Plant for the Planet: Der Gründer im Gespräch

Felix Finkbeiner ist ein ehemaliger Gersthofener Schüler und kämpft mit seinem „Plant-for-the-Planet“ Projekt für den Umweltschutz.

Plant for the Planet: Der Gründer im Gespräch

Mit 9 Jahren begann seine Karriere als Umweltschützer mit einem einfachen Schulreferat zur Klimakrise. Inzwischen ist der ehemalige Augsburger 20 und konnte mit seinem Projekt über 15 Milliarden Bäume pflanzen. Nicht umsonst wurde ihm also kürzlich das Bundesverdienstkreuz verliehen. Wir haben uns mit ihm zum Interview getroffen.

Wie waren deine Anfänge im Kampf für den Umweltschutz?

Alles ging mit einem Referat zur Klimakrise los. Bei der Vorbereitung habe ich „Al Gores“ Film „Eine unbequeme Wahrheit“ gesehen. Außerdem habe ich von „Wangari Maathai“ gehört. Sie hat in ihrer Heimat gemeinsam mit vielen anderen in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt. Da hatte ich die Idee, dass wir Kinder und Jugendliche das auch können. Ich wollte in jedem Land der Welt eine Million neue Bäume. Mir war das damals wichtig, weil der Eisbär mein Lieblingstier war und ich ihn retten wollte. Der Titel des Referats lautete also: „Das Ende des Eisbären“. Kurz danach habe ich verstanden, dass es nicht nur um den Eisbären geht. Es geht um unsere Zukunft. Wir werden die Probleme ausbaden.

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Wie ging es nach dem Referat weiter?

Ich habe meinen Mitschülern vorgeschlagen, dass wir selbst Bäume pflanzen könnten. Viele fanden das gut und zwei Monate später haben wir an unserer Schule den ersten Baum gepflanzt. Es gab schon damals erste Journalisten, die auf uns aufmerksam wurden und berichteten. Dann haben noch zwei andere Schulen mitgemacht. Ich bin auch aktiv auf Schulen zugegangen, habe dort Vorträge gehalten und alle eingeladen, mitzupflanzen. So hat sich das langsam entwickelt. Ein älterer Mitschüler hat eine recht einfache Website gebastelt. Das war im Endeffekt ein Ranking der Schulen, wer am meisten Bäume gepflanzt hat. Durch diesen Wettbewerbsgedanken hat sich das Ganze relativ schnell verbreitet.

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Wann wurde dein Vorhaben so richtig groß?

Nach dem ersten Jahr hatten wir schon um die 50.000 Bäume gepflanzt und nach drei Jahren unser Ziel der Million geknackt. Das ging natürlich so schnell, weil wir als 9, 10 oder 11-Jährige eine enorme Medienaufmerksamkeit hatten. Kurz danach haben wir in anderen Ländern ebenfalls das Ziel erreicht, weil sich immer mehr angeschlossen haben. Wir fragten uns, wie viele Bäume es überhaupt auf der Welt gibt und wie viele wir pflanzen können. Nach langer Suche haben wir Wissenschaftler an der Yale Universität in den USA gefunden, die bereit waren ein dreijähriges Forschungsprojekt durchzuführen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass wir weltweit 3.000 Milliarden Bäume haben. Also ungefähr 450 Bäume für jeden Menschen auf der Welt. Trotzdem sind das leider nur halb so viele Bäume wie es sie schon mal auf der Welt gab. Wir haben also schon die Hälfte des weltweiten Waldbestandes zerstört.

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Gibt es überhaupt noch Hoffnung?

Die positive Nachricht ist, dass wir weltweit noch ungefähr 600 Milliarden zusätzliche Bäume pflanzen können. Dafür muss man natürlich deutlich mehr anpflanzen und deswegen ist unser Ziel auf der Welt 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen: Die trillion trees. Das ist unsere Vision für die Welt. Unsere Vision die Welt zu überzeugen. Wenn wir es schaffen diese Bäume zu pflanzen, würden sie ungefähr ein Viertel des weltweit menschgemachten CO2-Ausstoßes aufnehmen. Das würde also die Klimakrise nicht lösen, aber einen wichtigen Beitrag leisten. Die Bäume bringen aber auch Vorteile für die Diversität, das Wasser und die Landwirtschaft.

Was macht dich zurückblickend am meisten stolz?

Ich glaube das Wertvollste sind die unglaublich vielen Kinder und Jugendlichen, die sich engagieren. Wir organisieren weltweit Ein-Tages-Workshops mit rund 80 Teilnehmern, 10- bis 14-Jährige, die an dem Tag lernen was die Klimakrise ist und wieso es so wichtig ist Bäume zu pflanzen. Am Ende dieses Tages werden sie unsere Botschafter, halten Vorträge an ihren Schulen und pflanzen dort Bäume. Wir haben weltweit schon über tausend dieser Workshops in 67 Ländern organisiert und dort 70.000 Kinder und Jugendliche ausgebildet. Nur durch all die Teilnehmer konnten wir so viel erreichen. Ganz egal welche Jobs sie später machen. Das was sie bei uns gelernt haben, werden sie im Hinterkopf behalten und sich gegen die Klimakrise einsetzen.

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Du hast das Bundesverdienstkreuz erhalten. Was bedeutet dir das?

Es ist eine große Ehre. Schöner wäre es aber, wenn die Bundesregierung selbst Bäume pflanzen würde, wie wir es gefordert hatten. 2007 bis 2009 hatten wir Merkel als die Klimakanzlerin gefeiert, aber sie hat in den letzten Zehn Jahren nur ganz wenig geliefert. Deutschland könnte ein Vorreiter sein. Dann hätte kein anderes Land eine Ausrede. Wenn aber nicht mal wir etwas tun, wird sich auch kein anderes Land trauen. In Deutschland ist vor allem die Autoindustrie problematisch. Immer wieder wenn die EU versucht stärkere Umweltgesetze zu verabschieden, bremst die deutsche Bundesregierung. Deutschland hat angekündigt, dass wir unser Klimaziel 2020 nicht erreichen werden. Wenn die USA oder Deutschland ihr Ziel nicht erreichen, dann kann man es ja kaum von anderen Ländern erwarten. Wir tun deutlich zu wenig um die Klimaziele zu lösen. Die Bäume geben uns ein bisschen mehr Zeit. Auch wenn das alles sehr schade ist, ist das Bundesverdienstkreuz insgesamt ein Ansporn weiter zu machen.

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Was würdest du Donald Trump gerne sagen?

Die USA haben angekündigt, dass sie aus dem Pariser Klimaabkommen austreten werden. Der wichtigste Klimavertrag, den wir haben. Ich glaube nicht, dass ich den amerikanischen Präsidenten überzeugen könnte. Das haben viele intelligente Menschen versucht. Grundsätzlich vielleicht mal zu dem größeren Thema der Klimaskeptiker: Das ist ja in Deutschland Gott sei Dank ein relativ kleines Problem, aber in manchen Ländern wie den USA ein sehr Großes. Es gab eine Studie, die alle anderen Klima Studien der Welt angeguckt hat. Sie ist zu dem Schluss gekommen, dass 97,1% aller Klimawissenschaftler sich einig sind, dass es die Klimakrise gibt und der Mensch daran Schuld ist. Jetzt vor einem Jahr gab es eine Studie, die sich die restlichen 2,9% angesehen hat. Dabei kam heraus, dass alle diese Studien große Probleme in ihrer Methodik hatten. Wissenschaftlich ist es also eine klare Sache.

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Wie können die Leser zuhause dein Projekt unterstützen?

Leute zwischen 10 und 14 kommen am besten zu unserem nächsten Workshop in Augsburg und werden Botschafter für Klimagerechtigkeit. Wer älter ist, kann selbst Bäume pflanzen oder wenn man das nicht kann, hat man die Möglichkeit auf unserer Website zu spenden. Dann pflanzen wir für einen Euro einen Baum in Mexiko. Dort haben wir 78 Mitarbeiter, die im Jahr 2 Millionen Bäume pflanzen. Das Ganze auf einer Fläche, die halb so groß ist wie der Gazastreifen. Sonst gibt es noch die „gute Schokolade“. Die meistverkaufte CO2 neutrale, Fairtrade Schokolade Deutschlands. Mit 5 verkauften Tafeln können wir einen Baum pflanzen.

Was sind Tipps wie man im Alltag auf ganz einfache Weise etwas gutes für die Umwelt tun kann?

Man kann natürlich weniger Autofahren, aber das weiß inzwischen wahrscheinlich jeder. Das mit Abstand leichteste, was man machen kann, um CO2 zu sparen, ist weniger Fleisch zu essen. Man muss nicht gleich Vegetarier oder Veganer werden, aber wenn man seinen Konsum reduziert, hilft das schon unglaublich viel. Daumenregel: Einen Tag in der Woche kein Fleisch essen, ist ungefähr so wertvoll wie einen Tag in der Woche kein Auto zu fahren. Auf Fleisch zu verzichten ist für viele auch deutlich einfacher als auf das Auto zu verzichten.

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Wir finden es wichtig, dass es Menschen wie Felix gibt. Mit seinem Engagement steht er für den Umweltschutz ein und bewegt seine Mitmenschen aktiv zu werden. Danke dafür und weiter so!

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