Theater über Virtual Reality Brille: Ich habe es ausprobiert

Wie ist es, Theaterstücke über VR-Brille zu sehen? Ich habe es ausprobiert. So war mein Theaterabend auf der heimischen Couch.

Theater über Virtual Reality Brille: Ich habe es ausprobiert

Virtual-Reality-Brillen kennen wir, wenn überhaupt, vom Konsolenspielen. Dass man damit auch Theaterstücke angucken kann, war mir neu. Aber klar, wieso nicht? Meine WG und ich waren neugierig und haben das Angebot des Staatstheaters ausprobiert. Wie das Ganze funktioniert und wie das VR-Brillen-Erlebnis war, erzähle ich euch jetzt.

Spontan bestellt und schnell geliefert

Die VR-Brillen bestellt ihr über die Webseite des Staatstheaters Augsburg. Dort wählt ihr zunächst Boxbote als Lieferdienst aus. Für Leute außerhalb von Augsburg wird hier auch ein deutschlandweiter Versand über „Frontrow“ angeboten. Außerdem habt ihr die Möglichkeit das Theaterstück auf der eigenen VR-Brille anzusehen.

Wir haben die Brillen also über Boxbote bestellt – fünf Stück für das Stück „Oleanna“. Mit 25 Euro pro Brille nicht ganz billig, aber man gönnt sich zurzeit ja sonst nichts. Ihr könnt die Brillen bis 17 Uhr vorbestellen und noch am selben Tag nutzen. Kurz nach der Bestellung erhielt ich eine Bestätigung und vor der vereinbarten Lieferzeit wurde mir mitgeteilt, dass der Bote nun zu mir unterwegs sei. Die VR-Brillen kommen in einem Karton und jeweils in einer Papiertüte verpackt an. Dazu gibt es einen Flyer mit Infos zum Stück und damit habt ihr auch schon alles, um loslegen zu können. W-LAN oder Strom braucht ihr nicht.

Mittendrin statt nur davor

Wir fünf machten es uns alle im Wohnzimmer gemütlich und versuchten möglichst zeitgleich das Stück zu starten. Gut zu wissen: Das Theaterstück beginnt, sobald ihr die Brille aufsetzt und es pausiert, wenn ihr sie absetzt. Außerdem macht es gerade, wenn man zu mehreren guckt, Sinn, Kopfhörer anzuschließen.

Das Stück startet ohne viel Vorgeplänkel, das heißt ihr seid sofort mittendrin. Und das wortwörtlich. Der erste Akt von „Oleanna“ spielt im historischen Bibliothekssaal in Dillingen. Ein wirklich schöner Raum, in dem ich mich während dem Stück viel umgesehen habe. Das ist etwas, dass mich doch sehr beeindruckt hat: Man kann, wie im echten Theater jederzeit selbst entscheiden, wo man hinguckt. Nur dass man mit der VR-Brille mit auf der Bühne – in dem Fall im Bibliotheksaal – steht und dadurch alles perfekt im Blick hat. Wenn sich die Schauspieler bewegen und beispielsweise hinter einen laufen, muss man sich auf der Couch eben einmal herumdrehen, um das Geschehen weiterzuverfolgen. Ganz so als sei man wirklich im Raum.

An zwei Stellen des Stücks wird das Wort „Pause“ eingeblendet. Das ist selbstverständlich nur ein Vorschlag. Wer möchte kann einfach weitergucken. Wir haben die Pause genutzt um uns über das Stück und die VR-Techn,ik auszutauschen. Immerhin verschwindet jeder in „seiner“ VR-Welt, während er guckt. Auch wenn alle dasselbe gucken, hatte ich doch das Gefühl, das Stück alleine zu erleben. Das liegt sicher daran, dass man die anderen – anders als beim „normalen“ Theater – während dem Stück nicht sieht. Übrigens: Trinken fällt mit Brille etwas schwer, snacken geht aber wunderbar.

Im letzten Akt des Stücks gibt es eine Stelle, an der man als Zuschauer direkt angesprochen wird. Die beiden Schauspieler kommen nah heran, „beäugen“ einen und fordern einen auf, mitzukommen. Das war eine Szene, die mir besonders viel Spaß gemacht hat und gezeigt hat, was mit VR-Brille möglich ist.

Fazit

Theater über VR-Brille klappt sehr gut. Klar, ist das Feeling anders, als bei einem Theaterbesuch. Das Stück lässt sich aber mindestens genauso gut erleben, wenn nicht sogar besser. Schließlich hat man immer die perfekte Sicht. Apropos Sicht: Jeder von uns hatte das Gefühl, dass das Bild zum Teil etwas unscharf war. Das hat sich manchmal gebessert, wenn die Brille etwas von den Augen weggerückt wurde. Für mich war der VR-Theaterabend auf der heimischen Couch trotzdem ein voller Erfolg. Ich bin gespannt, wie sich die Technik weiter verbessern wird und Theaterregisseure die Möglichkeiten durch Virtual Reality noch weiter ausnutzen.

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