Augsburg als Studentenstadt

Über 27.000 Studenten leben in Augsburg. Doch ist Augsburg damit schon eine typische Studentenstadt? Und was für Auswirkungen wird die neue Medizinfakultät darauf haben?

Augsburg als Studentenstadt

Wenn ich durch die Augsburger Innenstadt spaziere, fallen mir einige Dinge auf: Unsere Stadt ist schön. Die alten Gemäuer strahlen eine freundliche Wärme aus, was sich in den meisten Fällen auch merklich auf die Gemüter ihrer Bewohner auswirkt. In der Innenstadt sind sowohl viele junge, als auch alte Gesichter zu sehen.

Nur eine Sache macht mich stutzig. Dafür, dass sich Augsburg durch eine große Zahl an Studenten auszeichnet, sind auffällig wenige von ihnen in der Stadt sichtbar. Woran liegt das? Und was passiert, wenn im Herbst die Mediziner kommen?

Metropole oder Studentenstadt? Oder vielleicht beides?

Studenten sind allgemein bekannt, als sehr genügsame Wesen. Sie leben auf schmalem Fuß, bleiben eher unter sich und sagen auch häufig zu Jobs auf Mindestlohnbasis nicht Nein. Nur was die Örtlichkeit ihres Studiums betrifft, sind sie meist nicht ganz so nachsichtig.

Der Zeit des Studiums messen viele einen hohen Stellenwert bei, weshalb auch die Wahl der Studiums-Lokalität ein dezidiertes Prozedere erfordert. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, die in Frage kommen. Entweder es handelt sich um eine Metropole von Weltbedeutung oder es muss zumindest eine “echte Studentenstadt” sein.

Leider müssen wir Augsburger zugeben, dass unsere geliebte Heimatstadt schon seit dem Abklingen der Fugger-Wirtschaftsmacht keine Metropole von Weltrang mehr ist. Auch wenn große Konzerne, wie MAN oder KUKA heute noch einen großen Teil zu Augsburgs Wirtschaftskraft beitragen.

Ist Augsburg denn dann wenigstens eine “echte Studentenstadt”?

Wenn wir uns die Zahlen anschauen, die die Stadt Augsburg über die heutigen Studentenzahlen veröffentlicht, dann sind wir schnell dazu getrieben, diese Frage mit “Ja” zu beantworten. Rund 27000 Studierende sind momentan in Augsburg tätig. Das ist schon eine ganze Menge für eine Stadt mit circa 298000 Einwohnern. Aber wo sind die ganzen Studierenden, wenn sie nicht gerade im Hörsaal oder der Bibliothek büffeln?

Das Univiertel vs. Hotel Mama

Als neuer Ort des Wissenserwerbs, wurde in den 1970er Jahren der Universitätscampus ins Leben gerufen. Umgeben von Wohnhäusern, Natur und ausreichend vielen Möglichkeiten zur kurzfristigen Bedürfnisbefriedigung, hat das Univiertel alles, was ein Student oder Nicht-Student zum Leben und Glücklichsein benötigt. Solange ein paar befreundete Kommilitonen im nahen Uni-Umfeld wohnen, ist es also gar nicht notwendig, die Strecke zwischen der Uni und der Innenstadt von knapp 4 Kilometern zurück zu legen. Es ist bequem und leicht zu rechtfertigen, die Angebote der Innenstadt nur in Ausnahmefällen in Anspruch zu nehmen.

Was auch wichtig für ein angenehmes Studentenleben ist, sind bezahlbare Mieten in Wohnräumen, die nicht zu weit ab vom Schuss sind. Dies ist ein weiterer Vorteil des Univiertels. Die Mieten sind teilweise bezahlbarer, als die in der Innenstadt, welche Jahr für Jahr weiter angezogen werden.

Doch nicht nur im Univiertel verstecken sich Augsburgs Studenten. Die Stadt ist umgeben von vielen kleineren Städten und Örtchen, die nicht nur deutlich günstigere Lebenshaltungskosten aufweisen, sondern auch das Zuhause vieler Studierender sind. Wer aus den umliegenden Ortschaften kommt, bleibt dementsprechend häufig einfach für die Zeit des Bachelors zu Hause im Hotel Mama.

Zwar nicht günstiger, sondern eher teurer ist die rund 70 Kilometer entfernte, großstädtische Wohn-Alternative: München. Wer das “echte” Großstadt-Studentenleben haben möchte, aber trotzdem in Augsburg studieren will, wohnt in Bayerns Hauptstadt.

Womit lockt Augsburg?

Neben Orten der Entspannung, bezahlbaren Mieten, kurzen Strecken der sozialen Anbindung und einem funktionierenden Nahverkehrssystem wünschen wir Studenten uns außerdem eine studentenfreundliche Atmosphäre, die nicht nur “busy” und “professional” ausstrahlt. Eine städtische Atmosphäre, die ein Gefühl von nach-Hause-kommen verursacht, wenn wir nach den Semesterferien zurück kommen. Eine solche Atmosphäre kann eine Stadt schaffen, indem sie Möglichkeiten der Mitgestaltung und Freiräume öffnet, an denen sich jeder Ortsansässige aufgehoben und willkommen fühlt. Das sind Orte, die ein Leben innerhalb der Stadt erstrebenswert machen und Studenten davon abbringen, nach jedem Termin zurück nach “draußen” zu jetsetten. Orte, die auch aus einfachen Besuchern mit Augsburger Wohnhaft, Studenten machen, die es in Erwägung ziehen hier zu bleiben und nicht nur Bildungsangebote abzugreifen.

Der Wir-Garten des Provino, das Grand Hotel Cosmopolis und das AKTI:F Café sind nur drei Beispiele für soziale Projekte, deren Zielgruppe alle gesellschaftlichen Glieder und Randbereiche mit einbezieht. Es wäre wünschenswert, zukünftig mehr von solchen Projekten und “Lücken” in der professionellen Stadtgestaltung aufblühen zu sehen. Ein schönes Beispiel aus Berlin ist außerdem die Gemeinschaftsgarten-Anlage, die sich auf dem Tempelhofer Feld entwickelt hat. Dies ist ein Ort zum Verweilen, zum Zusammensein und Austauschen, wie auch zum meditativen Alleinsein. Ein Ort, der von Grund auf so sympathisch ist, dass er nicht nur Bienen, sondern auch Menschen anzieht und die umliegende Nachbarschaft aufwertet.

Die Mediziner kommen.

Nun gibt es Grund zur Hoffnung, dass Augsburg in den nächsten Jahren noch studentenfreundlicher wird. Aufgrund der Eröffnung der medizinischen Fakultät im Herbst 2016, ist mit einem starken Wachstum der Studierendenzahlen zu rechnen. Geplant ist der Ausbau des Klinikums zu einem Uniklinikum. Im nahen Umkreis des Klinikums soll ein Wohngebiet für Studierende entstehen, das durch Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten aufgewertet und ergänzt wird. Einer Studie zufolge wird das neue Klinikum circa 6500 Arbeitsplätze schaffen. Die ersten 80 Medizinstudenten beginnen im kommenden Herbst ihr Studium. In den darauffolgenden Jahren wird die Zahl der verfügbaren Studienplätze steigen und mit ihr die Nachfrage nach studentischen Angeboten. Damit ist nicht nur die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnräumen gemeint, sondern auch studentenfreundliche Vergünstigungen bei städtischen Institutionen, sowie Freizeit- und Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Mein Fazit

Ob diese Veränderung der Studentenzahlen ein Anwachsen an sozialen Projekten zur Folge haben wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass mit dem Umbau des Uniklinikums und dem Bau der angrenzenden Wohnräume ein weiterer studentischer Außenpol geschaffen wird, dessen Integration ins Stadtgeschehen als Herausforderung zu sehen ist.

Vielleicht wird Augsburg durch das Schaffen von neuen Wohlfühl- und Mitgestaltungsorten noch zu einer „echten“ Studentenstadt. Vielleicht hängt unsere Stadt aber auch einfach weiterhin in der Schwebe.

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