Straßenbattle in Augsburg: Uber ist Konkurrenz für Taxis

Das Unternehmen Uber bietet seine Dienstleistungen nun auch in Augsburg an. Über die App oder das Internet könnt ihr ein Auto buchen und euch an ein beliebiges Ziel chauffieren lassen.

Straßenbattle in Augsburg: Uber ist Konkurrenz für Taxis

Ein Auto bestellen und sich von einem zum nächsten Ort kutschieren lassen – das kommt uns doch bekannt vor, oder? Doch woher stammt das neue Unternehmen, was macht es aus und wo liegen die Unterschiede zu den herkömmlichen Taxis? Wir haben es für euch herausgefunden.

Woher kommt Uber?

Uber ist ein US-Amerikanisches Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in San Francisco. Gegründet im Jahr 2009 begann dort ihr Geschäft mit der Vermittlung von Fahrten via Internet. Dabei stellten sie keine festen Fahrer:innen an, sondern gaben die Aufträge stattdessen an Privatleute weiter, die dann mit ihrem eigenen Auto chauffierten. Als Unternehmen mit großem Wachstumspotenzial erhielt Uber im Juni 2014 von Investoren wie Google und Goldman Sachs ein Risikokapital in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar. Auch das chinesische Internetunternehmen Baidu, der Automobilhersteller Toyota und börsennotierter Betreiber PayPal unterstützten das neu gegründete Unternehmen damals mit großen Summen. So expandierte es schnell und ist mittlerweile weltweit in zahlreichen Ländern vertreten, darunter in Indien, Brasilien, Italien und Japan. Auch in Deutschland gibt es bereits einige Standorte. Augsburg mitinbegriffen, sind es jetzt 18 Städte und Regionen innerhalb des Landes, in denen Uber tätig ist.

Vielfältiges Angebot

Seit März ist das amerikanische Unternehmen bereits mit seinem Lieferdienst für Essen, genannt „Uber Eats“, in Augsburg vertreten. Laut Augsburger Allgemeine hat es in den letzten Monaten nach Angaben des Unternehmens jedoch rund 110.000 Versuche gegeben, ein Auto per Uber zu buchen. Diese Zahl reiche offenbar aus, um auch „UberX“, also die Vermittlung von Fahrten, in der Stadt einzuführen. Außerdem könnt ihr über die Uber-App E-Bikes und E-Scooter der Marke „Lime“ leihen.

UberX – so funktioniert´s

In der App oder auf der Internetseite könnt ihr ein Auto über „UberX“ bestellen. Diese Option bietet dabei Platz für bis zu vier Personen. Anders als bei einer Taxifahrt ändert sich der gebuchte Preis nicht, unabhängig davon, ob ihr im Stau steht oder doch länger braucht. Stattdessen wird zu Beginn ein Preis gestellt, der anschließend fix bleibt. Dieser kann jedoch für eine Fahrt stark variieren, je nachdem, wann ihr das Auto braucht. Zu Stoßzeiten oder bei schlechten Wetterverhältnissen liegt dieser beispielsweise höher. Nach der Buchung wird eure Anfrage dann an lokale Mietwagenfirmen weitergeleitet, die euch einen Fahrer:in zuteilen. Ihr seht dabei sein Bild sowie Fahrzeugdetails und könnt seinen Weg bis zur Ankunft auf einer Karte in der App mitverfolgen. Nachdem ihr abgeholt und ans Ziel gebracht wurdet, könnt ihr direkt aussteigen. Die Zahlung erfolgt nämlich automatisch über das in eurem Konto hinterlegte Zahlungsmittel.

Speicherung persönlicher Daten

Uber sammelt umfangreich Daten über Fahrer:innen und Kund:innen. So wird beispielsweise über GPS ausgewertet, wie bei einer Fahrt die exakte Route war, wann sie gefahren wurde, wer gefahren ist, wer Passagier:in war, wo das Auto mal stoppte und selbst, wo es langsamer fuhr oder abgebogen ist. Ziel sei es, aus sämtlichen Auswertungen Rückschlüsse zu ziehen, um dadurch das Angebot verbessern zu können. Im Jahr 2015 wertete das Unternehmen dabei in den USA die Daten in Hinblick auf mögliche One-Night-Stands aus. Dafür filterte es Personen heraus, die sowohl nachts als auch am frühen Morgen eine Fahrt buchten, deren Abfahrtort lediglich in einem 160-Meter Radius vom Absetzpunkt entfernt lag. Auf dieser Grundlage wurde schließlich eine Karte erstellt, in denen Bezirke mit vermeintlich vielen One-Night-Stands hervorgehoben wurden. Solche Datensammlungen bergen jedoch auch die Gefahr vor Cyberattacken sowie etwaigem Datenmissbrauch. Im Jahr 2016 gab es bei Uber einen massiven Diebstahl an Datensätzen des Cloud-Dienstes von dem rund 50 Millionen Nutzer:innen betroffen waren. Die New Yorker Strafverfolgungsbehörde leitete daraufhin Ermittlungen ein und Uber musste ein Lösegeld in Höhe von 100.000 Dollar zahlen, um zu verhindern, dass die Hacker die gestohlenen Daten veröffentlichten.

Im Konflikt mit dem Gesetz

Das ursprüngliche Konzept des Unternehmens war die Vermittlung von beförderungswilligen Kund:innen an private Fahrer:innen. Uber versteht sein Angebot dabei als Bestandteil der Share Economy, in der jeder sich und seine Fähigkeiten der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. In Amerika wird dieses Modell so auch praktiziert, doch in Deutschland machte der Europäische Gerichtshof Uber einen Strich durch die Rechnung und erklärte den Dienst für wettbewerbswidrig. Hier ist nämlich für die Personenbeförderung von zahlenden Kund:innen unter anderem ein spezieller Führerschein zur Fahrgastbeförderung vorgeschrieben. Mittlerweile hat Uber deshalb sein Konzept in Deutschland angepasst und arbeitet jetzt ausschließlich mit lizenzierten Mietwagen- sowie Taxifirmen zusammen.

Massive Kritik und zahlreiche Skandale

Es gab schon weltweite Reaktionen auf den Anbieter, der oftmals in rechtlichen Grauzonen agiert. In Paris und Lyon wurden Uber-Fahrer:innen im Januar 2014 von Taxifahrern angegriffen, in Seattle wurden sie blockiert. In Indonesien, Thailand, den Niederlanden und Spanien wurde der Dienst unterdessen im Jahr 2014 zeitweise landesweit verboten. Die Hauptkritikpunkte waren meist das Fehlen einer Lizenz zur Personenbeförderung. Daneben gab es jedoch auch vermehrt sexuelle Übergriffe auf Kund:innen, wobei Uber eine unzureichende Prüfung der Fahrer:innen vorgeworfen wurde. Anwalt Adam Slater erklärte gegenüber dem Spiegel, dass Uber so viel mehr tun könnte, um Mitfahrer:innen zu schützen. Beispielsweise Kameras, um Angriffe zu verhindern oder ein Warnsystem, wenn Fahrer:innen von ihren Routen abwichen. Doch das Unternehmen lehne solche Maßnahmen vehement ab, unter anderem mit der Begründung, sie können nicht für das Verhalten von Fahrer:innen zur Rechenschaft gezogen werden, da diese keine festen Mitarbeiter:innen seien. Im Juli 2022 sahen sie sich deshalb in den USA mit einer Sammelklage zahlreicher Frauen konfrontiert, die sich aufgrund sexueller Belästigungen zusammengeschlossen hatten. Für den in der Vergangenheit schon häufiger wegen seines aggressiven Geschäftsgebarens kritisierten US-Konzern kamen diese Anschuldigungen zur Unzeit. Denn kurze Zeit zuvor geriet Uber durch ein großes Daten-Leck unter Druck, das das ganze Ausmaß der umstrittenen und mitunter am Rande der Legalität stattfindenden Lobby-Arbeit der Jahre 2013 bis 2017 aufzeigte. Die Dokumente stammen jedoch aus der Ära von Mitgründer und Ex-Chef Travis Kalanick. Nach verschiedenen Skandalen, die von Sexismus und Diskriminierung über Technologie-Diebstahl bis hin zu Spionage-Affären reichten, war er gezwungen im Jahr 2017 zurückzutreten. Heute distanziert sich das Unternehmen von Kalanick und seinen Methoden.

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