Zum Erinnern mit dem Blick zum Boden

Wer aufmerksam durch die Stadt spaziert, dem sind vermutlich schon die ein oder anderen Stolpersteine aufgefallen, die an die Opfer des National-Sozialismus erinnern. Doch welche Menschen stecken hinter den goldfunkelnden Steinen?

Zum Erinnern mit dem Blick zum Boden

Das Bedauerliche an vielen Stolpersteinen ist ja, dass sie nicht nur relativ klein und somit leicht zu übersehen sind, sondern auch, dass einige so versteckt sind, dass sie nur schwer zu finden sind. Gewiss sind die Steine immer dort verlegt, wo die betreffenden Personen lebten - und es lebte nun mal nicht jeder in der Maximilianstraße oder am Königsplatz. Einige Stolpersteine sollen hier nun aber ein Gesicht bekommen, um an das Erinnern zu erinnern.

Josefa Miller

Weil sie und ihre Tochter politische Häftlinge unterstützte, geriet die KPD-Funktionärin Josefa Miller ins Fadenkreuz der National-Sozialisten. Als die „Rote Hilfe“, für die sich Josefa Miller engagierte, aufgedeckt wurde, wurden beinahe alle Mitglieder verhaftet. Die damals 69 Jahre alte Josefa wurde schließlich zu einem Jahr Haft in das Frauengefängnis in Aichach verurteilt. Am 01. Mai 1937 erlitt sie einen Schlaganfall und starb an den dessen bzw. der Haft-Folgen Mitte Mai 1937. In einem Brief an ihre Verwandten schreibt sie einige Wochen vor ihrem Tod:

„Macht Euch aber um mich weiter keine Sorgen, was das Schicksal auch für mich bereithält, ich werde es durchhalten, ob Regen ob Düsterkeit.“

Josefa Millers Tod im Mai 1937 nahm ihr die Möglichkeit, noch weiter Widerstand in den nächsten Jahren voller Düsterkeit zu leisten. Ihre Tochter Maria engagierte sich ebenfalls für politische Häftlinge, wurde ebenfalls verhaftet, überlebte allerdings sowohl Haft, als auch das Dritte Reich. In einer Befragung 1946 gab sie an, dass sowohl ihre Mutter, als auch ihr Ehemann, Opfer des National-Sozialismus wurden. Ihr Sohn wurde fünf Jahre lang in das Konzentrationslager Flossenbürg interniert, überlebte das Dritte Reich aber ebenfalls.

Der Stolperstein für Josefa Miller befindet sich im Findelgäßchen 4 in Augsburg.

Eugen und Emma Oberdorfer

Das Schicksal der Eheleute Oberdorfer steht beispielhaft für zahlreiche Ladenbesitzer, welche in der Ideologie des National-Sozialismus keinen Platz hatten. Eugen und Emma waren Eigentümer einer Schirmfabrik in Augsburg - das zugehörige Ladengeschäft befand sich dort, wo heute die Burger King Filiale in der Maximilianstraße ist. Da die Oberdorfers jüdisch waren, wurde ihr Betrieb 1938 enteignet. Eugen wurde 1942 zum Zwangsarbeiter und 1943 schließlich deportiert. Er und seine Frau Emma - die beiden waren zu diesem Zeitpunkt 68 bzw 59 Jahre alt - wurden 1943 im Vernichtungslager Auschwitz umgebracht.

Die Stolpersteine von Eugen und Emma Oberdorfer liegen vor ihrem ehemaligen Ladengeschäft in der Maximilianstraße 17.

Hans und Anna Adlhoch

Das Ehepaar Hans und Anna Adlhoch stehen für den christlich-politischen Widerstand in der Stadt Augsburg. Hans Adlhoch war ab 1924 für die Bayerische Volkspartei Stadtrat in Augsburg, 1933 als Nachrücker auch Reichstagsabgeordneter. Bereits Ende Juni 1933 wurde er von den National-Sozialisten in „Schutzhaft“ genommen - exakt solange, bis er auf sein Stadtratsmandat verzichtete. Nach weiteren Internierungen wurde er 1940 in das Militär eingezogen und nach dem gescheiterten Stauffenberg Attentat in das Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Kurz bevor die amerikanischen Truppen das KZ befreiten, wurde er mit anderen Häftlingen auf einen Todesmarsch geschickt, an dessen Folgen er schließlich Ende Mai 1945 starb.

Während seiner zahlreichen Internierungen hielt Anna Adlhoch die Kontakte zu anderen Widerstandskämpfern aufrecht, während sie auch die Verantwortliche des hiesigen Arbeiterinnenvereins war. Sie starb 1961.

Die Stolpersteine für Hans und Anna Adlhoch sind die ersten Augsburger Stolpersteine.

Sie liegen im letzten Wohnhaus von Anna Adlhoch, in der Peutingerstraße 11 vis-à-vis des Domes.

Ludwig, Selma und Jenny Friedmann

Genau wie die Familie Oberdorfer, wurden auch die Friedmanns enteignet - ihr Zuhause befand sich am Martin-Luther-Platz, dort wo sich heute die Filiale der Stadtsparkasse befindet. Bevor das Ehepaar Ludwig und Selma deportiert wurden, entschieden sie, ihrem Leben gemeinsam ein Ende zu setzen und gingen am 07.03.1943 in den Tod. Jenny Schnell, geborene Friedmann, flüchtete 1939 in die Niederlande, wurde später in Westerbork interniert und starb ebenfalls am 07.03.1943.


Logo