Lichtverschmutzung - Thema des nächsten Volksbegehrens?

Lightpollution wird in Städten zu einem immer größeren Problem. Was das Phänomen für Ursachen und Folgen hat, erfahrt ihr im Artikel.

Lichtverschmutzung - Thema des nächsten Volksbegehrens?

Eines hat das Rekord-Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gezeigt: Die Bayern interessieren sich für Umwelt- und Naturschutz und fordern Maßnahmen zum Schutze der Artenvielfalt. Doch nicht nur im Bereich der Landwirtschaft sind Verbesserungsmaßnahmen sinnvoll und notwendig.

Es geht um das Phänomen der Lichtverschmutzung, dessen Bezeichnung vom englischen Wort Lightpollution abgeleitet wird.

Lightpollution bezeichnet die dauernde Abwesenheit völliger Dunkelheit in den davon betroffenen Gebieten der Erde und bewertet diesen Sachverhalt zugleich negativ.

Besonders betroffen von diesem Phänomen sind dicht besiedelte Regionen, wie Großstädte und Industriegebiete. Straßenbeleuchtungen, Leuchtreklamen und Flutlichtanlagen produzieren große Mengen diffusen, ungenutzten Lichts, welches in höhere atmosphärische Luftschichten reflektiert wird. So bildet sich eine sogenannte Lichtglocke um die hell erleuchteten Regionen, in einem Umkreis von vielen Kilometern.

Es gibt einige weitere Lichtquellen, die besonders zur Bekräftigung der Lichtglocke beitragen. Dazu gehören beispielsweise himmelwärts gerichtete Projektionsscheinwerfer von Diskothekenbetreibern, nach Art von Suchscheinwerfern. Die sogenannten „Skybeamer“ sollen Aufmerksamkeit und Kundschaft anlocken. Auch am Augsburger Nachthimmel tauchen immer wieder Scheinwerfer dieser Art auf.

Besonders problematisch sind diese für die Astronomie: Langzeitbelichtungen von Sternbildaufnahmen werden durch bewegliche Scheinwerfer unbrauchbar gemacht.

Die vielerorts erkennbare Lichtglocke hat außerdem große negative Auswirkungen und Folgen auf Mensch, Tier und Umwelt.

Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen, da ihr Tag-Nacht-Rythmus durch den dauerhaften Lichteinfall gestört ist. So besteht die Gefahr schwerwiegende chronische Erkrankungen zu erleiden.

Naturphänomene, wie der nächtliche Sternenhimmel, die Milchstraße, Sternschnuppen und Glühwürmchen sind vielen Stadtkindern nur aus Büchern und Erzählungen bekannt. Dadurch geht nicht nur mehr und mehr die Bindung zur Natur verloren. Auch die Bedeutung der Dunkelheit als Natur- und Kulturgut geht immer mehr verloren. Einige bedeutende menschheitsgeschichtliche Erkenntnisse, wie zum Beispiel die Kalenderrechnung, basieren auf der Betrachtung des Nachthimmels.

Den schwerwiegendsten Schaden tragen jedoch nachtaktive Tiere, durch die künstliche Beleuchtung unseres gemeinsamen Lebensraumes.

In einer Sommernacht sterben an jeder Straßenlaterne durchschnittlich 150 Insekten. Hochgerechnet auf die deutschlandweiten 6,8 Millionen Straßenlaternen sterben dementsprechend in einer solchen Nacht mehr als eine Milliarde Insekten.

Zunächst scheint uns das in unseren insektenfreien städtischen Schlafzimmern wenig zu stören. Die Vögel, Spinnen, Nager und anderen Lebewesen, die sich von Insekten ernähren, stört der Mangel an Nahrungsmitteln jedoch erheblich. Die Artenvielfalt wird so auf direkte Weise, durch die übermäßige nächtliche Beleuchtung von Städten und Industrieregionen, gefährdet.

Von den verwirrten Glühwürmchen, die in den hellen Straßen nachts keine Fortpflanzungspartner mehr finden können, weil sie von Straßenlaternen wie magisch angezogen werden, möchte ich gar nicht erst anfangen.

Doch bevor wir zu den konkreten technischen Lösungsmaßnahmen kommen können, möchte ich euch erklären, was es für Gründe und Anlässe für nächtliche Beleuchtung gibt.

Warum so viel Licht?

Prof. Dr. J. Alexander Schmidt von der Universität Duisburg teilt die städtische Beleuchtung in einem Forschungsbericht in drei Kategorien ein. Das „Licht zum Sehen“, „das Licht zum Ansehen“ und „das Licht zum Hinsehen“. Ersteres ist dazu da sicherheitsrelevante Orte und Objekte auszuleuchten, um Gefahren zu vermeiden. Das „Licht zum Hinsehen“ bezieht sich auf „Akzentlicht zur Befriedigung von ästhetischen Ansprüchen der Betrachter“. Hiermit werden beispielsweise Gebäude, Bäume, Mauern und Skulpturen bei Nacht in Szene gesetzt. Das „Licht zum Ansehen“ bezieht sich auf Leuchtwerbung, sowie auf Lichtkunst.

Was bedeutet uns das Licht?

Nicht nur der Zweck der Beleuchtung spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Hinzu kommt die Bewertung von Licht im städtischen Raum von Seiten der Bevölkerung. Die meisten Menschen verbinden mit einem Mangel an Licht einen Mangel an Urbanität und technischer Modernität, was sich auf die Bewertung der Attraktivität des jeweiligen Ortes auswirkt. Damit ist gemeint: eine zu große Dunkelheit in einem öffentlichen Raum empfinden Menschen als unangenehm.

Außerdem befürchten viele Einzelhändler und Gewerbeeigentümer, dass eine zu geringe nächtliche Ausleuchtung ihrer Geschäftsflächen negative Auswirkungen auf die Umsätze haben könnte.

Ansätze zur Problemlösung

Es gibt viele Möglichkeiten das Problem der Lichtverschmutzung einzudämmen. Hier sind einige Beispiele, die auch in Augsburg notwendig und einfach umsetzbar wären:

  • Begrenzte oder angepasste Beleuchtungszeiten. Hier wäre es sinnvoll, nur bei hohem Passanten- oder Verkehrsaufkommen Beleuchtungsmaßnahmen zu treffen.

  • Reduzierung von unnötiger Beleuchtung. Damit ist die Ausschaltung von nicht zielgerichteten oder zu intensiven Lichtquellen gemeint.

  • Gerichtetere Beleuchtung. Leuchtmittel sollten nur von oben, statt von unten oder horizontgerichtet sein.

  • Abschirmung von Lichtquellen, um Abstrahlung nach oben oder den Seiten zu vermeiden.

  • Völliger Verzicht auf nur nach Oben gerichtete Leuchtkörper, wie z.B. „Skybeamer“

Was haltet ihr von dieser Problematik? Wäre es sinnvoll hierzu ebenfalls ein Volksbegehren in die Wege zu leiten? Erzählt uns eure Meinung in den Kommentaren.

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