„Tiere sind kein Geschenk!“ - Im Gespräch mit dem Tierheim Augsburg

Adopt, don't shop! Denn genau in diesem Moment warten tausende liebesbedürftige Tiere in den Tierheimen auf ihre zukünftige Familie. So könnt ihr ihnen helfen!

„Tiere sind kein Geschenk!“ - Im Gespräch mit dem Tierheim Augsburg

Leider ist es auch in Augsburg noch immer traurige Realität, dass ungewollte Tiere ausgesetzt oder ins Tierheim abgeschoben werden. Umso tragischer ist es, dass trotzdem immer wieder Tiere unüberlegt gekauft oder sogar verschenkt werden. Doch wie sieht die Situation jetzt nach Weihnachten aus? Wir waren im Gespräch mit Tamara Hofmann vom Tierheim Augsburg und haben einmal genauer nachgefragt.

Wie viele Tiere sind aktuell bei euch im Tierheim?

Aktuell sind bei uns ca. 30 Katzen, 30-35 Hunde und ca. 25-30 Kleintiere und Vögel (was zum Glück wirklich Wenige sind). Wildtiere wie Tauben und Igel haben wir zurzeit so viele, dass ich die genaue Zahl gar nicht sagen kann. Die Anzahl der Tiere bei uns ist in den letzten Jahren leider gestiegen. Wir können uns selbst auch nicht ganz erklären wieso. Oftmals liegt es daran, dass Menschen auch weiterhin ihre freilaufenden Katzen nicht kastrieren lassen oder die vielen Hofkatzen Junge bekommen. Viele der Tiere sind auch „Fehlkäufe“ von Menschen, die sich nicht überlegt haben, wie viel Arbeit ein Tier macht. Oder auch verschenkte Tiere, die ungewollt wieder zurückkommen.

Wie sieht die Situation speziell nach Weihnachten oder in den Ferienzeiten aus?

In den Ferienzeiten merkt man schon manchmal, dass mehr Tiere abgegeben werden, aber auch nicht immer. Es ist auch immer sehr unterschiedlich, welche Tiere reinkommen. Manchmal sind es mehr Katzen, mal mehr Hunde oder Kleintiere. Das wechselt sich immer ein bisschen ab. Mittlerweile ist die Zahl der Tiere, die beispielsweise als Weihnachtsgeschenke verschenkt worden sind, sogar schon zurückgegangen. Dieses Jahr war beispielsweise bei uns gar kein Tier dabei, das als Geschenk rausging. Sieht so aus als hätten es die Leute mittlerweile endlich kapiert, dass man Tiere nicht einfach verschenkt!

Aus welchen Situationen kommen die meisten Tiere, die ihr aufnehmt?

Die meisten Tiere kommen zu uns aufgrund ganz urplötzlich auftretender Allergien. Oder auch weil die Besitzer wegen Berufsumstellung keine Zeit mehr haben oder bei einem Umzug das Tier nicht mitnehmen dürfen. Was natürlich auch viel ausmacht sind die Fundtiere. Es gibt zum Beispiel immer wieder Katzen, die draußen aufgesammelt werden und nicht gechipt oder registriert sind. Diese können dann leider auch nicht zugeordnet werden. Aber bis jetzt konnten wir ihnen noch immer ein schönes Zuhause vermitteln.

Welche Vorurteile über Tiere aus dem Tierheim kennst du, die überhaupt nicht zutreffen?

Das größte Vorurteil ist ja immer, dass jedes Tier aus dem Tierheim einen an der Klatsche hat. Das stimmt so nicht, denn jedes Tier hat seine Vorgeschichte. Die Tiere kommen natürlich nicht grundlos hierher. Oft haben sie vorher in schlechten Haltungen gelebt, das heißt, sie haben nie wirklich Kontakt zu Menschen gehabt oder wurden geschlagen. Natürlich hat so ein Tier dann seine Eigenheiten, die aber mit Erziehung meistens gut in den Griff zu kriegen sind. Das sind also alles Vorurteile, die man so nicht bestätigen kann und die auch meistens von Leuten kommen, die noch nie ein Tier aus dem Tierheim besessen haben. Wir haben sowohl problemlose Hunde, als auch Hunde, die schonmal gebissen haben, Katzen, die absolute Panik vor Menschen haben und auch welche, die immer in einer guten Familie gelebt haben und sofort herkommen und sich auf den Schoß legen. Man muss also wirklich die Tiere hier vor Ort kennenlernen und bewusst aussuchen. Denn man kann nie verallgemeinern, wie Tiere im Tierheim ticken! Für die Problemfälle haben wir zur Unterstützung auch zwei Hundetrainer bei uns, einer für Verhaltensauffälligkeiten und eine normale Hundetrainerin dazu, die in Zusammenarbeit mit den Tierpflegern, den ehrenamtlichen Gassigehern und dann natürlich auch mit den zukünftigen Interessenten arbeiten.

Wie kann man ein Tier adoptieren? Nach welchen Kriterien sucht ihr das passende Zuhause für eure Schützlinge aus?

Also bei unseren Hunden ist es so, dass man mindestens drei Mal mit dem Tier auf unserem Gelände laufen muss, um zu sehen, ob die Chemie stimmt. Danach darf der Hund für einen „Probetag“ auch mal mitgenommen werden. Das heißt, man holt den Hund in der Frühe ab und behält ihn bis abends, um zu sehen, wie es zuhause funktioniert. Das kann natürlich auch beliebig oft wiederholt werden. Wenn alles passt, sehen wir uns noch einmal das neue Zuhause an, zeigen das Tier nochmal dem Tierarzt und dann kann es auch schon ausziehen. Auch bei Katzen wird natürlich zuerst wieder geschaut, ob die Chemie stimmt. Wenn dann alles passt und die Katze schon registriert ist, darf sie nach der Tierarztuntersuchung mit nach Hause gehen. Wenn sie noch zu klein ist zum Kastrieren, bekommt der neue Besitzer einen Kastrationsgutschein mit, der natürlich bereits in der Schutzgebühr mit inbegriffen ist.

Was würdest du Leuten mit auf den Weg geben, die ein Tier aus dem Tierheim adoptieren wollen?

Man sollte sich vorher ganz genau überlegen, ob man die Zeit für das Tier hat und ob auch die Umstände dafür passen. Muss es zum Beispiel wirklich ein großer Hund sein, wenn ich im vierten Stock ohne Aufzug wohne? Wenn ich in Vollzeit berufstätig bin und mir einen Welpen hole, ist das nicht unbedingt vorteilhaft. Außerdem muss man sich natürlich auch finanziell darauf einstellen, denn es kommen garantiert Kosten auf einen zu. Spätestens wenn das Tier älter ist, kommen die ein oder anderen Wehwehchen und allein schon eine Zahnsanierung kann bei einem Tier mehrere hundert Euro kosten. Man muss sich also im Klaren darüber sein, dass man wirklich eine Lebensaufgabe hat für eine gewisse Anzahl an Jahren!

Was ist die schönste Tiergeschichte, die du bisher erlebt hast?

Mein schönstes Erlebnis war, als ich im Winter mit unserer Hündin in Gersthofen Gassi war und wir dabei plötzlich zwischen Mülltonnen in einem Karton einen winzig kleinen Mini Yorkshire Terrier Welpen gefunden haben. Im Tierheim musste er dann natürlich zuerst die Tollwut-Quarantäne absitzen, weil der Verdacht nahe lag, dass er eventuell illegal aus dem Ausland kam. Als seine neuen Besitzer dann zum ersten Mal da waren, haben sie ihn auf den Arm genommen und er hat sie erstmal angepinkelt. Sie haben ihn aber natürlich trotzdem genommen und regelmäßig Bilder geschickt. Der Kleine fühlt sich wirklich super wohl in seinem neuen Zuhause. Hätten wir ihn an dem Tag nicht entdeckt, wäre er bei den kalten Temperaturen draußen wahrscheinlich erfroren.

Wie kann man das Tierheim unterstützen?

Wir freuen uns über alles! Sowohl Futterspenden und Sachspenden wie Körbchen oder Kratzbäume, als auch Geldspenden können wir super gebrauchen. Insbesondere aktuell, da wir so bald wie möglich mit dem Bau unseres neuen Katzen- und Kleintierhauses beginnen wollen. Ansonsten kann man sich (wenn man über 18 Jahre alt ist) natürlich auch tatkräftig ehrenamtlich engagieren. Zum Beispiel als Helfer beim Putzen und Versorgen der Tiere, oder auch als Gassigeher und Katzenkuschler. Man kann also auch einfach nachmittags kommen, um mit den Katzen zu kuscheln und zu spielen. Die Tiere und auch wir sind für alles sehr dankbar!

Adresse: Holzbachstr. 4c, 86152 Augsburg

Besuchszeiten: Do. - So.: 13 - 16 Uhr

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