#Trashtag Challenge - es muss sich etwas ändern

Die #Trashtag Challenge macht es sich zum Ziel, die Leute zum Müllsammeln zu bewegen. Wir haben uns der Challenge in Augsburg gestellt!

#Trashtag Challenge - es muss sich etwas ändern

Freitag, Mittagszeit, ich sitze in der Tram auf dem Weg zur Uni. Ich treffe mich mit Christopher und seinem Team von OchaOcha, um im Zuge der #Trashtag Challenge unseren schönen Campus von Müll zu befreien. Ich bin gespannt, wie viel herumliegenden Müll wir finden werden. Ich bezweifle jedoch, dass es viel sein wird. Schließlich sind wir in Deutschland doch die Mülltrenn-Meister. Aber wir werden sehen.

Angekommen an der Uni, treffen Christopher und ich das Team der Gebäudereinigung. Sie überlassen uns drei Müllgreifer und in letzter Sekunde noch einen Bollerwagen, über den wir später sehr dankbar sein werden.

Das Team erzählt uns, welche Müll-Hotspots es an der Uni gibt. Ein Kollege sammelt zum Beispiel jeden Morgen vor der alten Cafete eine Stunde lang Zigarettenstummel von der Erde. Wir sind geschockt. Kann es wirklich so schlimm sein?

Um 14 Uhr geht es los. Es sind nicht nur Christopher und sein Team von OchaOcha dabei, sondern auch Eva von Plastikfreies Forum Augsburg. Wir starten an der Tramhaltestelle der Uni und arbeiten uns langsam in Richtung Informatikgebäude vor. Und wenn ich langsam sage, dann meine ich im Schneckentempo. Denn sobald wir erstmal unseren Blick für den Müll auf dem Boden geschärft haben, fällt uns doch so Einiges in den Ritzen der Pflastersteine auf. Wir sind kaum 10 Meter weit gekommen, schon haben wir unzählige Zigarettenstummel und Verpackungsschnipsel aufgeklaubt. Es ist wirklich erschreckend und unbegreiflich, dass die zur Verfügung stehenden Mülleimer scheinbar nur zum Teil genutzt werden.

Ein einziger Zigarettenstummel verseucht 40 Liter Grundwasser.

Nachdem wir in grünere Gefilde weitergewandert sind, fällt es zunehmend schwer die Zigaretten auf den ersten Blick zu erkennen. Gegen das braun-weiß der Erde, fallen die braunen Stummel nicht sofort ins Auge, was leider den Eindruck erweckt, als wäre der Boden nicht so verdreckt wie er es tatsächlich ist. Was vielen wahrscheinlich nicht bewusst ist: Ein einziger auf die Straße oder ins Gebüsch geschnippter Zigarettenstummel verseucht ungefähr 40 Liter Grundwasser! Die enthaltenen Chemikalien und Gifte sind wasserlöslich, versickern im Boden und Schaden so natürlich auch der Tier- und Umwelt.

Es muss sich etwas ändern!

Während wir so auf dem Boden kauern und ein wahres Paradies an Kippen aufsammeln, erzählt uns Eva, wie es bei ihrer Reise durch Peru „Klick“ gemacht hat: So kann es mit unserem Müllverbrauch nicht weitergehen!

In Deutschland fällt 2016 pro Kopf ein Verpackungsabfall von 220,5 kg an (Quelle: Umweltbundesamt). Damit ist Deutschland auch im EU-vergleich Spitzenreiter beim Verpackungsmüll. Obwohl Entwicklungs- und Schwellenländer oft einen geringeren Pro-Kopf-Verbrauch haben, sieht es dort auf den Straßen nicht so sauber aus, wie bei uns. Das liegt unter anderem daran, dass unser Müll in andere Länder verschifft wird, um dort recycelt oder verkauft zu werden. Die Abfallsysteme sind davon aber schon längst überfordert und es wird nur ein Teil verwertet. Die Folge: der Müll landet auf den Straßen und in der Natur. Was wir konkret dafür tun können? Möglichst wenig Verpackungsmüll produzieren.

So sauber, wie ich es anfangs vermutet hatte, ist es bei uns allerdings auch nicht. Nach unserer dreistündigen Sammelaktion haben wir:

  • drei 120 Liter Säcke gefüllt,

  • unzähligen Kippenstummel

  • und Sperrmüllteile, wie eine Autofeder oder die Reste eines Fahrrads, aus dem Gebüsch gezogen, die wir zum Glück auf den Bollerwagen laden konnten.

Nach diesen drei Stunden fällt es uns auch etwas schwer aufzuhören, nach Müll Ausschau zu halten und diesen aufzusammeln. Wir hatten uns regelrecht in Rage gesammelt.

Auch Tage nach der Sammelaktion merke ich noch die Auswirkungen. Wofür ich vorher blind war, fällt mir jetzt umso mehr ins Auge. An jedem Gebüsch entdecke ich Kassenzettel, Plastikverpackungen und Zigarettenstummel. Und mein Unverständnis, wie Menschen Müll einfach so achtlos fallen lassen können, steigt ins Unermessliche.

Und dann geht es dem Müll wieder an den Kragen!

Die Challenge hat mir vor Augen geführt, dass Deutschland doch nicht so sauber ist, wie ich dachte; es mit dem Müllbewusstsein doch nicht so weit her ist und jedes Stück Müll, das nicht mehr in der Natur liegt, ein Schritt in die richtige Richtung ist. Bei meinem nächsten Spaziergang packe ich definitiv Handschuhe und Tüte ein und dann geht es dem Müll wieder an den Kragen!

Wer einen kleinen Ansporn braucht und lieber in der Gruppe unterwegs ist: Das Forum Plastikfreies Augsburg veranstaltet regelmäßig Müllsammel-Aktionen. Den nächsten Termin findet ihr hier.

Wie sauber habt ihr Deutschland allgemein, und Augsburg im Speziellen bisher wahrgenommen?

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