„Geistzeit“ - Empfehlungen für die neue Spielzeit des Augsburger Theaters

Vor kurzem wurde die neue Spielzeit des Theater Augsburg veröffentlicht. Wir haben uns mit dem Intendant André Bücker unterhalten und ihn nach seinen persönlichen Empfehlungen für die kommende Saison gefragt.

„Geistzeit“ - Empfehlungen für die neue Spielzeit des Augsburger Theaters

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Zuerst einmal: Was hat es mit dem Motto „Geistzeit“ auf sich?

„Wir versuchen immer Worte zu kombinieren, die es eigentlich gar nicht gibt. Wortkombinationen, an denen man hängenbleibt und über die man nachdenkt. In dieser Spielzeit haben wir beispielsweise das Motto „Sinnsucht“. Das Wort besteht aus „Sinnsuche“, „Sehnsucht“ und auch „Suche nach Sinn“. Bei „Geistzeit“ ist es ähnlich. Es ist die Umkehrung von „Zeitgeist“, den wir mit unseren Stücken befragen wollen. Natürlich sind auch die „Geister der Vergangenheit“ und deren Wirkung in die Gegenwart ein Thema für uns. Aber es ist auch eine Befragung des politischen Zustandes und der Bedeutung von „Geist“ in der heutigen Zeit. Wo ist denn eigentlich der Zeitgeist heute?“

Welche Stücke würden Sie Theater-Einsteigern empfehlen?

„Das kommt natürlich ganz auf das Interesse an. Wir haben eine so große Bandbreite an Möglichkeiten, dass eigentlich für jeden etwas dabei ist. Im Moment ist beim jüngeren Publikum vor allem der Tanz sehr beliebt. Das Ballett hat in dieser Spielzeit wirklich fantastische Aufführungen. Sowohl klassische, als auch moderne Interpretationen mit Rock Musik beispielsweise. Dementsprechend ist es auch schwer, Karten dafür zu bekommen.

Auch unser Fuggermusical „Herz aus Gold“ am Roten Tor ist glaube ich wirklich etwas für Leute, die sonst nicht unbedingt Theatergänger sind. Das ist zwar nicht in der kommenden Spielzeit, aber das wird sicher richtig toll. Ich glaube, dort bekommt man eine gute Ahnung davon, was Theater eigentlich so alles kann.“

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Was empfehlen Sie Leuten, die auf der Suche nach etwas Ausgefallenem und Besonderem sind?

„Ausgefallen und besonders ist sicherlich unsere Eröffnung im Gaswerk im nächsten Jahr (am 12. Januar). Dort ist die Uraufführung von „Europe Central“ - ein großes Stück nach einem Roman von William T. Vollmann. Das sollte man auf jeden Fall gesehen haben! Außerdem gibt es die Europäische Erstaufführung der Oper „JFK“ von David T. Little. Ein amerikanisches Stück über die letzte Nacht im Leben von John F. Kennedy. Toller Stoff und tolle Musik! Das kann man in ganz Europa wirklich nur in Augsburg sehen! Auch im Tanz gibt es etwas wirklich Besonderes: Die „Vier Jahreszeiten“ kennt man zwar eigentlich, aber als Ballett vertanzt ist das glaube ich wirklich etwas Herausragendes.“

Sind Stücke dabei, die man auch mit Kindern besuchen kann?

„Absolut! Vor allem natürlich das große Familienstück zur Weihnachtszeit. Dieses Jahr ist das „Mio, mein Mio“ von Astrid Lindgren. Eine wunderschöne und sehr liebevoll gemachte Abenteuergeschichte für Kinder. Das Stück kann man aber natürlich auch ohne Kinder genießen. Außerdem wird es noch viele Familienkonzerte und sogar eine Kinderoper, „Die große Wörterfabrik“, geben. Besonders für Kinder findet man immer etwas im Theaterspielplan.“

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Auf welche Vorstellungen freuen Sie sich besonders?

„Da ich ja selbst auch Regisseur bin, freue ich mich natürlich besonders auf meine eigenen Inszenierungen. Das ist zum einen „Werther“ in der Oper von Jules Massenet. Zum anderen mache ich auch eine Uraufführung nach dem Stück „Die nötige Folter“ von dem fantastischen Autor Dietmar Dath.

Ansonsten gibt es auch tolle Saisoneröffnungen. In der Oper beispielsweise eröffnen wir mit „Dalibor“ – eine sehr selten gespielte Oper von Smetana in einer fantastischen Inszenierung von Roland Schwab. Oder im Schauspiel die „Orestie“ – Ein 2.500 Jahre altes Stück, das kein Bisschen an Aktualität und Bedeutung eingebüßt hat und perfekt in die heutige Zeit passt. Es gibt also wirklich viele Sachen, auf die man sich freuen kann und die auch sehr spannend sein werden.“

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Was ist das Besondere an der kommenden Spielzeit?

„Eine Besonderheit in der nächsten Saison ist auf jeden Fall unser Umzug ins Gaswerk. Ansonsten führen wir das Programm und die Programmatik konsequent fort und setzen uns sowohl mit modernen als auch mit klassischen Stoffen auseinander. Wir bieten eine sehr hohe Qualität in allen Sparten an und versuchen, eine große Bandbreite zu zeigen, ohne dabei beliebig zu sein. Wir wollen die Leute unterhalten, aber wollen sie auch durchaus zum Nachdenken anregen und ich glaube, dass das mit dem Spielplan insgesamt sehr gut gelingen kann.

Außerdem gibt es wieder unglaublich viele Formate und Projekte abseits des gängigen Theaterspielplans. Es lohnt sich also, auch einmal auf unserer Website zu surfen und sich die Zeit zu nehmen, das dicke neue Spielzeitbuch genauer anzusehen.“

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