Corona-Impfung und Periode: Auswertung der Umfrage

Wir haben euch Augsburgerinnen gefragt, ob ihr – wie manche von uns – nach der zweiten Biontech-Impfung eine verfrühte und stärkere Periode hattet als üblich. Was ihr uns berichtet habt und wie weit die Forschung ist, erfahrt ihr jetzt.

Corona-Impfung und Periode: Auswertung der Umfrage

Über die Periode redet man ja im Allgemeinen nicht so häufig, doch es hat sich mal wieder gezeigt: Es lohnt sich! Denn immerhin konnten wir nur so herausfinden, dass es wohl an der Impfung lag, dass unsere Periode diesen Monat so anders war als sonst. Aber ist wirklich die Impfung schuld?

Wir wollten es wissen: Reiner Zufall?

Um mehr Sicherheit zu bekommen, ob unsere Beobachtungen bloßer Zufall sind, haben wir euch gebeten uns Rückmeldung zu eurer Periode nach der zweiten Biontech-Impfung zu geben. Dieser Aufforderung sind viele von euch nachgekommen, wofür wir uns herzlich bei euch allen bedanken. Eure Erfahrungen decken sich in einigen Fällen mit unseren, manchmal waren es aber andere Veränderungen, die bei eurer Periode auftraten. Doch eines vorweg: Unsere Instagram-Umfrage hat ergeben, dass nur 29 Prozent, der an der Abstimmung teilgenommenen Personen, eine verfrühte oder verstärkte Periode hatten. Die große Mehrheit hat also keine Unregelmäßigkeit beobachtet.

Das sind eure Erfahrungen

Einige von euch sind erst durch unsere Umfrage auf die Idee gekommen, dass die Impfung etwas mit der ungewöhnlichen Intensität oder dem Zeitpunkt der Periode zusammenhängen könnte.

Von den zehn Frauen, die Veränderungen ihrer Periode nach der Impfung feststellen konnten und uns davon berichtet haben, kam die Blutung in drei Fällen zu früh (zwischen einer Woche und 14 Tagen) sowie verstärkt. In sieben Fällen war sie lediglich verstärkt, was oft mit stärkeren Menstruationsschmerzen verbunden war.

Eine Leserin berichtete uns außerdem von zwei Zwischenblutungen im Zeitraum nach der Zweitimpfung und vor der ersten Periode. In zwei Fällen wurde der Eisprung als schmerzhaft empfunden. Auch ein verspäteter Einsatz der Blutung wurde uns zwei Mal gemeldet.

Wie kann das sein?

Dass die mRna-Impfung die Menstruation beeinflusst, ist ein Thema, das gerade immer mehr aufkommt. Besonders in den sozialen Medien tauschen sich Frauen darüber aus. Wie genau die Periode mit den Impfstoffen zusammenhängt, ist derzeit noch nicht gänzlich geklärt.

GynäkologInnen, darunter auch Gynäkologe Prof. Dr. Christian Albring, Vorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte, vermutet Stress als die Ursache der Veränderung des Menstruationszyklus. „Alles, was das Gehirn beeinflusst, kann zu Blutungen führen. Und so ist es für Frauenärzte überhaupt nichts Besonderes, dass Frauen durch Stress mit Blutungen reagieren“, erklärt er gegenüber dem SWR. Im Zusammenhang mit der Impfung habe er beobachtet, dass viele Frauen aufgeregt sind, was für ihn als Ursache ausreichen könnte.

Eine Impfung bedeutet Stress für den Körper.

Auch die Augsburger Gynäkologin Wibke Cornelius nennt „Stress“ als Ursache der Verschiebung oder der Veränderung der Periode. Damit meint sie neben dem Stress im klassischen Sinne auch den Stress, den unser Körper mit der Bekämpfung der Impfung hat: „Eine Impfung bedeutet für den Körper durchaus eine gewisse Anstrengung. Er muss schließlich auf einen neuen ‚Feind' reagieren“, sagt sie. Wenn sich der Zyklus nach der Impfung mal verschiebt, sei das demnach nichts Ungewöhnliches: „Aus gynäkologischer Sicht ist das völlig natürlich und unbedenklich und nicht als krankhaft zu werten.“

Vonseiten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) heißt es auf Anfrage der DAZ-online hin, dass nur das untersucht und beurteilt werden kann, was auch gemeldet werde. Meldungen über verstärkte Blutungen und Veränderung des Menstruationszyklus seien nur sehr vereinzelt aufgetreten und weit nicht in dem Ausmaß, als dass ein Zusammenhang untersucht werden müsse.

Müssen wir uns jetzt Sorgen machen?

Ein Zusammenhang zwischen Impfung und Periode besteht, allerdings liegt das höchstwahrscheinlich nicht am Impfstoff.

Bestimmt habt ihr auch schon feststellen können, dass euer Zyklus sich ab und an verändert. Zum Beispiel wenn ihr mit Grippe im Bett gelegen seid oder wenn ihr weit gereist seid und euer Körper sich womöglich an neue klimatische Bedingungen gewöhnen musste. Das ist normal und nichts Besorgniserregendes. Gerade weil es für viele von uns nichts Ungewöhnliches ist, dass die Periode mal anders verläuft, haben wir auch gelernt, damit gelassen umzugehen. Warum nicht auch dieses Mal? Das Paul-Ehrlich-Institut sowie die Frauenärzte sind sich jedenfalls einig, dass für das Phänomen Zyklusveränderung nicht der Impfstoff an sich die Schuld trägt.

Tatsächlich passt diese Vermutung auch zu unserem Ergebnis der Umfrage: Die meisten der Befragten hatten keine veränderte Periode und die, die eine Veränderung feststellen konnten, beobachteten Unterschiedliches: Verfrüht, verspätet, Zwischenblutung, mehr Schmerzen – die Reaktionen eures Körpers waren sehr verschieden. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Grund in etwas weniger Greifbarem als in der Beschaffenheit des Impfstoffes liegt – nämlich in unserer Psyche und der Anstrengung unseres Körpers, auf den Impfstoff angemessen zu reagieren.

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