Ungewöhnliche Berufe: Im Gespräch mit einem physischen Schauspieler

Physisches Schauspiel? Was heißt das eigentlich? Erklärungen liefert uns Hannes Achim Langanky. Er ist selbstständiger physischer Schauspieler und arbeitet unter anderem für das freie Theater Eukitea in Diedorf bei Augsburg.

Ungewöhnliche Berufe: Im Gespräch mit einem physischen Schauspieler

Um seinen Traum, Schauspieler zu werden, zu verwirklichen, hat Hannes Achim Langanky physisches Schauspiel studiert. Heute ist er in verschiedenen Theaterprojekten involviert und hat sogar seine eigene Kompanie gegründet. Mit seinen Kollegen vom Theater Eukitea tritt er regelmäßig in Schulen auf. In ihren Theaterstücken thematisieren sie Mobbing, Mobilität oder Integration. Aber wie genau ist es, physischer Schauspieler zu sein? Wir haben nachgefragt.

Was macht ein physischer Schauspieler?

Ein physischer Schauspieler ist ein Schauspieler, der sich auch bewegen kann. Das heißt, er integriert in sein Schauspiel Elemente wie Akrobatik, Pantomime und Ähnliches und ist dadurch vielseitiger. In meiner Ausbildung habe ich aber beispielsweise auch gelernt, wie man Regie führt.

Salti, Handstände und Flugrollen sind Teil der Ausbildung.

Die meisten physischen Schauspieler sind im Theater zu Hause. Aber es gibt auch Kollegen im Film. Zum Beispiel ist der Schauspieler von Gollum oder King Kong physischer Schauspieler.

Wie kam es, dass du physischer Schauspieler geworden bist?

Es hat mit dem klassischen Schauspiel angefangen. Damals in der 8. Klasse hatte ein Lehrer von uns beschlossen, uns „Der Besuch der alten Dame“ spielen zu lassen. Das war das erste Mal, dass ich Theater gespielt habe. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich noch in demselben Jahr, mit 14 Jahren, beschlossen habe: Ich will Schauspieler werden. Ich bin in mehrere Theater-AGs eingetreten und schließlich bei „TheaterTotal“ in Bochum gelandet, wo ich auch zum physischen Schauspiel gefunden habe. Danach bin ich in die Schweiz gegangen, um „Physical Theatre“ zu studieren.

Was ist das Erste, das du an einem Arbeitstag tust?

Als allererstes wärme ich mich auf. Und zwar nicht nur den Körper, sondern auch die Stimme. Das sieht dann immer etwas komisch aus, aber ist sehr wichtig.

Was macht deinen Beruf für dich so spannend?

Generell am Schauspiel ist das Spannende, dass man nicht den Eindruck hat, einen festen Beruf zu haben. Ich fühle mich ständig in neue Rollen ein. Dadurch lerne ich viele verschiedene Facetten des Mensch-Seins kennen. Im Grunde ist es eine endlose Recherche nach möglichen Lebenswegen. Das ist sehr faszinierend.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten brauchst du in deinem Beruf?

Man sollte eine gewisse Lockerheit mitbringen und flexibel auf Situationen reagieren können. Das ist am Theater sehr wichtig, weil sozusagen „vor laufender Kamera“ ständig Unvorhergesehenes passiert. Als physischer Schauspieler braucht man Lust auf Bewegung und die Fähigkeit sich Choreografien schnell einzuprägen. Oft geht es am Ende nicht darum, der beste Tänzer zu sein, sondern sich Choreografien schnell merken zu können.

Die lustigste Situation während deinem Job?

Im Schauspiel passiert, wie gesagt, viel Unvorhergesehenes. Eine krasse Situation ist einem Freund von mir während einem Stück passiert, in dem ich auch mitgespielt habe. Wir hatten einen Vorhang an einer Holzlatte befestigt und 5 Meter hoch aufgehängt.

Einen Schauspieler darf so leicht nichts aus der Ruhe bringen.

Durch diesen Vorhang musste er durch, nur leider war die Latte nicht richtig fest und hat sich an einer Seite gelöst. Kurz bevor mein Freund durch den Vorhang laufen wollte, sauste die Latte genau vor seiner Nase nach unten. Es sah unglaublich aus, wie die Latte durchgeschwungen ist, er einen Schritt nach vorne gemacht hat und aufgetreten ist, als sei nichts gewesen.

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