Seit Tagen unversorgt: Das passiert mit den Tieren in der Ukraine

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine müssen nicht nur Menschen um ihr Leben fürchten, sondern auch die Tiere. Unter anderem kümmert sich der Deutsche Tierschutzbund darum, sie zu retten und zu versorgen.

Seit Tagen unversorgt: Das passiert mit den Tieren in der Ukraine

Über einen Monat ist es her, seitdem Russland die Ukraine angegriffen hat. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Laut der International Organization for Migration (IOM) sind derzeit rund 6,5 Millionen UkrainerInnen auf der Flucht. „Der Flüchtlingsstrom an der Grenze scheint nicht enden zu wollen“, berichtet Bernd Metzger, zweiter Vorsitzender beim Bundesverband Gemeinschaft Deutscher Tierrettungsdienste „Und etwa jeder Zwölfte trägt ein Tier bei sich.“

Was passiert mit den Tieren?

„Viele Tiere sind seit Tagen unversorgt.“ Metzger

„Weil die Menschen teilweise nur wenige Minuten zum Packen hatten, aber ihre Tiere in keinem Fall zurücklassen wollten, sieht man Katzen untergebracht in Werkzeugkästen, Reisetaschen oder einfach am Körper getragen“, erzählt Metzger. „Hamster und Meerschweinchen befinden sich in den Taschen von Kinderjacken oder Vögel in provisorisch gebastelten Pappkartons.“ Die Tiere seien unversorgt und deswegen hungrig, dehydriert und häufig unterkühlt. Beim Tierhilfe-Camp, das der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit dem Bundesverband Gemeinschaft Deutscher Tierrettungsdienste am polnisch-ukrainischen Grenzübergang Medyka errichtet hat, erhalten sie Futter und Wasser. Außerdem dürfen sie sich auf Heizkissen oder mithilfe von Decken aufwärmen.

Das Camp bietet seit Anfang März eine erste Anlaufstelle für Geflüchtete mit Tieren. Bis heute konnten weit über 2.000 Tiere versorgt werden. Vor kurzem wurde das Tierhilfe-Camp von Internationaler Tierschutz-Fonds (IFAW) übernommen. Die internationale Tierschutzorganisation wird die Hilfsaktion zusammen mit den TierschützerInnen weiterführen. „Wir freuen uns, dass unsere Bemühungen durch die internationale Zusammenarbeit mit dem IFAW im Sinne der Tiere verstärkt werden und die Hilfe an der Grenze weitergeht“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Gemeinsam werden mit allem unterstützen, was möglich ist.“

24 Stunden im Einsatz

Wenn die Geflüchteten mit ihren Tieren weiterziehen wollen, erhalten sie unter anderem Transportboxen, Geschirr und Leinen. Die Teams vor Ort sind dafür täglich knapp 24 Stunden im Einsatz. Das Team der IFAW soll die TierschützerInnen nun ablösen. „Der Bedarf an Heimtiernahrung und -ausstattung sowie tierärztlicher Grundversorgung ist groß“, erklärt Céline Sissler-Bienvenu, Senior Programme Officer beim IFAW. „Der Deutsche Tierschutzbund und der Bundesverband Gemeinschaft Deutscher Tierrettungsdienste haben Hervorragendes geleistet.“ Der IFAW hat bereits hunderten von Tieren geholfen, die an der Grenze zu Polen angekommen sind.

59 Tiere aus Odessa evakuiert

Mitte März musste der Deutsche Tierschutzbund Tiere aus dem Tierschutzzentrum in Odessa evakuieren. Es handelt sich hierbei um 44 Hunde und 15 Katzen, die dort betreut wurden. Über die Republik Moldau wurden sie nach Rumänien gebracht. Zehn Straßenhunden, die sich nicht einfangen lassen, sowie ausgesetzte und zurückgelassene Tiere werden weiter vor Ort versorgt. „Alle Hunde und Katzen sind wohlbehalten in Rumänien angekommen“, erzählt Schröder. Sie seien erleichtert, dass sie nun endlich in Sicherheit sind. Zwei Fahrten mit einem Transporter waren nötig, um alle Tiere zu retten. Schröder beschreibt, dass die Evakuierung lange aussichtslos erschien.

In Rumänien wurden die Tiere von „Tierhilfe Hoffnung“, einem Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, in Empfang genommen. Von hier sollen die Hunde und Katzen nach Ende der vorgeschriebenen Quarantänezeit in den kommenden Wochen auf Einrichtungen des Deutschen Tierschutzbundes und Tierheime in Deutschland verteilt werden. Bei den Hunden und Katzen handelt es sich um Straßentiere, die im Tierschutzzentrum Odessa kastriert und medizinisch versorgt wurden. Sie sind aufgrund ihres Alters oder durch Erkrankungen auf eine Betreuung in menschlicher Obhut angewiesen. Ein Teil ist den Umgang mit Menschen gewöhnt.

Private Vermittlung

„Wir tun alles dafür, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.“ Schröder

„Für die evakuierten Tiere werden wir eine Vermittlung in Privathand anstreben“, meint Schröder. „Einige unserer Straßentiere aus Odessa kennen das Zusammenleben mit Menschen jedoch nicht.“ Hier soll eine andere Lösung gefunden werden. Für ausreichend Futter sei derzeit noch gesorgt. „Angesichts der sich zuspitzenden Lage bleibt allerdings die Sorge um die MitarbeiterInnen des Zentrums, die ihre Heimat nicht verlassen möchten oder dürfen und sich auch in Zukunft um die Straßentiere Odessas kümmern wollen“, erklärt Schröder.

Über das Tierschutzzentrum Odessa

Vor 17 Jahren eröffnete der Deutsche Tierschutzbund das Tierschutzzentrum Odessa. Zuvor hatte sich der Verband in der Hafenstadt für den Tierschutz stark gemacht. Das Zentrum gilt als Modellprojekt. Seit der Eröffnung konnte die Anzahl der Straßenhunde in Odessa von rund 80.000 auf ungefähr 3.000 verringert werden. Tausenden Hunden wurde in den vergangenen Jahren von TierschützerInnen geholfen.

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