Ukrainischer Verein: „Wir werden noch UnterstützerInnen brauchen“

Der Ukrainische Verein Augsburg ist einer der Hauptakteure in Augsburg, die sich um die Unterstützung von Geflüchteten aus der Ukraine kümmern. Was der Verein aktuell braucht und was er leistet, erfahrt ihr jetzt.

Ukrainischer Verein: „Wir werden noch UnterstützerInnen brauchen“

Wie viele geflüchtete UkrainerInnen schon in Augsburg angekommen sind, darüber hat keiner einen genauen Überblick. Doch es sind einige. Allein an den vergangenen zwei Tagen hat der Ukrainische Verein Augsburg 200 Handy-Sim-Karten an Geflüchtete herausgegeben, erzählt Tanja Hoggan-Kloubert. Sie ist im Verein aktiv und hat selbst Verwandtschaft in der Ukraine.

Im Kulturhaus Kresslesmühle hat der Verein einen Raum zur Verfügung gestellt bekommen, der nun als Zentralbüro und Begegnungsort dient. „Wir treffen uns dort mit verschiedenen Organisationen der Stadt, zum Beispiel mit dem Freiwilligenzentrum Augsburg oder mit der Caritas“, sagt Hoggan-Kloubert. Auch Geflüchtete kommen dorthin, wenn sie weitere Informationen brauchen, die sie nicht im Ankerzentrum bekommen. Von hier aus verteilte der Verein auch die kostenlosen Sim-Karten für UkrainerInnen.

Extra Sorge für „Härtefälle“

Nach wie vor fliehen hauptsächlich Frauen mit, oft jungen, Kindern. Manche von ihnen brauchen ganz besonderen Schutz und Unterstützung. „Für eine Mutter, die mit einem dreitage-alten Baby ankommt, suchen wir ganz gezielt nach einer Unterkunft“, sagt Hoggan-Kloubert. „Diese Mutter schicken wir nicht zum Ankerzentrum, vor dem sie lange Zeit in der Warteschlange stehen muss“. In solchen Fällen wende der Verein sich an Privatpersonen, die sich bereiterklärt haben, eine Wohnung zur Verfügung zu stellen, sagt sie.

Fünfstündige Wartezeiten vor dem Ankerzentrum, bei dem sich geflüchtete Menschen aus der Ukraine registrieren sollen, seien keine Seltenheit. Die Stadt hat darauf bereits reagiert und eine Online-Anmeldung eingerichtet, über die Geflüchtete einen Termin bekommen.

HelferInnen an den Grenzen ihrer Kräfte

„Wir arbeiten seit 15 Tagen im Modus der Vollbeschäftigung“, erzählt Hoggan-Kloubert. Viele der Freiwilligen haben Urlaub genommen und arbeiten von sieben Uhr früh bis neun Uhr abends im Büro des Vereins, im Lager, als ÜbersetzerInnen oder als BegleiterInnen zu Arztterminen oder zur Registrierung. „Wir merken, dass wir so langsam physisch an unsere Grenzen kommen“, sagt Hoggan-Kloubert. „Aber der Bedarf ist weiterhin groß, weshalb wir uns mit dem Freiwilligenzentrum zusammentun, um weitere Freiwillige zu finden, die uns unterstützen“. Natürlich sei es von Vorteil, wenn man Russisch oder Ukrainisch sprechen könne, sagt sie, aber es gebe auch viele Bereiche, in denen alle Sprachen der Welt gebraucht werden. „Wir werden noch viele Freiwillige brauchen und einen langen Atem haben müssen“. Dieser Krieg und die derzeitige Situation, werde sich nicht morgen ändern. „Wenn wir unterstützen wollen, müssen wir gute Strukturen aufbauen und gut zusammenarbeiten.“

Wenn ihr euch engagieren wollt, füllt das Formular für Freiwillige auf der Website des Ukrainischen Vereins Augsburg aus.

Sachspendeaktionen

Zusammen mit der Caritas und anderen Institutionen sammelt der Ukrainische Verein Sachspenden. Sowohl für die Menschen, die in Augsburg ankommen als auch für die UkrainerInnen, die im Kriegsgebiet geblieben sind. Fast jeden zweiten Tag werden Konserven, Schlafsäcke und andere Güter in die Ukraine gefahren. „Aber auch hier vor Ort merken wir, dass der Bedarf steigt“, sagt Hoggan-Kloubert. Es kommen immer mehr Geflüchtete an.

Sachspenden nimmt der Verein Lagerhalle in der Hochfeldstraße 63 in Augsburg an. Derzeit werden gesucht:

  • Medikamente, Erste-Hilfe-Sets Körperpflegeprodukte (Feuchttücher, Seife, Zahnpasta)

  • Pampers und Windeln in allen Größen

  • Schlafsäcke, Isomatten, Wärmespardecken, Bettwäsche, Handtücher

  • Elektroherde, Wasserkocher und Mikrowellen

  • Kleine Heizkörper

  • Warme Kleidung für Kinder, warme Kleidung (Pullover, Thermounterwäsche, Socken)

  • Batterien, Kerzen, Stirnlampen

  • Feuerlöscher

Lebensmittel:

  • Müsli, Energieriegel, Trockenfrüchte, Nüsse, Schokolade, Konserven

  • EPa Verpflegung

  • Babynahrung, Haltbare Milch

  • Thermoskannen für Lebensmittel, Einweggeschirr

Was die Geflüchteten am dringendsten brauchen

Nach der Ankunft brauchen die Geflüchteten vor allem seelische Fürsorge, erzählt Hoggan-Kloubert. „Sie wollen einfach umarmt werden und jemanden haben, der ihnen kurz zuhört“, sagt sie. „Diese menschliche Komponente ist unglaublich wichtig“. Viele geflüchtete Frauen haben in der Ukraine glücklich als Lehrerinnen, Sozialpädagoginnen oder Ingenieurinnen gearbeitet und seien jetzt gezwungen zu fliehen, um ihre Kinder zu schützen. Hoggan-Kloubert weiß auch, dass die viele Geflüchtete ein Gefühl der Schuld begleitet, weil sie geflohen sind und der große Wunsch da ist, möglichst schnell wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

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