Solidarbier Sprengstoff: Brauen als Kollektiv

Die Bierkenner aus Augsburg werden es schon kennen: Das Bier der Brauerei Sprengstoff. Worum es den Mitgliedern des Kollektivs neben dem Bier-Brauen noch geht und was ihr Bier so besonders macht.

Solidarbier Sprengstoff: Brauen als Kollektiv

Angefangen hat alles mit Tobias Spreng und seinem Interesse an Pflanzen. Eine Zeit lang bot er Kräuterwanderungen an und beschäftigte sich allgemein mit Pflanzen und ihrer Wirkung. Dabei begegnete ihm immer wieder das Bierbrauen. Gleichzeitig engagierte er sich bei Greenpeace und Attac Augsburg gegen soziale Ungleichheit. 2012 stand sein Entschluss dann fest: Er möchte eine alternative Brauerei eröffnen.

Arbeiten im Kollektiv

Schnell wird ihm klar, dass er kein Chef sein möchte. Vielmehr will Tobias Spreng erreichen, dass alle an der Brauerei beteiligten, sich gleichermaßen verantwortlich fühlen, alle Entscheidungen mit treffen dürfen und das Schaffen der Brauerei aktiv mitgestalten. 2016 wird die junge Brauerei, die zu der Zeit noch im eigenen Wohnhaus im Keller eingerichtet war, zum Kollektiv. Seitdem gesellen sich immer wieder neue Mitarbeiter zu den jungen Bierbrauern. „Das ist auch das Schöne an einem Kollektiv. Es bleibt immer offen für Neueinsteiger“, findet Jörg Kudszus, der früher in der Buchhaltung tätig war und jetzt Teil des Kollektivs ist. Derzeit besteht das Team aus fünf Menschen, die im Oktober dieses Jahres eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet haben, um das Arbeiten im Kollektiv zu ermöglichen. Dazu kommen noch Helfer, die gelegentlich mit anpacken.

Das Brauerei-Team ist nicht zufällig entstanden. Jeder Einzelne hat sich bewusst für die Kollektivarbeit entschieden. So zum Beispiel auch Jörg Dudat. „Ich weiß, wie es ist fremdbestimmt arbeiten zu müssen“, erzählt er. 30 Jahre lang habe er als Außendienst-Techniker gearbeitet. Die Arbeit habe ihm eine Zeit lang auch viel Spaß gemacht, aber irgendwann habe gemerkt, dass sie ihm auf Dauer nicht guttut.

Ziel ist es, auf null rauszukommen.

„Kaum Entscheidungsfreiheiten, aber immer die volle Verantwortung“, erzählt er. Vom Kollektiv erhofft er sich ein gemeinschaftlicheres Arbeiten, bei dem er die Ausrichtung des Unternehmens mitbestimmen kann. „Dass wir nicht auf Gewinnmaximierung aus sind, hat viele Vorteile“, fügt Jörg Kudszus hinzu. „Wir können den Bedürfnissen jedes Einzelnen viel eher gerecht werden, als ein klassisches Wirtschaftsunternehmen“. Wenn die Entscheidungsgewalt auf viele Schultern verteilt ist, heißt das natürlich auch, dass viel Zeit für Abstimmungsprozesse eingeplant werden muss. Darin sieht hier aber niemand ein Problem.

Das Ziel ist nicht der Profit

Aktuell bekommt keiner der Brauerei-Mitarbeiter ein Gehalt ausgezahlt. Sie haben sich dazu entschieden, die Gewinne zunächst in den Aufbau der Brauerei zu reinvestieren. Das soll sich langfristig ändern. „Natürlich soll irgendwann jeder ein faires Gehalt bekommen. Gleichzeitig soll genug für Rücklagen und Investitionen übrigbleiben. Das alles ist aber noch Zukunftsmusik“, meint Tobias Spreng. Ziel sei es, nach Abzug der genannten Ausgaben, auf null rauszukommen. „Wir wollen ein Mehrwert für die Gesellschaft erwirtschaften. Ob das in diesem Projekt funktioniert, wird man erst in vielen Jahren sehen“.

Brauen in einer alten Metzgerei

Seit zweieinhalb Jahren ist die Brauerei in einem Hinterhof in einer ehemaligen Metzgerei in Haunstetten zuhause. Hier stehen zwei große Kessel, Fässer, eine Abfüllanlage, ein Maische-Behälter und was sonst noch alles zum Bierbrauen gebraucht wird. Anders als in großen Brauereien, haben die Brauer der Sprengstoff-Brauerei genug Freiraum, mit Zutaten und Geschmäckern zu spielen. Mal etwas mehr Hopfen, mal etwas weniger, mal andere Hopfensorten – hier darf ausprobiert werden. „Es kann auch mal sein, dass zwei Tanks desselben Biers, unterschiedlich schmecken. Große Brauereien gleichen an, wir lassen Unterschiede zu“, erzählt Tobias Spreng. Sowohl das Brauen an sich, als auch das Arbeiten im Kollektiv, wird von allen als großes Experiment angesehen, in dem nichts in Stein gemeißelt ist.

Hugo Fountourcy, der vor ein paar Jahren noch in der IT tätig war, hat zusammen mit Christian Spreng eine neue Webseite für die Brauerei erstellt. Hier findet ihr auch die Kontaktdaten, über die ihr Sprengstoff Bier bestellen könnt. Wenn ihr noch ein Weihnachtsgeschenk für einen Bier-Liebhaber braucht, ist der Weihnachts-Sixpack vielleicht etwas für euch. Den Beschenkten erwarten sechs verschiedene Sorten Sprengstoff-Bier zum Durchprobieren.

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