Ungewöhnliche Berufe: Im Gespräch mit einem Brauer und Mälzer

Heute geht es um das Lieblingsgetränk der Bayern: Wir haben einen jungen Brauer und Mälzer getroffen, der uns von seinem traditionsreichen Job erzählt. Lukas Kessel ist Geselle in der Brauerei Schimpfle in Gessertshausen.

Ungewöhnliche Berufe: Im Gespräch mit einem Brauer und Mälzer

Den ganzen Tag lang Bier verkosten. So muss der Arbeitsalltag eines Brauers wohl aussehen, oder? Wir haben den Brauer und Mälzer Lukas Kessel getroffen und uns mal erklären lassen, wie sein Arbeitsalltag wirklich aussieht. Lukas ist 21 und hat seine 3-jährige Ausbildung diesen Sommer abgeschlossen. Nun arbeitet er weiter als Brauer und Mälzer-Geselle in der Brauerei Schimpfle in Gessertshausen bei Augsburg.

Was macht ein Brauer und Mälzer?

Kurz gesagt: Brauer brauen Bier. Dabei haben sie unter anderem mit Physik, Chemie und Biologie zu tun. Ein Brauer und Mälzer hat den ganzen Herstellungsprozess des Bieres im Blick. Er weiß, wie er die einzelnen Naturprodukte, aus denen das Bier hergestellt wird, aktiv beeinflussen muss, sodass am Ende ein gutes Produkt herauskommt.

Wie kam es, dass du Brauer und Mälzer geworden bist?

Nach dem Abitur hatte ich erst den Plan Schauspiel und Musical zu studieren. Das war mir aber am Ende dann doch zu risikoreich. Die Idee Brauer zu werden entstand, als ich an einem Abend mit meinen Eltern zusammen überlegt habe, was ich nun werden könnte. Da ist mir wieder eingefallen, dass mein Vater früher immer wollte, dass meine Schwester einen Winzer heiratet, damit er immer guten Wein bekommt. Also habe ich meinen Vater halb im Spaß, halb im Ernst gefragt, was er davon hält, wenn ich Bier braue. Wir haben alle gelacht. Aber das Thema habe ich trotzdem weiterverfolgt. Schließlich habe ich mich beworben und wurde genommen.

Was ist das Erste, das du an einem Arbeitstag tust?

Ich ziehe mir Arbeitsklamotten an. Das sind unter anderem eine Latzhose und Gummistiefel. Manchmal ziehe ich zusätzlich lange Unterwäsche an, weil es im Gärkeller unter einem Grad kalt ist. Dann hole ich noch meine Handschuhe und meinen Hakenschlüssel.

Bei den niedrigen Temperaturen im Gärkeller heißt es warm anziehen.

Der Hakenschlüssel ist mein wichtigstes Werkzeug. Damit kann ich Schläuche lösen und anschließen. Wenn ich ausgerüstet bin, überprüfe ich immer, wie weit das Bier ist. Das heißt, ich sehe nach, weit die Hefe schon gearbeitet hat zum Beispiel. Das entscheidet dann darüber, was als Nächstes zu tun ist.

Was findest du an deinem Beruf so spannend?

Die Zutaten von Bier sind Naturprodukte. Das heißt, sie sind nicht immer gleich. Das führt dazu, dass auch der Bierbrauprozess nie gleich ist. Dadurch muss ich als Brauer immer flexibel auf die einzelnen Rohstoffe reagieren und das Rezept anpassen. Das ist eine Herausforderung, die mir Spaß macht. Außerdem mag ich, dass ich am Ende des Tages ein fertiges Produkt in den Händen halte.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten brauchst du bei deiner Arbeit?

Als Brauer darf man sich nicht zu schnell stressen lassen und sollte körperlich fit sein. In unserer Brauerei wird noch viel per Hand gemacht, was in größeren Brauereien automatisiert ist. Wir setzen auf ein handwerkliches Brauverfahren – die offene Bottichgärung – bei der das Bier sieben Tage lang in offenen Bottichen gärt und unedle Gerbstoffe zweimal am Tag per Hand abgeschöpft werden. Dies ist zwar zeit- und kostenintensiv, zahlt sich am Schluss aber aus. Unser Bier erhält dadurch nämlich seinen würzig-milden Charakter. Alles in allem ist daher schon auch mal Ausdauer gefragt. Dass man Bier mag, ist auch von Vorteil. Aber für den Beruf trotzdem kein Muss.

Die lustigste Situation während deinem Job?

Lustig ist es bei uns immer wieder mal. Mit meinen Kollegen zusammen kommt es oft zu witzigen Situationen.

„Die leeren Tanks haben übrigens eine überragende Akustik. Da drin kann wirklich jeder singen.“

Wenn wir zwischendrin mal herumalbern, geht die ein oder andere eintönige Reinigungsarbeit gleich viel leichter von der Hand.

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