Sommer in Augsburg – eine brutale oder die schönste Jahreszeit?

Der Sommer in Augsburg – die schönste Jahreszeit oder einfach nur brutal?

Sommer in Augsburg – eine brutale oder die schönste Jahreszeit?

Der Sommer – bei den meisten Augsburgern völlig als die „schönste Jahreszeit“ überschätzt. Ja die Sonne scheint und macht gute Laune. Ich geb’ es ja zu. Man kann in den See oder in den Proviantbach hüpfen, es blühen so viele bunte Blumen, man kann noch bis in die späten Abendstunden im Biergarten oder im Damenhof sitzen und irgendwie lächeln auch mehr Menschen. Aber, das ist nur die romantisierte Seite des Sommers. Doch wie sieht der Alltag aus?

Girl, I want to make you sweat…

Der Song von Inner Circle hat die Sonne inspiriert. Sie möchte, dass die gesamte Stadt schwitzt. Das bringt nicht nur die herrlichsten Gerüche auf den Augsburger Straßen hervor, sondern es ist auch einfach unangenehm. Alles klebt und ich habe das Bedürfnis jede halbe Stunde in einen See springen zu müssen.

Spinnen, Wespen, Krabbelviecher

Ein klassischer Besuch am See sieht bei mir so aus, dass sich die Ameisen grundsätzlich und immer denken: „Ach, wir legen unsere Ameisenstraße mal über diese Frau, die da ahnungslos in der Sonne liegt und ein Buch liest“. Fragt mich nicht warum, aber diese Ameisen haben es auf mich abgesehen. Ganz sicher!

Irgendwann hole ich mir ein Radler. Auf dem Weg dahin achte ich darauf, in keine Bienen und Wespen zu treten, was mir meistens gelingt. Von den Ausnahmen möchte ich hier nicht erzählen. Ich denke jeder kennt den Schmerz eines Wespenstichs am Fuß. Kaum steht mein Radler neben mir auf der Liegewiese, zieht es auch Schwärme an Wespen an, die gerne in meinem kalten Getränk baden gehen. Na, dann mal Prost!

Möchte ich mir Abends noch den Sonnenuntergang anschauen, muss ich die Gefahr gut abwägen. In der Dämmerung kommt mein Erzfeind des Sommers: die Mücke! Meine Beine sehen im Sommer so aus, als hätte ich die Pest – übersäht von dicken Mückenstich-Beulen und aufgekratzen Mückenstich-Narben.

Im Dunkeln kriechen die nachtaktiven Spinnen hervor. Als Kind hatte ich mehrere traumatische Erlebnisse mit diesen Krabbeltierchen. Einmal hatte sich eine Spinne in meinen Haaren verfangen und ich bin sie partout nicht losgeworden. Allein die Vorstellung, ich könnte eine Spinne aus Versehen berühren, versetzt mich in Angst und Schrecken. Erst kürzlich habe ich im Dunkeln den Lichtschalter im Keller betätigt und habe wenige Zentimenter von mir eines dieser Krabbelmonster erblickt. Seitdem meide ich den Keller. Weiträumig.

Eng an Eng wie die Sardellen

Wem die kleinen Tierchen egal sind, der erlebt am See meistens eine andere Herausforderung. Bei gutem Wetter einen freien Platz am Kuhsee finden? Unmöglich! Im Park und an anderen, weniger bekannteren Seen oder am Proviantbach sieht es ähnlich aus. Die idyllische Vorstellung existiert nur in unseren Köpfen. In Wahrheit liegen wir Eng an Eng mit fremden Menschen um eine Möglichkeit, sich abzukühlen, herum und kämpfen ums Überleben in der Hitze. So ist das nämlich. Dabei laufen kleine Kinder, mit klebrigen Ketchup-Fingern herum und verteilen die Reste gerne auf den Handtüchern der umliegenden Badegäste.

Und der Arbeitsalltag?

Am See sitzen, die Sonne genießen, einen Cocktail oder Aperol Sprizz in der Abenddämmerung trinken – das sind bis auf die oben erwähnten Ausnahmen wunderschöne Momente im Sommer. Aber sie finden nur statt, wenn wir Freizeit oder Wochenende haben. Doch wie sieht der Arbeitsalltag aus? Alle, die mal bei uns im Büro am Milchberg waren wissen: Wenn draußen die Sonne scheint, schmilzt Du in unserem Büro mit der schönen Fensterfront einfach weg. Kein Deo hält, keine Klamotten sind luftig genug, kein Ventilator und keine Klimaanlage kommen gegen die Hitze an.

Und dann soll mir noch einer sagen: „Freu Dich doch, ist Sommer“. Ja, wenn ich nur Freizeit hätte, würde ich mich auch mehr freuen. Aber die Hitze im Büro, die vielen Badegäste, mit denen ich meinen idyllischen Seetag teilen muss, und die vielen kleinen Tierchen machen es mir oft nicht leicht. Trotzdem vergesse auch ich die kleinen, brutalen Gemeinheiten des Sommers, wenn ich mit meinem Feierabend-Aperol im Bob’s in der Maxstraße, im City Club Café auf der Terasse oder im Damenhof sitze und die sommerliche Atmosphäre genieße; oder mit Anlauf in den kühlen See springe.

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