Joana arbeitet seit über 13 Jahren im Tierheim Augsburg. Angefangen hat sie dort als Praktikantin, woraufhin sie eine Ausbildung als Tierpflegerin ablegte und auch danach dort weiter tätig blieb. Einen anderen Beruf kann sie sich nicht vorstellen. Doch der Job braucht mehr als nur Tierliebe. Körperliche und mentale Anstrengung sind hier von vorn bis hinten gefragt.
Mehr als nur schmusen und streicheln
Der Vormittag ist meist eng getaktet: medizinische Versorgungen, Tierarzttermine, Kastrationen oder Fahrten zu externen Kliniken. Joana ist für die Katzen zuständig, während sich ihre Kolleg:innen um die Hunde, Kleintiere und Vögel kümmern. Weiter stehen Reinigungen, Vorbereitung neuer Zimmer, Vermittlungsgespräche sowie Büroarbeit auf dem Tagesprogramm. „Wirklich Zeit zum Kuscheln mit den Tieren bleibt da nicht”, erzählt die Tierpflegerin. Der Beruf ist jedoch nicht nur physisch fordernd, sondern auch emotional. „Das Problem sind nie die Tiere, sondern die Menschen, die dahinterstehen. Es gibt leider zu viele Fälle, in denen Tiere schlecht behandelt werden, verletzt und ausgesetzt gefunden werden. So etwas ist immer sehr schwer, weil man einfach seine Wut aussprechen möchte, aber sich dann doch auf die Zunge beißen muss. Da muss man lernen, das Emotionale irgendwie abzuhaken, sonst macht das einen kaputt.”
Doch der Job hat natürlich nicht nur Schattenseiten. Vor allem erfolgreiche Vermittlungen von Tieren, die länger hier waren oder eine schwierige Vorgeschichte haben, hinterlassen einen bleibenden Eindruck. „Besonders schön finde ich, dass wir den Tieren eine Stimme geben. Wir fangen sie auf, begleiten sie durch schwierige Phasen und bereiten sie auf ein neues Zuhause vor. Dieser Weg von der Aufnahme bis zur erfolgreichen Vermittlung ist das Highlight der Arbeit. Man steckt ganz viel Herzblut in den Beruf rein, aber genauso viel bekommt man auch zurück. Jeden Abend geht man hier mit einem guten Gefühl raus.”
Ehrenamt als tragende Säule
„Ohne ehrenamtliche Hilfe würde der Betrieb im Tierheim nicht so funktionieren”, betont Joana immer wieder. „Da wo uns die Zeit fehlt, greifen uns ehrenamtlich Tätige unter die Arme.” So gehen sie mit den Hunden Gassis, helfen bei der Kleintierversorgung und Reinigung der Katzenräume oder sammeln die Spendenboxen in den Supermärkten ein. Jede Hilfe ist hierbei willkommen. Ein besonders wichtiger Aspekt dabei ist dabei die Zeit sich bewusst mit ängstlichen Tieren auseinanderzusetzen. Scheue Katzen oder Hunde mit einer schweren Vergangenheit brauchen einen sensibleren Umgang, um sich an Menschennähe zu gewöhnen und so später besser vermittelt werden zu können. Ehrenamt im Tierheim bedeutet also mehr als nur „ein bisschen helfen”, sondern ist ein zentraler Bestandteil des Tierschutzes. Das Beste daran ist, dass alle Interessierten, egal in welcher Form, sich ehrenamtlich engagieren und einen bedeutenden Beitrag leisten können.
Ein Tier bedeutet Verantwortung
Zeiten, in denen Besucher:innen spontan ins Tierheim gehen und direkt mit einem Tier herauskommen, sind glücklicherweise vorbei. Heute lernen Interessierte ihr zukünftiges Tier intensiver kennen: Sie besuchen das Tier mehrfach, gehen gemeinsam spazieren und verbringen Probetage miteinander. „So lässt es sich eher feststellen, ob Mensch und Tier wirklich zueinanderpassen, wodurch Rückgaben deutlich seltener geworden sind”, erklärt Joana.
Natürlich spielen weitere Faktoren wie Zeit, finanzielle Möglichkeiten und die jeweilige Lebenssituation eine entscheidende Rolle. Der wichtigste Punkt ist allerdings die Verantwortung, die mit einem Tier einherkommt. Tiere sind viel mehr als nur Schmuseersatz und Zeitvertreib. Wird das Haustier krank oder alt braucht es die nötige Verpflegung. Ein Tier auszusetzen und dem eigenen Schicksal zu überlassen ist unverantwortlich, unvertretbar und unmenschlich. Das darf nicht passieren, wenn man sich aktiv für ein anderes Lebewesen entscheidet. Deswegen appelliert Joana, sich gut darüber Gedanken zu machen, ob die Kapazitäten für ein tierischen Mitbewohner wirklich vorhanden sind. „Ich wünsche mir mehr Sensibilität, Empathie und Respekt allen Lebewesen gegenüber”, äußert sie. Tierschutz beginnt nämlich nicht erst im Tierheim, sondern bei jedem Einzelnen. Und wer mehr unterstützen möchte, kann dies auf vielen Wegen, wie Ehrenamt, Spenden oder Sachmitteln, tun.