit neue Standards setzte. Dem Technikmuseum und Trinkwasserinformationszentrum kannst Du jederzeit einen Besuch abstatten.

7 & 8: Bedeutungsvolle Wasserbauwerke

Hochablass – der Ursprung aller Kanäle.

Weiter geht es mit dem siebten und dem achten Element. Nicht nur das Wasserwerk, sondern auch der Hochablass selbst gehört zum Erbe. Er bildet den Ursprung aller Kanäle und den damit verbundenen Wasserreichtum der Stadt. Die Existenz erster Wehre ist schon 1346 schriftlich belegt. Im angrenzenden Stadtwald, inmitten des Naturschutz- und Trinkwasserschutzgebietes, liegt der Galgenablass. Er zeugt als wichtigste Wasserkreuzung im Siebentischwald vom früh entstandenen Bewusstsein für die Trennung von Trink- und Brauchwasser.

9 – 11: Die Prachtbrunnen der Innenstadt

…Cocktail schlürfen neben einem Weltkulturerbe.

Jeder kennt sie: die Augsburger Prachtbrunnen. Sei es als Fotomotiv oder vom Cocktail schlürfen auf den Stufen im Sommer – Augustus-, Herkules- und Merkurbrunnen sind fester Bestandteil der Innenstadt. All drei werden bereits im 16. Jahrhundert errichtet und haben populäre, historische Namensgeber.

Der Augustusbrunnen ist dem Stadtgründer und Herrscher Augustus gewidmet und ist am Rathausplatz zu finden. Der Merkurbrunnen am Moritzplatz wendet sich dem römischen Gott des Handels zu und erinnert so an Augsburgs historische Bedeutung als Handelsmetropole. In der Maximilianstraße findest Du den Herkulesbrunnen. Der Brunnen zeigt den griechischen Helden Herkules als Bezwinger des Wassers in Form der Wasserschlange Hydra. Er fungiert als Sinnbild der hydrologischen Errungenschaften.

12: Die Stadtmetzg von Elias Holl

Weniger bekannt ist wohl die Stadtmetzg – die noch dazu schlicht und einfach ein Gebäude ist. Was hat das Ganze also mit Wasser zu tun? Wie der Name schon fast verrät, handelt es sich um die ehemalige Stadtmetzgerei. Das Besondere: die innovative Verwendung des Wassers. Der Vordere Lech wurde durch die Stadtmetzg geleitet, um darin das Fleisch zu kühlen und die Abfälle zu entsorgen. Nicht allzu schlecht für ein 1609 vom Renaissancearchiten Elias Holl errichtetes Gebäude.

13 – 22: Die Kraftwerke

Die nächsten 10 Gründe sind vielleicht weniger spannend und abwechslungsreich, dafür aber nicht weniger relevant und ansehnlich. Insgesamt 10 Kraftwerke sind im gesamten Augsburger Stadtgebiet verteilt. Allesamt werden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, da es damals zu einem rasant ansteigenden Energiebedarf der Augsburger Industrie kommt. Ein Teil der Kraftwerke gehört zur LEW, weitere Teile werden für die Stromversorgung der Straßenbahnen und diverse andere Industrien genutzt. Alle tragen ihren Anteil zu einer grüneren Stromversorgung der Fuggerstadt bei. Für alle Detailverliebten zählen wir hier jetzt noch die UNESCO-Kraftwerke auf:

  • Kraftwerk am Fabrik- und Wertachkanal

  • Kraftwerk an der Singold und der Wolfzahnau

  • Kraftwerk am Stadt-, Proviant- und Senkelbach

  • Kraftwerk Gersthofen, Langweid und Meitingen

Fun Fact: Augsburg hat über 530 Brücken. Gar nicht mal so wenig, oder? Zumindest mehr, als in Venedig. Zum Erbe zählen sie trotzdem nicht.

Wenn Du also demnächst im Eiskanal baden gehst, bewegst Du Dich in UNESCO-Welterbe-Gewässern. Irgendwie witzig und spannend und es wird sicher noch interessant, was der Status des Weltkulturerbes in Zukunft für die Stadt Augsburg birgt.

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