Ohne Tierversuche kein (Corona)-Impfstoff?

Am vergangenen Samstag, den 24. April, war Tag des Versuchstiers. Zeit, darüber nachzudenken, warum Tierversuche gemacht werden und ob wir darauf verzichten könnten.

Ohne Tierversuche kein (Corona)-Impfstoff?

Laut Tierschutzbund wurden 2019 2.902.348 Tiere für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Hauptsächlich Mäuse, Fische und Ratten, aber auch Kaninchen, Hunde, Affen und Katzen.

Es ist ein trauriges Thema und dennoch eines, womit man sich beschäftigen sollte. Weil Tierversuche im Verborgenen passieren und wir als VerbraucherInnen, PatientInnen und KonsumentInnen nichts von alledem mitbekommen, vergessen wir oft, dass sie eigentlich existieren.

Das Thema Tierversuche kam allerdings in letzter Zeit häufiger zur Sprache, und zwar in Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff. Der Verein „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ veröffentlichte hierzu einen umfassenden Artikel auf ihrer Webseite und veranstaltete eine Videokonferenz mit ExpertInnen aus der Medizin und Biologie, um Fragen zu Tierversuchen für Corona-Impfstoffe zu beantworten.

Seit vielen Jahren plädiert der Verein für eine tierversuchsfreie Medizin und Forschung. Ihrer Meinung nach ist die Durchführung von Tierversuchen überflüssig und überholt.

Tierversuche sind Pflicht

In Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen, die Tierversuche vorsieht, darunter das Arzneimittelgesetz, das Chemikaliengesetz oder das Pflanzenschutzgesetz. Auch die Verordnung über Medizinprodukte fordert, dass Medizin – bevor sie an Menschen getestet wird – Tierversuche durchlaufen muss.

Sind Tierversuche eine veraltete Praxis?

Auf der Webseite „Tierversuche verstehen“, die von Wissenschafts- und Forschungsorganisationen betrieben wird, heißt es, nicht in allen Bereichen seien Tierversuche geeignet, doch in einigen Fällen sei man auf sie angewiesen: „Zum Beispiel bei der Beurteilung zur Giftigkeit von Medikamenten muss man das Zusammenspiel aller Organe im Körper beachten. Tierversuche liefern hier eine Erfolgsquote von 65 Prozent. Erst wenn alternative Methoden ähnlich erfolgreich sind, können sie die Tierversuche ersetzen.“

Der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ argumentiert, das Testen an Tieren sei nicht notwendig, wenn vermehrt in-vitro-Verfahren eingesetzt und an Zell- und Gewebekulturen geforscht werden würde. Dass Tierversuche immer noch so gängig wären, sei unter anderem dem steigenden Zeitdruck bei der Medizinproduktion geschuldet.

Tierversuche bei der Herstellung der Corona-Impfstoffe

Können Tests an Zellkulturen Tierversuche ersetzen? Nein, sagen KritikerInnen des Vereins.

Wie vorgeschrieben, wurden auch bei der Herstellung der Corona-Impfstoffe, Tierversuche durchgeführt. Allerdings vergleichsweise wenige, so der Verein „Ärzte gegen Tierversuche". Das sei dem Umstand geschuldet, dass sie in möglichst kurzer Zeit auf dem Markt sollten. Es seien viele der sonst üblichen Tierversuche im Falle der Corona-Impfstoffe übersprungen worden, berichtet Dr. Dilyana Filipova auf der Webseite von Ärzte gegen Tierversuche. Trotzdem sei etwa der Impfstoff von Biontech an Ratten, Mäusen und in einer späteren Phase an Rhesusaffen getestet worden. Teilweise liefen sie parallel zu den ersten Tests an Menschen. Für die Gegner der Tierversuche habe dies unterstrichen, wie unnötig Tierversuche seien.

Debatte um Corona-Impfstoffe fördert tierversuchsfreie Forschung

Dadurch, dass sich viele Menschen in letzter Zeit mit Impfstoffen und medizinischen Fragen auseinandergesetzt haben, geriet die Debatte um Tierversuche wieder vermehrt in die Öffentlichkeit. Sie ist Thema zahlreicher Reportagen und Artikeln, die sich aufgrund des Corona-Impfstoffs damit auseinandersetzen. Die Diskussion macht deutlich: Tierversuche werden immer weniger geduldet, womit der Druck auf die Medizin, sich Alternativen zuzuwenden, steigt.

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