Harter Lockdown für alle: Ausnahmen gibt’s nur für Gott

Ab Mittwoch geht Bayern in den harten Lockdown. Doch Gottesdienste an Weihnachten dürfen weiter stattfinden. Schützt beten etwa vor einer Infektion mit Corona? Warum die Ausnahme für Gottesdienste für mich ein echter Aufreger ist.

Harter Lockdown für alle:  Ausnahmen gibt’s nur für Gott

Weiß der Himmel, wieso Gottesdienste trotz hartem Lockdown immer noch stattfinden dürfen. Und wenn alle das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen dürfen, dann sollten auch Gotteshäuser schließen.

Corona macht vor Religion nicht Halt

Haben die Gotteshäuser etwa bessere Hygienekonzepte als Theater, Kinos und viele andere Kulturorte? Wohl kaum. Die für Gottesdienste beschlossenen Regeln von Bund und Ländern - mindestens 1,5 Meter Abstand zwischen Teilnehmern, Maskenpflicht, kein Gesang und Anmeldepflicht - können auch in der Gastro, im Einzelhandel und in Kulturorten eingehalten werden. In großen Kirchen ist genug Platz für Abstand? In Konzerthallen und Stadien aber auch. Hinzu kommt, dass es auch in Gotteshäusern schon zu Superspreader-Events kam. Nach einem Gottesdienst in einer Baptistengemeinde in Frankfurt infizierten sich mehr als 200 Personen mit dem Coronavirus. Viele Betroffene waren nicht vor Ort, steckten sich aber im Anschluss bei Besuchern des Gottesdienstes an. Da hilft auch kein Schutzengel. Corona macht vor Religion nicht Halt.

Feiern ist verboten - außer im Gotteshaus

Dass Gemeinden besonders für ältere Menschen sozial wichtig sind und manchen Menschen Glauben ein Halt sein kann, ist gerade in unsicheren Zeiten unbestreitbar. Doch sollten wir nicht genau diese Menschen schützen? Und seelischen Beistand vermissen gerade auch diejenigen, die sich diesen sonst in Sportvereinen, Jugendklubs oder bei Familientreffen holen. Lockdown sollte auch für Gläubige alle Himmelsrichtungen gelten, denn beten kann jeder auch zu Hause. Und dass die Gottesdienste aus Infektionssicht ein erhöhtes Risiko – gerade für Risikogruppen – darstellen, ist wohl unbestreitbar. Wieso reicht in diesem Jahr nicht, an der TV-Messe teilzunehmen? Wieso muss es zwingend eine Präsenzveranstaltung geben?

Was ist am Feiern im Zeichen des Glaubens also so anders, dass eine Ausnahme gerechtfertigt ist? Wieso sind sonst Privatpartys verboten? Diese kann ich doch auch als andächtige Adventfeier deklarieren. Oder wieso haben Fitnessstudios immer noch zu? Dort kann ich meinen Körper als Tempel huldigen. Und ins Stadion sollten wir auch dürfen, um den Fußballgott anzubeten.

Kirche ist im Gegensatz zu Gastro und Co. nicht in Existenznot

Verbote und Maßnahmen müssen transparent und nachvollziehbar sein und für alle gleichermaßen gelten. Je weniger das der Fall ist, umso schwerer fällt es den meisten die Einschnitte in ihr persönliches Leben zu akzeptieren. Und gerade die Corona-Leugner und -Zweifler machen sich diese Ausnahmen zu Nutzen. Ja, Religionsfreiheit ist ein Grundrecht. Recht auf Freizügigkeit auch – und dennoch verzichte ich darauf, überall hinzugehen, wo ich möchte. Denn ich will mich und andere schützen. Infizierten wird die Freiheit der Person genommen – sie müssen in Quarantäne. Aber: Die CSU könnte wenigstens an die Kirchen appellieren zuzumachen. Das Verständnis der Ungläubigen geht sonst verloren. Und Branchen wie die Gastronomie, der Einzelhandel oder die Kulturbranche fühlen sich veräppelt. Zu Recht. Und im Gegensatz zu diesen droht die Kirche nicht pleite zu gehen, denn die Kirchensteuer fließt weiter.

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