Neues Skandal-Theater in Augsburg? Regisseur Tobias Hilgers im Interview

Von der lokalpolitischen Satire zum Psycho-Thriller: Im Gespräch mit dem Augsburger Regisseur Tobias Hilgers über „Die Qual der Wahl“ und sein neues Stück „Obsession“.

Neues Skandal-Theater in Augsburg? Regisseur Tobias Hilgers im Interview

Durch ihre Polit-Satire „Die Qual der Wahl“, die als Persiflage auf den Friedberger Bürgermeister Roland Eichmann gedacht war, wurde die Theatergruppe Thearter e.V. zum Gesprächsthema in ganz Bayern. Dieses Jahr kommen sie wieder auf die Bühne. Diesmal mit einem Stück, das zwar weniger lokalpolitisch, dafür umso schockierender ist. Wir waren im Gespräch mit Regisseur und Autor Tobias Hilgers.

Wie kamst du dazu, Theaterstücke zu schreiben?

Schon von klein auf waren Filme meine große Leidenschaft und sind es auch bis heute noch. Beruflich bin ich als Verwaltungsbeamter bei der Regierung Schwaben für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig, also ist das Theater nur mein Hobby. Doch schon während der Schulzeit und dem Studium habe ich bei Kurzfilmen und Theatergruppen mitgespielt. Und irgendwann habe ich dann auch meine eigene Theatergruppe in Augsburg gegründet, den Thearter e.V.. In den ersten vier Jahren haben wir über die Volkshochschule Kurse angeboten und jedes Jahr ein Theaterstück einstudiert, bis es dann schließlich zum Eklat kam.

Apropos: Dein Stück über den Friedberger Bürgermeister hat vor zwei Jahren für einen richtigen Skandal gesorgt. Was war los?

Wie man es bei Amateurtheatergruppen eben so kennt, waren bei unseren ersten Aufführungen hauptsächlich Familie und Freunde da. Deshalb habe ich mir überlegt, ein Stück zu schreiben, das auch andere Friedberger (denn dort haben wir damals aufgeführt) anspricht. Und was der Bürgermeister so macht, ist bestimmt für viele interessant, dachte ich. Besonders da der Friedberger Bürgermeister Roland Eichmann durch sein Feng Shui Gutachten sowieso des Öfteren in der Presse vorkam. Dabei ging es darum, dass der Hund des Bürgermeisters bei der Sanierung des Schlosses in Friedberg wohl negative Schwingungen verspürt hatte - so berichtete zumindest die Presse. Und das Feng Shui Gutachten, das Eichmann daraufhin in Auftrag gegeben hatte, war schließlich auch der Aufhänger für mein Theaterstück „Die Qual der Wahl“. Eine Komödie und Satire, die vom fiktiven Bürgermeister Robert Reichmann handelte.

Doch als ich das Stück dann schließlich angekündigt hatte, wurde es wirklich kompliziert. Zuerst hat uns die Volkshochschule (dessen Vorstand im Übrigen auch der Bürgermeister ist) mitgeteilt, dass sie unser Theater nicht mehr unterstützen könnten, da sie politisch neutral sein müssten. Und kurz darauf hatte ich auch schon einen Termin beim Bürgermeister höchst persönlich, der unser Stück offenbar gar nicht lustig fand.

Als er dann sogar unser Drehbuch kontrollieren wollte, habe ich mich auf meine Kunstfreiheit berufen.

Denn er wollte, dass das Feng Shui Gutachten, für das er damals bayernweit und sogar bundesweit in der Presse ziemlich schlecht weggekommen war, nicht mehr aufkommt. Als er dann sogar unser Drehbuch kontrollieren wollte, habe ich mich natürlich geweigert und mich auf meine Kunstfreiheit berufen. Letztendlich mussten wir unser Stück dann in Königsbrunn in der MatriX aufführen, da es uns nicht mehr erlaubt wurde, in den städtischen Einrichtungen, in denen wir sonst immer waren, aufzuführen.

Wie waren die Reaktionen auf das Stück?

Durch diese Streitereien waren wir natürlich oft in der Presse, unter anderem auch bei Sat 1 Bayern und dem BR. Und auch die Reaktionen nach den Aufführungen waren super, sowohl von den Zuschauern, als auch von den Medien! Wir hatten drei volle Veranstaltungen und waren sehr zufrieden damit. Auch Claudia Eser-Schuberth, auf die ebenfalls im Stück angespielt würde, war da und hat sogar eine kleine Gastrolle übernommen.

Es hat durchaus seine Vorteile, sich nichts mehr vorschreiben lassen zu müssen

Und auch von Mitarbeitern der Stadt Friedberg, die unser Theater besucht hatten, bekamen wir positive Rückmeldungen. Vom Bürgermeister kam am Ende gar keine Reaktion mehr und ich habe auch bis heute nichts mehr von ihm gehört.

Hattest du Angst vor eventuellen Konsequenzen?

Angst hatten wir schon. Nach dem Gespräch mit dem Bürgermeister haben wir viel innerhalb der Theatergruppe diskutiert und überlegt, ob wir zur Presse gehen sollten oder nicht. Schließlich hatten wir die Befürchtung, dass der Bürgermeister eventuell gerichtlich gehen uns vorgehen könnte.

Hat sich der Stress am Ende gelohnt?

Ja, meiner Meinung nach hat es sich definitiv gelohnt! Wir sind dadurch deutlich reifer und selbstständiger geworden. Und da wir nicht mehr von der VHS unterstützt werden, haben wir schließlich sogar unseren eigenen Verein gegründet. Und es hat natürlich durchaus seine Vorteile, sich nichts mehr vorschreiben lassen zu müssen.

Ende Februar kommt nun endlich das neue Stück. Worum geht’s?

Was das Stück und somit auch die Theatererfahrung besonders macht, ist vor allem die Mischung aus Schauspiel und Videoaufnahmen.

Unser neues Stück „Obsession“ ist ein Psycho-Thriller. Es handelt von dem erfolglosen Schauspieler Philip Collins, der seine Wohnung und seinen Job verliert und daraufhin von seinem Freund eine neue Bleibe vermittelt bekommt. Dort entdeckt er bald ein Loch in der Wand, durch das er seine Nachbarin beobachten kann. Ein durchaus bekanntes Motiv in diesem Genre. So wird er schließlich Zeuge, wie diese von einem Psychopathen bedroht wird. Es entsteht ein Dilemma: Einerseits will Philip der Nachbarin natürlich helfen, andererseits gibt es etwas in seiner Vergangenheit, das ihn davon abhält. Was das Stück und somit auch die Theatererfahrung besonders macht, ist vor allem die Mischung aus Schauspiel und Videoaufnahmen. Als Zuschauer sollte man sich darauf einstellen, dass es unangenehm werden wird. Denn man wird selbst zum Voyeur gemacht, der in die Privatsphäre der Protagonisten eindringt. Freut euch also auf ein düsteres und durchaus auch provokatives Stück!

Alle Infos im Überblick:

Wann?
Freitag, 28. Februar, 20 Uhr
Samstag, 29. Februar, 20 Uhr
Sonntag, 1. März, 18 Uhr

Wo?
Jugendfreizeitstätte MatriX, Alter Postweg 2, 86343 Königsbrunn

Eintritt:
Abendkasse 10€
oder 9€ per E-Mail: obsession@thearter-augsburg.de

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