Warum ich Speeddating gar nicht mal so scheiße finde

Als die Modularzentrale ein Speeddating bei Kaffee und Kuchen veranstaltete, wurde ich doch neugierig. Wie ist Speeddating denn eigentlich so? Ein kleiner Bericht über meinen Abend.

Warum ich Speeddating gar nicht mal so scheiße finde

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in meinem Leben zum Speeddating gehen würde. Nicht, dass ich eine besondere Abneigung dagegen hätte. Aber irgendwie war mir einfach nie danach. Als dann aber die Modularzentrale ihr „Speeddating bei Kaffee und Kuchen“ organisierte, war ich dann doch ein bisschen neugierig. Also packte ich meine Freundin ein (denn ich alter Angsthase hätte mich alleine nie getraut) und hab mir das Ganze mal angesehen.

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Für alle, die es noch nicht wissen: Speeddating ist ein Event, bei dem man für wenige Minuten einem Fremden gegenüber sitzt und sich in dieser Zeit kennenlernen kann. Im Idealfall versteht man sich gleich super und es funkt.

Als der Moderator am Anfang des Events verkündete, dass eine Runde ganze 7 Minuten dauerte, war ich zugegeben erst einmal schockiert. 7 Minuten kamen mir in dem Moment extrem lang vor. Was soll ich schon ganze 7 Minuten lang mit einem Fremden reden, der mir vielleicht nicht einmal sympathisch ist? Ich dachte an Tinder und Co. … hach, wie schön anonym man dort bleiben kann. Aber ja, ich hatte schon meinen Platz, also wollte ich jetzt auch nicht mehr aufstehen und gehen.

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Die erste Runde hat mich dann gleich positiv überrascht. Denn wie sich herausstellte, fand nicht nur ich die Situation irgendwie absurd, sondern auch mein Gegenüber. So hatten wir auch schnell ein Geprächsthema gefunden und amüsierten uns prächtig. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer! Doch je mehr Runden vergingen, desto mehr kam mir Speeddating plötzlich vor wie ein seltsames Bewerbungsgespräch. Es wurden fast immer die gleichen Fragen gestellt (klar, wo soll man schließlich anfangen, wenn man nur ein paar Minuten zu reden hat?) und über klassischen Smalltalk ging es dann doch nur selten hinaus. Die vielen Kärtchen auf dem Tisch mit Fragen wie „Was ist das größte Fettnäpfchen, in das du je getreten bist?“ oder „Auf was bist du besonders stolz?“ machten das Ganze leider auch nicht immer besser.

Zum Glück gab es regelmäßig Pausen mit Kaffee und Kuchen, in denen man sich ganz ohne Zeitdruck und in entspannterer Atmosphäre unterhalten und austauschen konnte. Im Gespräch mit anderen habe ich dann erfahren, dass wirklich viele von ihnen begeistert waren vom Speeddating und es bei einigen auch schon richtig gefunkt hat an diesem Abend. Ich konnte es zwar nicht ganz glauben, aber das Format funktioniert wirklich!

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Auch wenn ich persönlich an diesem Abend nicht meinen Prinz Charming kennengelernt habe, muss ich doch zugeben, dass das Speeddating an sich gar nicht mal so schlimm war, wie ich erwartet hätte. Vor allem ist mir klar geworden, dass wirklich eine Menge Mut dazugehört, sich an diesen Tisch zu setzen und mit völlig Fremden zu unterhalten. Denn seien wir mal ehrlich, wie oft spricht man im Alltag schon mit Fremden? Und damit meine ich natürlich länger als nur einen Satz an der Supermarktkasse. Allein in diesem Sinne war das Speeddating eine gute Übung für mich.

Und ist es nicht eigentlich schöner, echte Gespräche mit realen Menschen zu führen, als anonym durch einen Katalog voller möglicher Matches zu swipen?

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