„Ein Tierheim ist kein Tierhandel“

Einsamkeit durch Corona führte dazu, dass vermehr Haustiere vermittelt wurden, was nicht unbedingt positiv verstanden werden darf. Sabina Gaßner, Geschäftsführerin des Augsburger Tierschutzvereins, kennt die Gründe.

„Ein Tierheim ist kein Tierhandel“

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. berichtete unlängst über vermehrte Haustieradoptionen aufgrund der Corona-Pandemie. Ebenso wurden vermehrt Haustiere über das Internet vermittelt. Um den illegalen Zuchthandel einzudämmen, verabschiedete das französische Parlament deshalb vor kurzem einen Gesetzesentwurf, der den privaten Verkauf über das Internet verbietet. Ein wichtiger Schritt, vor allem auch, um vor unbedachten Haustieranschaffungen zu bewahren. Aber wie ist die Situation in Augsburg? Darüber haben wir mit Sabina Gaßner, der Geschäftsführerin des Augsburger Tierschutzvereins, der das örtliche Tierheim leitet, gesprochen.

Haben Sie zurzeit mehr Arbeit als vor Corona?

Sabina Gaßner: Ja, da jede Kontaktaufnahme umständlicher ist als zuvor: Terminsysteme mit Pausen, damit sich die Leute nicht begegnen müssen, mehr Anfragen aufgrund von Problemen mit Haus- und vor allem Wildtieren. Außerdem gibt es zurzeit viele einsame oder unterbeschäftigte Leute, die ehrenamtlich mitarbeiten wollen. Das sehen wir aber durchaus positiv.

Haben Sie während Corona verweigert, ein Haustier herauszugeben, weil der Interessent nicht geeignet war?

„Wer schnell ein Tier will, schaut im Internet und kauft mit einem Klick.“

Ja, das kommt regelmäßig vor – zu allen Zeiten. Es ist nicht nur das Verhalten, sondern die Rahmenbedingungen und die Motive, die nicht stimmen. Darunter fallen Zeit für das Tier, Einverständnis der Familie oder des Vermieters und das Backup für Notfälle. Außerdem ist die Vermittlung ist immer an bestimmte Voraussetzungen gebunden und wir wollen die Besitzer genauer kennenlernen. Heißt, es sind für jedes Tier mindestens zwei Termine notwendig, für Hunde mindestens vier inklusive eines Probetages nach unserer Vorkontrolle des prospektiven neuen Zuhauses. Wer schnell ein Tier will, schaut im Internet und kauft mit einem Klick. – was wir verurteilen. Probleme sind vorprogrammiert und das leistet illegalem Tierhandel Vorschub.

Welche Tiere sind gerade besonders beliebt?

Das beliebteste Haustier ist die Katze. Wir wissen nicht, warum die Zahl gerade so ansteigt, weil Katzen ja leider nicht gemeldet werden müssen. Hunde, die angemeldet werden müssen und die eine Steuermarke brauchen, werden derzeit wohl viel gehandelt. Das kann man beziffern. Wir rechnen aber mit häufigeren Abgaben, wenn die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden, sprich, wenn die Leute wieder in Urlaub fliegen können.

Was empfehlen Sie Leuten, die demnächst ein Haustier adoptieren wollen?

„Ein Tier ist kein Konsumartikel.“

Unbedingt die eigenen Motive ehrlich ergründen: Ein Tier ist kein Erziehungsmittel, kein Spielzeug, kein Tröster, kein Konsumartikel, kein Accessoire, kein Partnerersatz und kein Geschenk. Obwohl Hunde erzogen werden müssen, Kinder Verantwortung übernehmen können, die vorurteilsfreie Anwesenheit eines Tieres tröstlich ist, die Schönheit eines Tieres beindruckend sein kann und auch den Nachbarn vielleicht neidvoll schauen lässt. Dennoch bleibt es ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen für die Besitzer ein Tierleben lang zuständig, verantwortlich und haftbar bleiben. Eine Adoption sollte deswegen gut überlegt sein. Zurückgeben geht bei uns nicht, denn ein Tierheim ist kein Tierhandel.

Welche Fragen sollte ich mir also vorab stellen?

Fragen, die man sich selber stellen sollte, sind: Habe ich Zeit? Habe ich Geld, zum Beispiel für den Tierarzt? Habe ich Platz? Wer hilft mir in Notlagen? Wer kümmert sich um das Tier, wenn ich ausfalle? Ist mein Umfeld einverstanden? Kann ich mein Tier in den Urlaub mitnehmen? Braucht es einen Artgenossen? Komme ich mit typischen Verhaltensweisen dauerhaft zurecht?

Logo