Infiziert zur Prüfung? Keine Nachholtermine an der Uni Augsburg

Für die Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der Uni Augsburg soll es trotz der vierten Corona-Welle keine Nachholprüfungen geben. Die Fachschaft wirft vor, dass sich Studierende deswegen infiziert in die Prüfung setzen.

Infiziert zur Prüfung? Keine Nachholtermine an der Uni Augsburg

Trotz vierter Corona-Welle durch die Omikron-Variante soll es an der Uni Augsburg keine Nachholprüfungen geben. Vonseiten der Fachschaft hagelt es Kritik. „Ich kenne jetzt schon zwei Leute, die aktuell positive Schnelltests haben und trotzdem nächste Woche in die Klausuren gehen wollen“, liest Pauline Haber aus einer Chatgruppe gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) vor. Ein weiterer Studierender schreibe: „Dann testen sich halt viele nicht mehr vor den Prüfungen.“

Pauline gehört zur Fachschaft der Wirtschaftswissenschaften und fühlt sich von ihrer Uni im Stich gelassen. „Wir sind einfach enttäuscht und sauer“, heißt es im Interview mit dem BR. Sie findet das Verhalten mancher User in der Chatgruppe nicht richtig, verstehen kann sie es aber. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften bietet als einzige keine Nachhol-Termine für Prüfungen an. Viele würden so an der Teilnahme trotz Infektion mit Corona nicht verzichten wollen.

Doppelte Anzahl an Prüfungen im nächsten Semester

„Das ist ein Witz.“

Ein anderer schreibe in der Chatgruppe, dass er aus Angst, die Prüfung wegen einer Infektion zu verpassen, nicht mehr rausgehen wolle. Die monatelange Vorbereitung solle schließlich nicht umsonst gewesen sein. Ein Student der Uni Augsburg sagt gegenüber dem BR: „Es ist unverantwortlich, dass es keine Nachhol-Termine gibt.“ Er erklärt, dass man im nächsten Semester die doppelte Anzahl an Prüfungen habe, wenn man wegen einer Infektion nicht teilnehmen kann. Das wären zwölf statt sechs. „Das schafft meiner Meinung nach niemand.“

Selbstdisziplin statt Vorlesungen im Hörsaal

Das Studium zu verlängern, wäre ein Weg, den zwölf Prüfungen in einem Semester zu entgehen. Problematisch ist jedoch, dass manche Studierende sich das nicht leisten können. Durch die Pandemie fallen viele Studentenjobs, wie das Arbeiten in der Gastronomie, weg. Dazu kommt, dass auch in diesem Semester kaum Präsenzvorlesungen stattgefunden haben. Statt Studentenleben auf dem Campus heißt es, alleine im WG-Zimmer zu lernen. Das macht die Situation nicht leichter.

Das sagt die Uni Augsburg zu den Vorwürfen

Der Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Prof. Wolfgang Schultze äußerte sich schriftlich zu den Vorwürfen. „In jedem Semester erscheinen im Durchschnitt circa 25 Prozent der Studierenden nicht zu den angemeldeten Prüfungen“, heißt es in dem Artikel von BR. Zudem verweist er auf die aufwändige Organisation der Prüfungen, weswegen auf einen Nachhol-Termin verzichtet wurde. Andere Fakultäten haben, trotz Mehraufwand, Nachholprüfungen organisiert.

Auf unsere Nachfrage hin heißt es seitens der Universität Augsburg: „Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät bietet natürlich Nachholprüfungen an, in diesem Semester wie in den vergangenen Semestern auch. Es gab einen Dissenz dazu, wann diese Nachholprüfungen abgelegt werden können.“ Studierende der Fachschaft sowie die Fakultät haben eine Einigung gefunden, heißt es. Auf der Website der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist nun nachzulesen, dass es zum nächsten Klausurentermin im Sommersemester 2022 „zusätzliche Angebote zur Wiederholung von Klausuren“ geben wird. Diese Regelung löst also keineswegs das Problem der Klausurendichte im nächsten Semester.

Eine vorherige Wiederholung der Prüfungen des aktuellen Wintersemesters sei „aus organisatorischen Gründen in der Kürze der Zeit leider nicht zu bewerkstelligen“. Zudem räumt die Fakultät ein: „Sollte es außergewönlich hohe Abwesenheiten insbesondere bei Großprüfungen geben“ werden „Wiederholungsmöglichkeiten noch in diesem Semester“ geschaffen.

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