Stereostrand „geht wieder los“: Im Gespräch mit Josh Stadlmaier

Das erste sowie einzige Festival Aichachs kehrt nach zwei Jahren zurück. „Mit dem Stereostand machen wir heuer den ersten Schritt Richtung Normalität“, erzählt uns Geschäftsführer Josh Stadlmaier im Interview.

Stereostrand „geht wieder los“: Im Gespräch mit Josh Stadlmaier

Vor acht Jahren fand das erste Mal das Stereostrand-Festival in Aichach statt. Die Bühnen waren an einem naturbelassenen Ort am Wald im Stadtteil Unterschneitbach aufgebaut. „Direkt da, wo die Grubetfreunde e.V. angesiedelt sind“, erklärt Josh Stadlmaier. Er ist der Geschäftsführer der Stereostrand UG und außerdem ein leidenschaftlicher Musiker. Mit seiner Band „The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra“ wird er am Samstag, den 13. August, bei seinem eigenen Festival auftreten.

Von Stereowald zu Stereostrand

Da das Festival an einem Waldstück grenze, hieß es damals noch „Stereowald“. Die Anfahrt war umständlich, Verbindungen zum öffentlichen Nahverkehr gab es nicht. Dennoch habe es großen Erfolg gehabt, so Stadlmaier. „Am liebsten würde ich noch weiter in die Natur gehen.“ Er stelle sich das Festival wie einen verwunschenen Ort vor, an dem sich die Gäste „voll auf das Festival einlassen und es genießen können“. Aber er gibt zu, dass dann wahrscheinlich weniger Leute kommen würden: „Sie mögen es gerne bequem.“ Deswegen findet das erste und einzige Festival in Aichach dieses Jahr auf dem SanDepot-Gelände statt.

Bei dem Gelände handelt es sich um ein Naturgebiet in der Nähe der Innenstadt an dem Fluss „Paar“. Da die Gäste dort auch baden können, wurde aus dem „Wald“ ein „Strand“. „Nach Corona kommt heuer sozusagen unsere erste richtige Neuauflage“, so Stadlmaier. Auf die Frage hin, wie das Team auf die neue Location kam ist, erzählt er: „Unsere Band hat direkt an der Paar einen Proberaum. Es ist eine Art Kulturoase in Aichach, die in Vergessenheit geraten ist.“ Auf der Suche nach einem neuen Gelände sei ihnen aufgefallen: „Moment, hier ist die Paar, hier ist ein Bach, hier ist es total grün – es ist wunderschön.“

Ein eigenes Festival für Aichach

Tatsächlich fand das erste Stereostrand-Festival schon vor Corona statt. Nach dem Festival am „Grubet“ war Pause, sagt Stadlmaier. „Später hatten wir wieder das Bedürfnis, die Sache anzugehen. Außerdem brauchen wir in Aichach ein eigenes Festival.“ Die kleine Kreisstadt im Landkreis Aichach-Friedberg kann auf eine bald tausendjährige Geschichte zurückblicken. Im elften Jahrhundert wurde die ortsansässige Kirche erstmals erwähnt. Zwischen 1840 und 2019 wuchs Aichach von 5.458 auf 21.470 Einwohner:innen. Überschaubar, weswegen viele Leute die Stadt immer noch gerne als Dorf bezeichnen.

„Für eine Kleinstadt wie Aichach ist so ein Festival relativ ungewöhnlich“, erklärt Stadlmaier. Das merke er auch daran, dass sogar das Rollingstone-Magazin über sie berichtet hat. „Für uns ist es das erste Festival seit Corona“, sagt er. „Deswegen ist es dieses Jahr auf viele Arten besonders.“ Sein Wunsch ist es, dass die Stimmung von damals heuer wieder präsent ist. „Die Leute sollen Spaß haben, all ihre Freunde treffen und zwei wundervolle Tage haben.“ Er betont, dass die Pandemie zwar nicht ausgelöscht sei, sie aber trotzdem den ersten Schritt Richtung Normalität wagen wollen. „Es geht wieder los.“

„Wir haben aus allen Genres die Perle gepickt.“

Die Festivalbesucher:innen erwarten die Headliner „Frittenbude“ am Freitag und „Friska Viljor“ am Samstag. Außerdem spielen regionale Größen, unter anderem „Kalaska“, „Schwarzbauer & Maklar“ und das Kollektiv „Modest“ aus Augsburg. Stadlmaier erklärt, dass die Auswahl breit gefächert gestaltet wurde – auf die Gefahr hin, dass dem ein oder anderen die jeweilige Musikrichtung weniger gefällt. Die Zielgruppe umfasse alle Jahrgänge: „Oft steht die Oma mit ihrer Enkelin vor der Bühne. Im besten Fall tanzen beide“, lacht er. Wichtig sei, nicht zu beliebig zu werden und sich Richtung Mainstream zu bewegen.

Wenn er sich einen Act aussuchen dürfte, würde er die Sängerin Joy Crookes für das nächste Stereostrand-Festival buchen – natürlich abgesehen von den Anforderungen, den undenkbaren Kosten und utopischen Aufwand, der dadurch entstehen würde. „Ich habe sie erst kürzlich neu entdeckt und bin seitdem hin und weg“, erzählt Stadlmaier. „Sie geht richtig durch die Decke.“ Außerdem seien „The Beatles“ eine Band, die zum Festival passen würde. „Ich könnte mir vorstellen, dass sie dann mit Joy Crookes und mir gemeinsam auftreten“, witzelt er. „Natürlich würden die Gäste aus aller Welt dann nur wegen mir kommen.“

Social-Media-Detox statt influencen

Obwohl Stadlmaier von Joy Crookes als Headlinerin träumt, ist es nicht in Planung, das Stereostrand weiter wachsen zu lassen. „Da müssten wir zu viele Kompromisse machen“, erklärt er. „Wenn das Festival größer werden soll, müssen Menschen von weiter weg erreicht werden.“ Allerdings handelt es sich hier um ein lokales Festival, welches nur Leute aus der Umgebung anspreche. Daher müsse das Team mit Social-Media-Kanälen werben, worauf sie aber in diesem Jahr explizit verzichten. „Außerdem könnten die Brauereien das nicht mehr stemmen und zum Schluss muss doch ein Becks angeboten werden.“

Der Grund, warum sie für ihr eigenes Festival keine sozialen Netzwerke mehr verwenden und damit werben, seien unter anderem unerwünschte Inhalte. „Das finden wir, wie viele andere, völlig daneben“, so der Geschäftsführer. „Wir hatten immer mehr das Gefühl, dass es die Unternehmen dahinter gewähren lassen oder es ihnen vielleicht sogar recht ist.“ Zudem habe das Team die Wahrnehmung, dass sie beispielsweise mit ihrem Instagram-Account nicht immer alle Leute erreichen, die ihnen folgen. Stadlmaier ist erbittert darüber, dass die Posts nicht automatisch in die Timeline „gespült“ wurden.

„Wir machen etwas Eigenes, etwas kreatives.“

Dieses Dilemma ist auf den Algorithmus zurückzuführen, der die geteilten Beiträge längst nicht mehr chronologisch, sondern nach Relevanz anzeigt. Damit die eigenen Follower die Posts sehen können, müssen diese hoch im Ranking stehen. „Wir wollen ein Festival und keine Social-Media-Accounts organisieren“, schimpft Stadlmaier. „Marketingtechnisch war es wohl nicht clever, aber für uns ist es letztendlich die richtige Entscheidung.“ Das Stereostrand sei sowieso nur für Leute aus dem Aichacher, Augsburger und Münchener Umland relevant. Als Alternative hat das Team eine eigene Website und App für iOS-Geräte entwickelt.

Die Nutzer:innen finden online unter anderem Infos zum Festival, wie etwa zum Line-up und zum kulinarischen Angebot, das dieses Jahr erstmals fleischfrei ist. Außerdem können darüber bequem von zuhause aus Tickets bestellt werden. Sonst stehen die Vorverkaufsstellen in Aichach, Altomünster, Friedberg, Augsburg und Schrobenhausen zur Verfügung. Laut Stadlmaier sei für die nächsten Jahre noch nichts geplant. „Wir haben gelernt, dass wir uns erst wieder nach dem Urlaub zusammensetzten und alles besprechen.“ Insgesamt sind 200 Helfer:innen beteiligt, die auf Stundenbasis entlohnt werden.

Gut zu wissen

Auf der Website sind noch Tickets verfügbar. Alternativ gibt es vor Ort eine Abendkasse. Für Besucher:innen aus der Umgebung bietet sich die Anreise mit dem 9-Euro-Ticket an, da das SanDepot-Gelände nah am Bahnhof in Aichach gelegen ist.

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