Skitouren – wie umweltfreundlich und nachhaltig sind sie wirklich?

SkitourengängerInnen sind weder auf Schneekanonen noch auf Liftanlagen angewiesen. Doch ist es wirklich umweltverträglicher? Wir machen den Check.

Skitouren – wie umweltfreundlich und nachhaltig sind sie wirklich?

…jeder Atemzug zeichnet sich in der kalten Morgenluft ab.

Die Sonne spitzelt hinter dem felsigen und schneebedeckten Gipfel hervor, jeder Atemzug zeichnet sich in der kalten Morgenluft ab. In einem gleichmäßigen Rhythmus ziehen wir die Skier über den frischen Schnee. Das Tempo, in dem wir uns Meter für Meter den Berg hinauf arbeiten, lässt uns die Natur um uns herum intensiv wahrnehmen. Das Gefühl beim Erreichen des Gipfels und der Blick auf unberührten Pulverschnee bis tief ins Tal lassen den Puls noch einmal ein bisschen schneller schlagen.

Wer die Berge, Wandern, Skifahren und frischen Pulverschnee liebt wird früher oder später beim Tourengehen landen. Wenn Du mit den Fellen unter der Lauffläche unterwegs bist, eröffnet sich Dir eine gigantische Bergwelt zum powdern – fernab von surrenden Liftanlagen und Menschenmassen. Den Gipfel aus eigener Kraft zu erreichen und inmitten von unberührtem Tiefschnee zu landen – schöner geht’s wohl kaum. Doch wie steht’s eigentlich um die Nachhaltigkeit?

Sind Skitouren wirklich umweltfreundlicher?

Auf die Felle, fertig, los.

Im Vergleich zum konventionellen Skifahren scheint man hinsichtlich des Umweltaspektes erstmal besser abzuschneiden, denn man ist schließlich nicht auf die stromaufwendige Liftnutzung und die mit Kunstschnee präparierten Pisten angewiesen. Aber sind Skitouren wirklich so viel nachhaltiger und umweltfreundlicher, wie es auf den ersten Blick erscheint?

Ja und nein. Denn die größten Emissionen entstehen an ganz andere Stelle: bei der Anfahrt. Endlosen Stau vor Garmisch oder am Brettfalltunnel kennt jeder, der zwischen Dezember und März in den Bergen unterwegs ist. Über 80 Prozent des CO2-Ausstoßes im Wintertourismus ist auf die Anfahrt mit dem Auto zurückzuführen, darunter befinden sich auch die Tourengeher. Nur die Wenigsten reisen mit dem Zug an. Oft sind die Bahnhöfe schlicht zu weit vom Ausgangspunkt entfernt und die Anreise mit dem Auto bequemer.

Schneehühner und Gämse in Aufruhr

Das Hauptproblem beim Tourengehen liegt jedoch woanders. Auf Touren im Gelände bewegst Du Dich in Teils geschützten Bereichen und dringst so zwangsläufig in den Lebensraum von in den Alpen beheimateten Tieren ein. Die Wildtiere werden so zur Flucht veranlasst, was zu einem hohen Energieverbrauch, zum Verlassen ihrer Überwinterungsgebiete und zur Aufgabe von Futterplätzen führt. Eine so kleine Störung durch Dich als SkifahrerIn kann fatale Folgen haben.

Schneehühner flattern aus ihrem Unterschlupf.

Besonders sensibel reagieren beispielsweise Schneehühner. Sie graben sich dicht unter der Schneedecke in kleine Höhlen ein und werden so häufig überfahren oder flattern aus ihrem Unterschlupf. Bei der Flucht verbrauchen sie so bis zu zwölfmal mehr Energie, was zu einer dauerhaften Schwächung führt. Rehe und Gämse verlassen ihre Futterplätze und die scharfen Skikanten können Vegetationsschäden verursachen.

Wie kannst Du es richtig machen?

Keine Angst, Du musst jetzt nicht komplett auf Skitouren verzichten, um die Umwelt zu schonen. Wenn Du etwas darauf achtest, wo Du nach Deiner Tour abfährst und wie Du Dich verhältst, ist es ein absolut umweltverträglicher Wintersport.

1. Vermeide Schutzgebiete und respektiere den Lebensraum von Pflanzen und Tieren. Der DAV hat 180 Tourenberge mit etwa 500 naturverträglichen Routen und Varianten ausgewiesen, neue Karten aufgelegt und Hinweisschilder angebracht. Du kannst Dich ganz leicht auf der Homepage des Alpenvereins über geeignete Touren informieren.

2. Die Nachhaltige Anreise spielt eine entscheidende Rolle. Versuche, wenn möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzukommen oder zumindest in einem vollbesetzten Auto. Für einen umweltbewussten Bergsteiger sollten zudem Höhenmeter und Anfahrtskilometer in einem verantwortbaren Verhältnis stehen. Auch hier findest Du beim DAV Infos zu vielen gängigen Tourengebieten mit Zug- und Busverbindungen.

3. Hinterlasse keinen Müll oder sonstiges. Du befindest Dich in der Natur und im Lebensraum von Wildtieren. Hinterlasse also nichts außer Deinen Spuren im Schnee, um die Umwelt und ihre Bewohner zu schützen.

4. Neben dem Umweltschutz darf auch die eigene Sicherheit nicht vergessen werden.Dazu gehört, sich immer im Vorhinein über die Lawinen- und Schneelage zu informieren. Im besten Fall hast Du einen Kurs belegt oder bist in kompetenter Begleitung unterwegs. Wenn Du Dir nicht sicher bist, kannst Du Dich an Skitourenlehrpfade für Einsteiger halten. Diese gibt es überall in den Alpen, beispielsweise am Tegelberg im Allgäu, am Kolbensattel in den Ammergauer Alpen oder am Kranzberg in Mittenwald.

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