Der ewige Du/Sie - Struggle

Haben Sie ähh ihr nicht auch immer das Problem mit der richtigen Ansprache bestimmter Personengruppen? Mein Statement zum Thema gibt`s hier:

Der ewige Du/Sie - Struggle

Bei uns in der Redaktion von Hallo Augsburg ist das generell eigentlich ganz einfach, wir duzen uns alle gegenseitig und auch euch sprechen wir nicht mit dem förmlichen Sie an. Das schafft eine lockere und entspannte Atmosphäre finde ich. Umso schwerer fällt es dann aber, wenn man auf Recherche geht oder einfach im ganz normalen Alltag. Wenn man zweimal überlegen muss, ist derjenige eine Respektsperson? Fühlt er/sie sich alt wenn ich sieze? Ist es respektlos, wenn ich einfach du sage? Oder freut er sich über ein freundliches „Hallo, ich bin Marina?“

Ein wahres Feuerwerk an Fragen, das uns die deutsche Sprache da eingebrockt hat. Warum wir nicht einfach ein einheitliches „You“ in unserem Wortschatz haben können, frage ich mich spätestens nach Sätzen wie: „Man möge mir die Tür aufmachen“ oder „Könnte mir jemand der hier Anwesenden den Stift reichen“. So eine gestochene Wortakrobatik kommt nämlich häufig zu Stande, wenn ich mir nicht sicher bin, wie ich meinen Gegenüber ansprechen soll. Gepaart mit abgehackten Sätzen am Telefon, bei denen ich einfach hoffe der andere denkt die Leitung knistert, hätte mich ein selbstbewusstes „Du“ oftmals besser da stehen lassen.

Natürlich, es gibt eindeutige Situationen, wie den Herrn Professor oder die 80-Jährige Dame an der Kasse, die beim Du sofort den Verfall der Jugend erklären würde. Aber in so vielen Situationen bin ich mir einfach immer unsicher, welche Anrede jetzt wohl angebracht ist, oder wie ich zuletzt diese Person angesprochen habe. In Ratgebern liest man, dass das „Sie“ Distanz und Respekt zeigt. Wenn ich jemanden erstmal sieze, dann ist das außer im Fall von wirklich ganz hoher Stellung oder Prominenz, nur deshalb, weil ich eine Person nicht sofort als sympathisch eingestuft habe.

Ich verstehe ja den Grund und die Idee hinter dem förmlichen „Sie“ und für das Vorstellungsgespräch oder den Professor, der später meine Bachelorarbeit bewerten wird, ist eine gewisse Distanz ja auch nicht schlecht. Hätten wir aber von Anfang an ein „Du“, wäre auch ganz von alleine ein gewisser Abstand und Distanz zum Vorgesetzten entstanden, den beherrschenden Unterton zaubert auch kein „Du“ beiseite.

Wir leben in einer so transparenten Zeit, in der man im Internet sowieso alles über jemanden herausfinden kann, dass hinter einem „Sie“ oftmals sowieso nur ein Floskel steckt, die man benutzt, weil man’s halt so macht. Was hat es denn bitte auch für einen Sinn jemanden zu siezen, dessen privateste Urlaubsbilder man zuvor auf seinem Social Media Account studieren konnte und dort auch verfolgen kann, was er gestern zum Mittagessen hatte? Mit Distanz bewahren und nötigem Respekt hat das jedenfalls nichts zu tun.

Auf die Abschaffung des lästigen Gesieze kann ich wahrscheinlich aber noch lange warten, wenn sogar ich als 20 Jährige schon des Öfteren gefragt werde ob man mich duzen darf. Für die ganz Konservativen steht der Verfall der Gesellschaft mit der Einführung des „Du“ bei Firmen wie Otto oder IKEA auf dem Spiel. Gleichzeitig sind manche aber beleidigt, hat man sie als „Sie“-würdig und damit als alt eingestuft.

Fakt ist: Recht machen kann man’s nie allen. Ich persönlich werde mich jetzt zumindest auf jeden Fall immer vorher festlegen, was ich sage und kein peinliches Mischmasch veranstalten, denn mehr als das „Du“ anbieten oder ein erster skeptischer Blick, der mich aufs „Sie“ verweist kann nicht passieren.

Was ist eure Meinung zum Thema Du oder Sie?

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