Kindererziehung: „Medienfrei bis drei“ – erhöhter Medienkonsum schadet Ihrem Kind | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Digitale Medien sind heute ständige Begleiter – bereits im Kindesalter. Eine Augsburger Sprachtherapeutin berichtet über die Folgen.

Kindererziehung: „Medienfrei bis drei“ – erhöhter Medienkonsum schadet Ihrem Kind

Medien sind Teil unserer heutigen Lebensrealität, so auch im Kinderzimmer, denn längst haben Tablet, Handy und Fernseher dort Einzug gehalten. Manch ein Kinderwagen für die Kleinsten hat bereits eine Handyhalterung, so dass stets kurze Clips und Videos angeschaut werden können. Oftmals gehen Eltern davon aus, dass Medien bilden und Kinder mit Hilfe von kleinen Clips z.B. Sprache, Farben oder Zahlen lernen können. Teilweise sind Medien auch zum digitalen Babysitter avanciert.

Augsburger Sprachtherapeutin berichtet

Seit 12 Jahren ist Yvonne Rettenmaier, akad. Sprachtherapeutin, in ihrer „Praxis für frühe Sprachtherapie“ im Augsburger Domviertel tätig. In dieser Zeit hat sich bei kleinen Kindern ein Störungsbild mit fatalen Folgen entwickelt. Die Kinder zeigen ähnliche Symptome wie Kinder im Autismusspektrum. Kinder mit erhöhtem Medienkonsum zeigen ein auffälliges Beziehungs- und Interaktionsverhalten, auch ihre Sprach- und Spielentwicklung sind deutlich eingeschränkt.

„Die Kinder reagieren nicht auf Ansprache, nehmen keinen Kontakt zu ihrem Kommunikationspartner auf, sprechen häufig nicht oder entwickeln ihre eigene Sprache“, so Yvonne Rettenmaier. Sie können nicht spielen, wissen einfach nicht, was sie mit Spielsachen tun können. Auf ein „Nein, das darfst du nicht!“, reagieren diese Kinder häufig aggressiv. Spielsachen werden dann durch den Raum geworfen. Die Kinder zeigen ein Verhalten, welches das gesunde Trotzverhalten deutlich übersteigert. Im Anamnesegespräch zeigt sich häufig, dass kleine Kinder teilweise beginnend mit sechs bis zwölf Monaten, bereits über mehrere Stunden täglich digitale Medien konsumieren.

Das sagt die Wissenschaft zum Problem des erhöhten Medienkonsums

In wissenschaftlichen Kreisen ist längst bekannt, dass erhöhter Medienkonsum negative Auswirkungen auf die (früh-)kindliche Entwicklung hat. Deshalb heißt es nicht ohne Grund: Medienfrei bis drei! Denn die Rehabilitation der Kinder ist intensiv.

„Die Kinder müssen die Welt mit ihren eigenen Sinnen, ihren eigenen Händen ‚be-greifen‘. Folglich müssen sich Kinder mit der konkreten Welt auseinandersetzen. Medien sind jedoch zweidimensional. Die Kinder verstehen nicht, was sie schauen“, so die Sprachtherapeutin, die mit kleinen Kindern im Freispiel arbeitet, damit diese auf spielerische Weise die Welt und somit die Sprache entdecken können. Wie will ein Kind das Konzept z.B. von „Schuh“ aufbauen, wenn es diesen nicht anfassen kann? Noch schwieriger wird es bei Verben und Adjektiven“, so Sprachtherapeutin Rettenmaier.

„Ich bin nicht generell gegen Medien, doch ich bin der Meinung, dass der Umgang mit Medien im Sinne von ‚die Dosis macht das Gift‘, reflektiert werden muss. Häufig sind Eltern absolut unwissend, deshalb benötigen wir großangelegte Aufklärungskampagnen, so dass nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern vor allem auch die Kleinsten der Kleinen vor den Gefahren der Medien geschützt werden können“, so Rettenmaier.

Einen Anfang in Richtung Information und Aufklärung hat die Sprachtherapeutin bereits geleistet, indem sie auf ihrer Homepage einen ausführlichen Artikel zum Thema Medienkonsum bei Kleinkindern veröffentlicht und diesen in zahlreiche Sprachen übersetzen, hat lassen. Ebenso so ist dort ein kurzer und prägnanter PDF-Flyer für jedermann zum Download zu finden.