Energiekrise: Müssen die Universitäten schließen?

Ungewisse Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – das mussten wir in den beiden letzten Jahren immer wieder erfahren. Auch aktuell befinden wir uns im Krisenzustand. Aber welche Auswirkungen hat das auf die Universitäten?

Energiekrise: Müssen die Universitäten schließen?

Trotz vielfacher Widersprüche und beruhigender Worte kursiert das Gerücht eines weiteren Online-Wintersemesters weiterhin hartnäckig unter den Studenten. Viele bangen, dass es aufgrund der Energiekrise wieder zu solch einem kommen könnte. Doch ist diese Sorge berechtigt? Wir haben für euch nachgeforscht.

Die Sorge der Studierenden

Das Hochschulwesen musste bereits während der Corona-Pandemie dramatische Änderungen erfahren. Im Rahmen des Lockdowns wurden die Universitäten geschlossen und konnten lange Zeit nicht mehr öffnen. Viele der Student:innen fürchten auch jetzt wieder eine Schließung, da sich nun zu Corona auch noch die Energiekrise gesellt hat und die fortgeschrittene Digitalisierung eine solche Umstellung heutzutage erleichtert. Während Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg, Zuversicht vermitteln möchte und sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung mit den Worten „Wir haben uns festgelegt, ein Präsenzsemester zu machen. Und weder Corona noch die Energiefrage halten uns davon ab, ein Präsenzsemester zu machen“ äußert, ist sich Manuela Rutsatz, Leiterin der Stabstelle Kommunikation & Marketing, da nicht ganz so sicher. Zwar stimmt sie zu, dass seitens der Universität von einem vollständigen Präsenzsemester ausgegangen werde und Überlegungen für Online-Perioden aktuell auch nicht im Raum stünden, dennoch weist sie im gleichen Atemzug darauf hin, dass die Erfahrungen mit Corona gezeigt hätten, wie schnell Situationen sich ändern könnten. „Aber wie gesagt, Priorität Nummer Eins hat das Präsenzsemester“, betont sie trotzdem. Auf die Frage, ob ein Online-Semester energiespartechnisch so viel bringen würde, schüttelt sie nur den Kopf. „Aus unserer Sicht ist das keineswegs erwiesen“, erklärt sie. Stattdessen müsste die Energie dann im privaten Bereich aufgebracht werden, was lediglich zu einer Verschiebung der Kosten führen würde. Dies sei ein weiterer Grund, weshalb die Uni für ein Präsenzsemester plädiere.

Heizungen runter, Lichter aus, Fenster zu

Doch auch dieses Wintersemester wird nicht wie gewohnt, sondern nur unter strengen Auflagen stattfinden können. Die Heizungen aller Gebäude werden auf eine Zimmerwärme von 19 Grad herunterreguliert, Elektrische Heizlüfter und Kleinklimageräte sind ein No-Go und die Lichter, obgleich die Universität mittlerweile ausschließlich energiesparende Leuchtmittel einsetzt, bleiben wenn möglich aus. Auch die Student:innen und Mitarbeiter:innen sollen nochmals intensiver als in der Vergangenheit für alle Maßnahmen des Energiesparens sensibilisiert werden. Hierfür stehen einige Tipps auf der Homepage, beispielsweise elektronische Geräte bei Nicht-Gebrauch abzuschalten, die Treppen, statt den Aufzügen zu benutzen, sowie der Hinweis nur das Nötigste auszudrucken. Zudem werden die Gebäude in der Winterpause für zwei Wochen geschlossen, um durch weitere Herunterregulierung noch mehr Heizkosten zu sparen.

Langfristige Energiemaßnahmen geplant

Im Moment steht die Aufgabe des Energiesparens überall an erster Stelle, dennoch sei die Ressourcenschonung nicht erst seit diesem Winter Thema an der Universität Augsburg, betont Manuela Rutsatz. Neben den aktuell sensibilisierten Maßnahmen in allen Bereichen, soll es zudem auch zu langfristigen Änderungen kommen. Hier ist zum einen der erhöhte Einsatz von Photovoltaikanlagen geplant. Außerdem würde die Universität gerne ihr Gebäude energietechnisch sanieren lassen.

Offene Fragen bei Präsenzsemester an der Universität Augsburg

Mit einem übermäßigen Ansturm an Studenten, die in den kalten Monaten Energiesparen wollen, rechnet die Universität im Moment nicht. „Wir gehen von einem „normalen“ Semester aus in dem die Studierenden sowieso sehr viel Zeit auf dem Campus verbringen“, sagt Rutsatz. Dennoch bleiben einige Fragen noch offen, beispielsweise wer die Mehrkosten an Energieübernehmen soll. Laut aktuellem Stand müssen die Universitäten diese selbst stemmen.

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